The Home Guard – Nature Versus Nurture Versus Nietzsche

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The Home Guard(55:11, CD, Eigenverlag, 2015)
Hinter dem Namen The Home Guard verbirgt sich ein britisches Duo, das mit dem vorliegenden Album seine dritte Veröffentlichung in dieser Konstellation auf den Markt bringt. Daniel Kazimierow und Christopher Tyner legten 2007 mit “A Head Of Steam” ihr Debütalbum vor; es bestand aus zehn kurzen Pop-Rock-Songs und der Opener ‘Year Zero‘ war mit knapp sieben Minuten das einzige längere Stück. Zwei Jahre später erschien “Forlorn Hope And Glory“ mit fast identischer Ausrichtung; auch dort wieder zehn kurze Songs, der siebenminütige „Longtrack“ befand sich am Ende des Albums. Beide Platten enthalten Spuren von Prog. Das Debüt definierte sich meist noch über Gitarre und Gesang, beim Zweitling kamen etwas mehr Keyboards hinzu, ohne allerdings den Sound entscheidend zu ändern.

Bis zum dritten Album dauerte es deutlich länger. Das Duo nahm sich Zeit dafür, seinen Sound ein wenig zu verändern: So bekam das 2015er-Album einen deutlichen Neoprog-Anstrich, und nix mehr mit kurzen Songs – nein: The Home Guard bieten hier vier Stücke mit Spielzeiten zwischen gut zehn und 14 Minuten. Kazimierow und Tyner sind dabei wieder ausgesprochen melodiös unterwegs, sie binden jetzt aber ausgedehntere Instrumental-Arrangements ein, und das machen sie durchaus ordentlich.

Wer auf harte, aggressive Töne oder schräge Nummern aus ist, liegt bei The Home Guard eindeutig falsch, denn das Duo legt viel Wert auf wiedererkennbare Melodien. Das geht bisweilen so weit, dass man fast Gassenhauer-Niveau à la ‚Part Of The Union‘ von den Strawbs erreicht (der zweite Titel, ‘Life Goes On‘, erinnert mich in der Melodieführung ein wenig daran). Doch das soll jetzt nicht negativ gemeint sein. The Home Guard schaffen es, sich mit ihren Melodielinien hartnäckig in den Gehörgängen festzusetzen. Damit erinnern sie an die Strange Days, die in den Mitte der 1970er-Jahr das Album “9 Parts To The Wind“ herausbrachten, und vielleicht kommt einem auch mal die Neoprog-Band Castanarc aus den Neunzigern in den Sinn.

Die Aufgabenverteilung liest sich wie folgt:
Daniel Kazimierow: vocals, electric guitar, mandolin, woodwind, percussion.
Christopher Tyner: acoustic guitar, bass, piano, synthesizers, other keyboards.

Die Briten mischen auf ihrem aktuellen Werk Singer/Songwriter-Ansätze mit einer ordentlichen Portion Neoprog. Die Gesangsmelodien gehen schnell ins Ohr und die Gitarrenarbeit ist eher unauffällig, während speziell die Tasteninstrumente mit einigen sehr schönen sinfonischen Arrangements aufwarten. Ob Kirchenorgel-Sound oder ein feines Mellotron-Intermezzo (in ‘Life Goes On‘) – Christopher Tyner bringt sich mit seinem Tastenspiel gut ein. Dass der Rhythmus nicht von einem echten Schlagzeuger beigetragen wird, lässt sich an der einen oder anderen Stelle erahnen. Dies hinterlässt keinen nachhaltig negativen Eindruck, birgt aber Verbesserungspotenzial. Was im Gedächtnis haften bleibt, sind griffige Melodien und einige schöne Arrangements. Wer die Melodie-betonte Neoprog-Spielart mag, dürfte sich davon angesprochen fühlen.
Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KR 7)

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The Home Guard – Nature Versus Nurture Versus Nietzsche

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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