Blues Rock
(49:04; Vinyl, CD, Digital; Soop Records/Eigenvertrieb, 24.1.2026)
Aus der Oberpfalz stammen die vier Musiker, die sich der Musik, besonders dem Rock der 60er und 70er Jahre verschrieben haben. Mit ihrem zweiten Album "Whooble!" melden sie sich lautstark zurück, wobei es eine personelle Umbesetzung an der Gitarre gab, die aber nicht ins Gewicht fällt.
Frech, sogar rotzig wie in 'Night Breeze' klingt das Album öfter, und die Band macht keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für Rock 'n' Roll, Americana und sogar Soul. Die Orgel spielt dabei eine wichtige Rolle und röhrt in Dauerschleife, aber das Gesamtgefüge wird von Bass und Drums zusammen gehalten. Das katapultiert den Hörer, schneller wie Scotty beamen konnte, zurück in die selige Frühzeit des Rock, wie sie es in eben 'Night Breeze' beweisen. Doch es geht auch anders, und die vier können auch schnulzig werden, wie in 'My Diane Blue'. Natürlich gehen einem gestandenen Progfan bei solchen Songs die Zehennägel aus, aber wer solch typisch amerikanische Musik auf einem Album inkl. Mundharmonika verträgt, der ist hier gut aufgehoben. Das trifft auf 'Ever With You' ähnlich zu.
Mit ihrem Opener 'Love Sweet Love' zeigen sie dem Hörer aber, wo der Hammer meistens hängt. Rücksicht auf den verschreckten Fan nehmen sie dann aber sofort, indem sie ein weich gespültes, aber gut abgehangenes Stück namens 'Rise Mountain High' hinterherschieben. Mit solchen Songs haben wir in unserer Jugend die Mädels zu einem Slow animiert. Heute nutzt so ein langsamer Track uns eher, indem er unseren Blutdruck wieder runterfährt.
Nach dem seligen Wilden Westen verschlägt es die Oberpfälzer aber auch, was sie mit Songs wie 'Go Count Days' eindrucksvoll beweisen. Natürlich muss man so was mögen, und viele unserer Leser schütteln da vielleicht nur noch mit dem Kopf. Live aber habe ich auch schon gestandene Progger mit dem Bier in der Hand gesehen, die bei solch "banaler" Musik mit dem Fuß gezuckt haben. Ist halt alles von der Tagesform abhängig. Und Bands wie ELP, Pink Floyd oder sogar Yes hatten auch ihre Weichspüler im Repertoire.
Der längste Track ist mit über acht Minuten auch mein Favorit auf dem Album. 'The Night Ibis' vereint alles, was einen leicht angehauchten Psychedelic-Rocksong ausmacht. Die Stimme hat diese LmaA-Mentalität, die Gitarre und die elektronischen Sounds schweben über den Köpfen, der Track ufert zum Schluss in eine Kakophonie aus. Das hat Klasse, und persönlich finde ich es schade, dass die Band nicht öfters so ausufert.
Ja, ich werde altersmilde und kann mittlerweile sogar Alben richtig gut finden, die nur noch entfernt in der progressiven Musikwelt spielen. Dazu müssen sie aber mit Herz und Chuzpe eingespielt werden, was bei den Mannen um Midge's Pocket zutrifft. Die Band besitzt Spielfreude und kompositorisches Talent, was alleine durch die Vielfältigkeit auf "Whooble!" bewiesen wird. Jeder wird hier seinen Favoriten finden und ganz ehrlich: muss es immer reiner Prog sein? Oder darf Musik auch mal einfach nur gefallen?
Die Bewertung ist nicht relevant, denn die Prise Prog fehlt halt für unser „Betreutes Proggen“. Dennoch eine Empfehlung für jeden, der gerne mal fremdgeht.
Bewertung: 10/15
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Besetzung:
• Johnny Schuhbeck - bass, vocals
• Bastian Schuhbeck - drums, vocals
• Bernie Huber - guitar, harp, vocals
• Axel Hackner - organ, electric piano, vocals
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Abbildungen: Midge's Pocket

