
Modern Prog • Alternative Prog • Djent • Post Hardcore
(41:54; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 16.01.2026)
Rückblickend lässt sich The Hindsight Notes höchstens als vorsichtige Annäherung lesen – als Moment, in dem Cold Night For Alligators begannen, alte stilistische Sicherheiten zu hinterfragen. "With All That's Left" geht diesen Weg nun konsequent weiter: fokussierter, reduzierter und emotional deutlich geschlossener. Wo zuvor noch unterschiedliche Ideen nebeneinanderstanden, wirkt hier alles bewusster gesetzt und in sich stimmiger, ohne an Abwechslung einzubüßen.
Im Mittelpunkt steht mehr denn je die Stimme von Johan Pedersen. Sie ist nicht nur Träger der Songs, sondern ihr emotionales Zentrum. Gemeinsam mit prägnanten Piano-Linien und weitläufigen Soundscapes entsteht immer wieder eine Atmosphäre, die unweigerlich an Silent Skies erinnert. Gleichzeitig schleichen sich immer wieder Djent-Strukturen und rhythmische Akzente ein, wie man sie von Monuments kennt – allerdings entkernt von ihrer Wucht und stärker auf Ausdruck und Dynamik fokussiert. In der Summe klingt "With All That's Left" tatsächlich wie eine gedankliche Zusammenarbeit dieser beiden Pole: die emotionale, cineastische Tiefe von Silent Skies trifft auf die kontrollierte rhythmische Schwere von Monuments. Die Core-Elemente wurden weiter zurückgefahren und dienen nun fast ausschließlich der Akzentuierung. Screamos bleiben punktuelle Ausbrüche, Djent-Riffs verlieren ihre brachiale Dominanz und verleihen den Songs stattdessen Tiefe und Nachdruck.
Die Songs selbst unterstreichen diesen Eindruck eindrucksvoll: Der Titeltrack eröffnet in film-noirhafter Stimmung, emotional getragen von einem starken Chorus. 'Dance For You' entwickelt sich zur dynamischen Hymne mit Monuments-eskem Djent-Riffing, während 'I Am Only Fear' mit Sounddesign und abrupten Post-Hardcore-Eruptionen zu den intensivsten Momenten des Albums zählt. Der Ruhepol 'In The Dark' besticht durch Pedersens Gesang und einen pulsierenden Herzschlag-Beat, bevor 'These Blind Spots' und '.44' noch einmal die vertrautere, unruhigere Alligators-Seite zeigen. Spätestens mit dem epischen Finale 'Melancholy Waves', das Synthwave, mächtige Refrains, Screamos und (beinahe black-)gazige Screamo verbindet, wird klar: "With All That's Left" ist kein Album, das beeindrucken will – sondern eines, das berührt und nachhallt.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Cold Night For Alligators zur Verfügung gestellt.

