
Atmospheric Cinematic Folk • Ritual Music • Alternative Pop
(42:07; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 30.01.2026)
Wow, wäre die Band aus den tiefsten Tiefen Finnlands oder dem entlegensten nördlichsten Punkt Norwegens, es hätte mich bei dieser Art von Klängen nicht verwundert. Versuche Dir bitte Elemente der pastoralen Folk Songs der Swans, Tenhi, Whispering Void, The Devil's Trade, Woven Hand, die rituelle Seite der frühen Seigmen, Wardruna und die Melancholie von Piano Magic in einer rituell verschwörenden Variante vorzustellen, dann kommst Du der Band aus Gdansk zumindest in Spuren auf die Fährte.
Ich bin begeistert, wie hier mit Intuition, Experimentierfreude und vielen dunklen Emotionen ein absolut eigenständiger Sound präsentiert wird. Mal archaisch – komplett dem nordischen Ritual Folk á la Wardruna und Co. verfallen – dann wieder mit offenen, melodiösen songorientierten Folkstrukturen nah am alternativen Oeuvre.
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Das zehnminütige Opening 'Chant' steigt ein mit monoton-nordischem Chorgesang – passt auf den ersten Blick hervorragend zwischen Danheim und Wardruna – obwohl bereits hier der Hauch alternativer Folk Rock-Einflüsse den kleinen, aber feinen Unterschied mit sich bringt. Gerade die sich verschiebenden dynamisch-orchestralen Nuancen geben dem rituellen Sound hier eine ganz eigene Note.
'Needles And Bark' pinselt danach mit ganz anderen atmosphärischen Konturen, trifft hier pastoraler, sehr theatralisch dunkler Gesang (The Devils' Trade, frühe Swans) auf hymnisch düstere Percussions, die mit allerlei abgefahrenem Instrumentarium spielerisch in die perfekte Mischung aus Avantgarde und düsterem Folk Rock finden. Empfehlenswerte Randnotiz ist das sehr nach David Lynch schielende Video im Anhang.
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Ähnlich der "At the Sound Of The Heart" von Whispering Void raunen dunkle Vocals, nordische Chöre durchs dichte Unterholz und man sieht nur Schnee und skandinavische Weite. Viel zu kurz mit drei Minuten ist das melancholisch-feingliedrige 'Patience In Observation', geizt nicht mit schöner Melodie und angenehm dunklem, sehr melodiösen Männergesang.
'Slipknot' braucht nur etwas sinistre Percussion, einen dräuenden Bass, traurige Streicher, Saxophon, diese müden, dunklen Vocals und dann bin ich bei alten, folkloristisch kargen Seigmen-Songs vom Überwerk "Total" von 1995 und auch meine britischen Tristesse-Lieblinge von Piano Magic kommen mir mehr als nur einmal in den Sinn.
Das pathetische 'Praise The Day' schwingt sich erst langsam mit düster-nordischem Ambient-Folk mühselig auf, wird später noch zu einem surreal explodierenden Avantgarde Rock-Monster. Sanft, mystisch und voller liebevoller Melodik verabschiedet der schwermütige Folk von 'Farewell' mit schrillen, surrealen Streichern, Bariton-Vocals und ordentlich Melancholie und beendet ein absolutes Nischen-Kleinod.
Mit winterlich klaren Bildern von Einsamkeit, Weite, Tristesse, Schönheit und viel Melancholie musiziert diese polnische Band in ihrem eigenen, ganz kleinen, verwunschenen Mikrokosmos voller spannender experimenteller Ideen. Düstere Atmosphäre, Stimmung und Emotionen bleiben trotz der avantgardistischen Ecken und Kanten der Fokus und geben "Monochrome" eine intime, liebevoll verdichtete Aura.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Tomasz Chyła
• Sławek Koryzno
• Piotr Chęcki
• Tomasz Sadecki
• Maciej Świniarski
Surftipps:
• Bandcamp
Abbildungen: Hér/Season Of Mist/Bandcamp

