
Black Metal • Doom Metal • Progressive Metal
(59:05; Vinyl, CD, Digital; Van Records: 09.01.2026)
Der Tempelschlaf ist ein Ritual, bei dem sich eine vermeintlich hilfe- oder antwortsuchende Person an einem heiligen Ort zur Nachtruhe niederlässt – in der Hoffnung, im Traum einem Heiligen, einem Gott, einem Geist oder sonst wem zu begegnen und dadurch Heilung oder Offenbarung zu erhalten.
Hätte sich Alexander von Meilenwald selbst diesem Ritual unterzogen und in den heiligen Hallen der Musikpresse genächtigt (Elfenbeinturm, weißer Marmor, goldene Toilettensitze und überall Rosenduft – egal, wo man seinen Riechkolben auch hineinhält…), hätte ihm wohl der allwissende Rezensenten-Gott im Traum offenbart, dass das neue Album diesmal nicht jedem seiner zierlichen – eigentlich aber übergewichtigen – Schreiberengel auf Anhieb mundet.
Wer von The Ruins Of Beverast stets einen Teller mit immer denselben Häppchen erwartet, ist bei der Band falsch. Die gewisse Unberechenbarkeit sowie die sich ständig in Bewegung befindende Kreativität sind – nach Meinung des Autors – genau das, was diese Band so interessant macht.
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Im Titelsong 'Tempelschlaf' sollen angeblich haufenweise Depeche-Mode-Verweise enthalten sein. Letztendlich sucht man sie aber selbst mit dem stärksten Monokel der Welt eher vergeblich. Stattdessen ist der neunminütige Opener ein gewohnt wuchtiger, atmosphärisch sehr starker Einstieg mit packendem Gitarrensolo, rituellem Drumming und leicht bearbeitetem Klargesang. Natürlich ist das nicht so perfekt gesungen, wie es vielleicht Karel Gott getan hätte (wenn wir schon die ganze Zeit bei Göttern sind…), aber durchaus passend im soliden Bariton.
'Day Of The Poacher' ist im Anschluss der eigentliche "Ausreißer", denn hier werden – wie zu den Anfängen der Band – die verrosteten Black-Metal-Daumenschrauben wieder hervorgekramt und der berühmte Uffta-Blastbeat mit tribalartigem Midtempo-Drumming vermischt. Bei 'Cathedral Of Bleeding Statues' könnte man beinahe den Grund heraushören, weshalb in jeder zweiten Rezension der Kollegen der Name Type O Negative auftaucht. Das passt vielleicht, denn von Meilenwalds Gesang erreicht diese Sphären ansatzweise – auch wenn alles deutlich weniger nach Patchouli riecht und man immer noch eher Bier statt Rotwein trinken möchte.
Die folgenden Songs sind jeweils ein amtliches Blastbeat-Brett mit sägenden Gitarren. Auch hier überzeugen die sich mit dem Klargesang abwechselnden Growls und die dynamischen Tempowechsel. So ordentlich aufs Gaspedal hat die Band schon seit einigen Alben nicht mehr getreten, und das Drumming in 'Babel, You Scarlet Queen!' ist absolut phänomenal! Fans der ersten Alben werden hier sicher ihre Freude haben.
Das 13‑minütige 'The Carrion Cocoon' wird als typisch ausladende, schwer atmosphärische Doom-Kathedrale auch wieder die Fans der letzten Alben zufriedenstellen. Hier sind unter anderem auch einige Mellotron-Sounds versteckt.
Und auch wenn es sich so anhört, als würden The Ruins Of Beverast sich mit "Tempelschlaf" gänzlich neu erfinden, bietet das Album unterm Strich doch das, was man gewohnt ist: mächtige Drums, schwere Gitarren, rituelle Synthflächen und diese typische Mischung aus Black, Doom und Psychedelia. Das übergeordnete Konzept, das große Ganze, fehlt hier vielleicht ein wenig. Diesmal zählen die Songs an sich, und die "Rückkehr" zur Rohheit der Anfangstage war offensichtlich beabsichtigt.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Van Records zur Verfügung gestellt.

