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    Du bist hier:Home»Reviews»Protest The Hero - Within

    Protest The Hero - Within

    0
    By flohfish on 21. Juli 2026 Reviews

    Protest The Hero - Within

    Progressive Metal • Mathcore • Melodic Hardcore
    (35:51; Vinyl, CD, Digital; Sheet Happens Publishing; 17.07.2026)
    Protest The Hero sind diese eine Band, bei der man sich spätestens nach den ersten Takten fragt, ob die Musiker eigentlich noch Instrumente bedienen oder nur versuchen, eine außer Kontrolle geratene Achterbahn mit Gitarrenhälsen einzufangen. Während „Palimpsest“ noch mit der historischen Lupe durch die Weltgeschichte marschierte, richtet " Within" den Blick nun nach innen. Weniger Geschichtsbuch, mehr Seeleninventur. Allerdings eine, bei der im Hintergrund weiterhin jemand mit einem Presslufthammer Schlagzeug spielt.

    Das Album basiert auf dem hermetischen Gedanken „As above, so below; as within, so without“ und beschäftigt sich damit, wie äußere Einflüsse unsere Gedanken, Emotionen und Identität formen. Wo der Vorgänger große Geschichten erzählte, wird es diesmal persönlicher und unmittelbarer. Die Songs sind kürzer, direkter und aggressiver. Die ohnehin schon vorhandene Punk- und Hardcore-DNA der Kanadier bekommt deutlich mehr Auslauf: mehr Shouts, mehr Growls, mehr rohe Energie. Keine Sorge, der Progressive-Metal-Anteil wurde trotzdem nicht entsorgt. Er steht weiterhin im Raum und baut vermutlich gerade einen mathematischen Beweis dafür, warum ein 7/13-Takt die natürliche Sprache des Menschen sein sollte.

    Dabei erweitert "Within" den bekannten Protest-The-Hero-Kosmos durchaus. Die Band bleibt zwar weiterhin jene musikalische Abrissbirne, die ihre Riffs gerne in mathematisch fragwürdige Einzelteile zerlegt, öffnet aber gleichzeitig neue Räume. Cineastische Arrangements und orchestrale Elemente sorgen für größere, fast schon dramatische Momente, während die dunkleren Passagen noch kompromissloser und extremer ausfallen. Die beiden Interludes 'I. Above' und 'II. Below' sind dabei weit mehr als kurze Verschnaufpausen. Sie funktionieren als Ruhepole und geben dem Album die nötige Luft. Es ist die musikalische Version eines völlig überdrehten Menschen, der plötzlich innehält, tief durchatmet und feststellt: „Moment, ich habe ja auch noch eine Seele.“ Natürlich nur, um danach wieder mit voller Geschwindigkeit in einen Sturm aus Riffs, Schreien und rhythmischen Verrenkungen zu springen.

    Der Opener 'Mouthpiece' macht direkt klar, dass Protest The Hero keine Lust auf einen gemütlichen Albumspaziergang haben. Mathcore in Reinform, rhythmisch so vertrackt, dass selbst ein Metronom vermutlich eine Therapie beginnen würde. Rody Walker wechselt dabei zwischen Theatralik, Screams und Growls und erinnert daran, dass seine Stimme eigentlich ein eigenes Musikinstrument ist.

    'Fishhook' legt die Hardcore-Keule nach. Punkige Aggression trifft auf große Melodien und einen Chorus, der mit „I Miss Pete“ erstaunlich hymnisch ausfällt. Genau diese Mischung war schon immer die große Stärke der Band: Songs, die gleichzeitig zum Mitgrölen und zum Analysieren mit dem Taschenrechner einladen.

    Mit 'Grandfather’s Axe' folgt einer der ausgewogensten Songs des Albums. Das Riff sitzt, der Song wirkt deutlich oldschooliger und Rody Walker liefert stellenweise mit seinen theatralischen Gesangslinien fast schon kleine Serj-Tankian-Momente. Besonders stark ist der Mittelteil, in dem plötzlich reduziert und zart gespielt wird, bevor die Band wieder die Abrissbirne auspackt.

    Mein persönliches Highlight ist 'The Orchard'. Zusammen mit Jadea Kelly und Hot-Water-Music-Sänger Chris Cresswell entsteht hier einer dieser Momente, bei denen man schon beim Hören die imaginäre Setlist für die Zugabe schreibt. Weniger Frickelwahnsinn, mehr gemeinsames Singen – natürlich nur, bevor die Band wieder irgendwo einen völlig absurden Taktwechsel versteckt.

    'Liberty Spell' ist schließlich der härteste Brocken des Albums. Technische Höchstleistung trifft auf aggressive Growls und einen überraschend eingängigen Chorus. Protest The Hero beweisen einmal mehr, dass Härte und Melodie keine Gegensätze sein müssen. Man muss sie nur gleichzeitig unterbringen können, ohne dass der Song implodiert.

    Die epische Seite der Band kehrt bei 'The Mariner' zurück. Der Song hätte problemlos auch auf "Palimpsest" stehen können und erinnert mit seiner progressiven Achterbahnfahrt teilweise an Between The Buried And Me. Zahlreiche Wendungen, extreme Dynamik und ein Rody Walker, der stimmlich komplett aufdreht.

    "Within" ist damit kein zweites „"Palimpsest". Zum Glück. Stattdessen gibt es weniger Weltgeschichte und mehr Innenleben, weniger Monument und mehr Mensch.

    Nach über 20 Jahren bleiben Protest The Hero eine Band, die Prog, Punk und Hardcore nicht miteinander versöhnt, sondern sie wahrscheinlich weiterhin in einen Raum sperrt und wartet, was passiert. Das Ergebnis ist auch diesmal kontrolliertes Chaos auf höchstem Niveau.
    Bewertung: 12/15 Punkten

    Besetzung:
    • Rody Walker - Gesang
    • Luke Hoskin - Lead-Gitarre, Piano, Backing Vocals
    • Tim MacMillar - Gitarre, Piano, Backing Vocals
    • Nathan Bulla - Schlagzeug
    • Cam McLellan - Bass

    Gastmusiker:
    • Jadea Kelly – Gesang
    • Chris Cresswell – Gesang
    • William Lamoureux – Orchesterarrangements

    Surftipps:
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    Bandcamp
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    Wikipedia
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    Abbildungen: Protest The Hero/Bandcamp

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    CD Cam McLellan Chris Cresswell Digital Jadea Kell Jadea Kelly Kanada Luke Hoskin Mathcore Melodic Hardcore Metalcore Nathan Bull Progressive Metal Protest The Hero Punkrock Rody Walker Tim Millar Vinyl William Lamoureux
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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