
Alternative Metal • Progressive Death Metal • Technical Death Metal • Nu Metal
(39:04; Vinyl, CD, Digital; Metal Blade Records; 23.10.2026)
Deathcore und Progressive Death Metal waren gestern! Zumindest scheinen Entheos keine Lust mehr zu haben, sich von diesen Etiketten einengen zu lassen. "Empty On The Inside" bewahrt die Death- und Prog-DNA der bisherigen Diskografie, öffnet sich aber ebenso Alternative Metal, Nu Metal, Industrial und Grunge. Crossover ist das Stichwort, ohne dass hier einfach alles in einen Topf geworfen wird. Maßgeblich geprägt wird der Sound von Bandleader Navene Koperweis, der unter anderem bei Animosity, Animals as Leaders, Fleshwrought und Machine Head aktiv war und bei Entheos neben dem Schlagzeug auch Gitarre und Synthesizer übernimmt. Mit Sängerin Chaney Crabb, seiner Ehefrau, bildet er auch privat ein Team. Der Opener 'Hell Is A Part Of Me' setzt zunächst auf Growls, Blastbeats, djentige Riffs und Breakdowns, ehe Chaney Crabb mit hellem Klargesang einsetzt. Statt des im Metal verbreiteten Engelchen-und-Teufelchen-Klischees, das Cleans und Growls auf lieblich und böse reduziert, dienen die unterschiedlichen Gesangstechniken hier als eigenständige Ausdrucksmittel. Das erinnert eher an Jinjer mit Tatiana Shmayluk oder Infected Rain mit Elena „Lena Scissorhands“ Cataraga, bei denen die Wechsel je nach Song unterschiedliche emotionale und musikalische Funktionen übernehmen. Die Stimmbänder müssen schließlich nicht bei jedem Wechsel gleich eine Rollenverteilung aus dem Märchenbuch erfüllen.
Die Melodien von 'Empty On The Inside' erinnern an Deftones, mit der aggressiven Schlagseite zielt man Richtung Slipknot.
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'Hollow' entpuppt sich als morbider Alternative-Rock-Crossover, der mit seinem Wechsel zwischen hellem und leicht heiserem Gesang bestens auf den legendären Soundtrack zu "The Crow" gepasst hätte. 'Call My Name' dreht den Härteregler wieder nach rechts und lässt mit seinem technischen Gefrickel die Qualifikationen von Scott Carstairs (Fallujah) und Michael Stancel (Allegaeon) durchschimmern. Melodic Tech Death vom Feinsten, bei dem sich die Finger offenbar auch dann noch verknoten dürfen, wenn der Song längst einen Refrain gefunden hat.
'Golden Crown' kombiniert Synthie-Atmosphäre zwischen Nine Inch Nails und Filter mit Garbage-artigem Groove und einem Refrain, der auch Linkin Park gefallen dürfte.
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'Undone' legt Industrial-Beats unter ätherischen Gesang und lässt kurz vermuten, Trent Reznor hätte sich mit Amy Lee im Studio getroffen. Eine Begegnung, die musikalisch weniger abwegig klingt, als man zunächst meinen könnte.
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Auch 'Tomblight' mit Michael Lessard von The Contortionist flirtet mit melodischem Prog und leichten Alice-In-Chains-Anklängen. 'Pale Faith' wiederum erinnert daran, dass Entheos ihre technischen Fähigkeiten keineswegs ausgemustert haben, nur weil inzwischen mehr Melodie ins Spiel kommt. Der Track groovt, keift und frickelt sich kompromisslos durch die Gegend und zählt zu den härtesten Nummern des Albums.
'Never Let Me Go' wagt sich anschließend an eine akustische Ballade. Chaney Crabb überzeugt mit gefühlvollem Klargesang und erinnert mich bei der Intonierung der Zeile „Take My Body“ unweigerlich an Milena Eva von GGGOLDDD. Zum Abschluss wechselt 'The Earth Will Move' von kontrollierter Atmosphäre in progressive Härte, was unweigerlich an The Ocean erinnert, ehe das Black-Metal-Keifen den Song in Richtung Deafheaven kippen lässt. Geil!
Auch textlich passt der Albumtitel zur musikalischen Häutung: Verlust des eigenen Selbst, innere Leere und Verzweiflung bilden einen thematischen Rahmen, der zur rohen, unmittelbaren Atmosphäre passt. Dass Entheos dabei verstärkt auf Hooks und Melodik setzen, macht die Sache keineswegs automatisch zahmer. Die technischen Fähigkeiten bleiben präsent, werden aber nicht mehr zum Selbstzweck erklärt. Stattdessen dürfen sie sich mit Grooves, ungewöhnlichen Stimmungswechseln und Refrains arrangieren, die sich hartnäckiger festsetzen, als man einer solchen Stilmixtur zunächst zutrauen würde.
Beim ersten Durchgang war mir das Album noch etwas zu heterogen und zerfasert. Beim zweiten ging es runter wie Öl, beim dritten konnte ich mitsingen und beim vierten fragte ich mich, ob das Ganze nicht vielleicht doch etwas zu kommerziell ausgerichtet ist. Möglich. Nur ist Eingängigkeit bekanntlich kein Verbrechen, und Entheos machen es einem schwer, die vermeintliche Anbiederung als solche abzutun. Die Songs sind kompakt, keiner ist zu lang geraten, und zwischen technischer Raserei, morbider Atmosphäre, eingängigen Refrains und ordentlich Groove bleibt wenig Gelegenheit, sich zu langweilen. Wer ausschließlich die alten Technical-Death-Metal-Tugenden sucht, dürfte mit dieser Entwicklung fremdeln. Wer dagegen hören möchte, wie eine technisch versierte Band ihren Horizont erweitert, ohne ihre Herkunft zu verleugnen, bekommt hier reichlich Futter. Die anfängliche Skepsis hält jedenfalls nicht lange durch. No Skips!!
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Chaney Crabb - Gesang
• Navene Koperweis - Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer
• Michael Stancel - Gitarre, Synthesizer
• Scott Carstairs - Gitarre
Gastmusiker:
• Michael Lessard - Gesang bei 'Tomblight'
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Metal Blade Records zur Verfügung gestellt.

