
Progressive Power Metal • Oriental Metal
(46:52; Vinyl, CD, Digital; earMUSIC/;Edel; 27.03.2026)
Man stelle sich kurz vor, Walt Disney Company würde nach "Aladdin" tatsächlich noch einmal tief in Tausendundeine Nacht greifen – aber diesmal nicht für fliegende Teppiche, Sidekicks und gute Laune, sondern für maximalen Seelenschmerz in Cinemascope.
Dann wäre "Wilderness Of Mirrors" der fertige Soundtrack.
Und zwar nicht für irgendein Märchen, sondern für die Geschichte von Qamar al-Zamân und Budûr: zwei Liebende, die sich verlieren, suchen, zerbrechen, wiederfinden – und dabei jede emotionale Regung in Großbuchstaben ausformulieren.
Willkommen im Myrath-Kosmos.
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Wer meine Beziehung zu "Karma" kennt, weiß: Respekt? Ja. Liebe? Eher so situativ. Das Problem war nie mangelndes Können, sondern Überdosierung – von Pathos, Theatralik und diesem ganz speziellen „wir machen jetzt alles noch größer“-Reflex.
Überraschung: Genau das machen Myrath hier wieder.
Nur diesmal konsequenter.
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Musikalisch bleibt es beim bewährten Mix aus Progressive Power Metal, orientalischen Melodien und symphonischem Overkill. Immerhin: Das „Lokal-Kolorit“, das auf "Karma" etwas zurückgefahren wurde, darf hier wieder öfter durch die Tür. Nicht, dass es nicht sofort von Chören, Keyboards und epischen Gesten freundlich, aber bestimmt zur Seite geschoben würde.
Und dann diese Texte.
Man könnte meinen, das gesamte Album sei als Begleitmusik für exakt die eine Szene geschrieben worden, in der jemand am Fenster steht, in die Nacht blickt und feststellt, dass er verloren ist – nur eben zehnmal hintereinander, leicht variiert.
`'The Funeral' macht Trauer zur Dauerpose,
'Soul Of My Soul' erklärt Erinnerung zur metaphysischen Endlosschleife,
'The Clown' entdeckt das Konzept „Künstler leidet hinter Maske“
und 'Until The End' balanciert – laut Promo – zwischen Wahrheit und Illusion, was sich textlich vor allem darin äußert, dass sehr viel von Licht, Dunkelheit und innerem Zerfall die Rede ist.
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Kurz gesagt:
Wenn Qamar al-Zamân und Budûr hier nicht durch Spiegel laufen, sich verlieren und im Chor wiederfinden, dann haben sie den falschen Soundtrack erwischt.
Und trotzdem – leider, möchte man fast sagen – funktioniert das Ganze.
Weil die Band genau weiß, wie man solche Momente baut.
Weil die Hooks sitzen.
Weil die Arrangements tragen.
Und weil man sich irgendwann dabei ertappt, wie man dieses Pathos nicht mehr nur ironisch konsumiert, sondern kurzzeitig… akzeptiert.
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Das Problem bleibt aber bestehen:
Sobald es interessant werden könnte, wird es zugeschüttet. Mit Orchester. Mit Chor. Mit noch mehr Gefühl. Subtilität ist hier kein Stilmittel, sondern ein Gerücht.
Am Ende ist "Wilderness Of Mirrors" genau das Album, das die Presseinfo verspricht: größer, epischer, bedeutungsschwerer. Ein durchinszeniertes Wüstenmärchen, das jede Szene wie ein Finale behandelt.
Oder anders gesagt:
Der perfekte Disney-Soundtrack – nur ohne Disney, dafür mit deutlich mehr innerem Zerfall.
Und ich?
Ich stehe immer noch nicht wirklich auf diese Art von Musik.
Aber wenn ich es täte… dann wäre das hier vermutlich genau mein Märchen.
Bewertung: 10/15 Punkten
Tracklist:
- 'The Funeral' (04:32)
- 'Until The End' (04:18)
- 'Breathing Near The Roar' (04:55)
- 'Les Enfants Du Soleil' (04:47)
- 'Still The Dawn Will Come' (04:36)
- 'The Clown' (04:21)
- 'Soul Of My Soul' (04:58)
- 'The Edge Of My Night' (03:52)
- 'Echoes Of The Fallen' (04:43)
- 'Through The Seasons' (04:40)

Besetzung:
• Zaher Zorgati - Gesang
• Malek Ben Arbia - Gitarre
• Kevin Codfert - Keyboards, Backing Vocals
• Anis Jouini - Bass
• Morgan 'Myror' Berthet - Schlagzeug
Gastmusiker:
• Elize Ryd - Gesang ('Until The End')
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