Philipp Nespital, smalltape zu: Festivalnachlese u. “Progressive Generation”

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Smalltape – Nachtrag zu Festivalauftritten, neue Pläne, neues Video

Im Nachgang zu den Auftritten beim diesjährigen Night of the Prog Festival und dem französischen Crescendo Festival stand Philipp Nespital erneut für ein interessantes Interview zur Verfügung.

Ihr habt gerade zwei Auftritte auf Prog Festivals absolviert, lass uns mal an deinen Eindrücken teilhaben. Fangen wir mit dem Night of the Prog Auftritt an, zu dem ich auch noch ein Wörtchen verlieren möchte. Es gab da ja einige Probleme.
Es war natürlich unheimlich schön, bei diesem Festival wieder auf der Bühne zu stehen. Die Atmosphäre war cool, aber es gab auch einige Dinge, die dann doch einen nachhaltigen negativen Eindruck hinterließen. Wir mussten beim Aufbau unseres etwas komplizierten Equipments feststellen, dass Dinge schlichtweg fehlten, was den Start verzögerte und uns letztendlich zwang, kurzfristig zwei Songs aus der Setlist zu streichen. Hinzu kam, dass meine Vocals in der ersten Hälfte des Sets nicht zu hören waren. Die Gründe dafür sind uns allen unklar, aber es lag definitiv nicht an einem Defekt am Mikrofon o.ä., denn ich selbst konnte mich über meine In-Ears hören. Mit dem Auftritt selbst war ich den Umständen entsprechend zufrieden.

Es gab im Vergleich zum letzten Mal zwei Umbesetzungen, nämlich an der Schlagzeug- und an der Saxophon-Position. War das genauso kurzfristig nötig wie bei eurem Loreley-Debüt?
Nein. Diego Catano, der damals kurzfristig eingesprungen war, hatte einen tollen Job gemacht. Es ist jetzt nicht so, dass man getrennte Wege geht, es war nur für diese Phase so, dass ich gerne mit Mesut Gürsoy zusammen arbeiten wollte, der mehr aus der Drum’n’Bass und Jazz Ecke kommt. Ori Jacobson ist mein Back-Up am Saxofon. Er wie auch Omri Abramov sind gefragte Musiker, die unzählige Konzertauftritte im Jahr absolvieren. Diesmal war es so, dass Ori zur Verfügung stand.

Kommen wir zum anderen Festival, dem Crescendo-Gig. Wie lief es dort?
Auch hier war die Stimmung prächtig. Stellt euch nur mal vor, ihr kommt gerade frisch aus dem Wasser und seid dann auf einem Konzert. So ist es hier möglich, denn der Veranstaltungsort liegt direkt am Meer. Es gab ein paar Unterschiede zum Loreley Auftritt. Der Eintritt war für Konzertbesucher frei, die Finanzierung scheint dort anders abzulaufen. Wir wurden bestens betreut, konnten unseren kompletten Set wie geplant spielen, bekamen Gage und hatten unseren Slot gegen Ende, bevor Hasse Fröberg mit seiner Band HFMC auftrat. Der Sound war toll, es gab auch eine Light-Show dazu, die vom Zuständigen perfekt in Szene gesetzt wurde. Das war eine wirklich runde Sache. Wir hatten beispielsweise auch unheimlich nette Gespräche mit Esthesis, die am gleichen Tag spielten.

Du hast eine neue Idee am Start, was zukünftige Konzerte betrifft?
Ja, zusammen mit der Band Soulsplitter wollen wir ein neues Konzertformat etablieren, das sich “Progressive Generation” nennt. Dabei geht es darum, eine neue Generation aufstrebender Bands zu präsentieren, die im weitesten Sinne progressive Musik spielen und einen modernen Sound mitbringen. Üblicherweise sollte es um einen Konzertabend mit zwei bis drei Bands gehen, die alle eine Headliner Show spielen. Am 3.9. starteten wir mit dem 3er-Pack Soulsplitter, A Kew’s Tag und smalltape. Zwei davon habt ihr ja bereits auf der Loreley erlebt, A Kew’s Tag legten einen tollen Auftritt hin (fantastisch, was da alles mit der Akustikgitarre präsentiert wird). Wir wollen so eine unabhängige Plattform für aufstrebende KünstlerInnen bilden und Konzertabende veranstalten, die sowohl für die klassischen, betreuten ProggerInnen als auch für ein jüngeres Publikum spannend sind. Das Paket kam in Hamburg gut an und so planen wir für die Zukunft ähnliche Events und hoffen, dass sich dies etablieren kann.

Du hast gerade ein neues Video am Start – gab es schon Reaktionen?
Ja, und zwar zu ‚One Day‘. In dem Song geht es um unseren Umgang mit der globalen Erwärmung und ist ein klares Statement. Wenn uns die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder am Herzen liegt, muss sich etwas verändern. Und dazu braucht es massiven öffentlichen Druck, um die Aufmerksamkeit der PolitikerInnen zu erregen, damit sie schnellere und effektivere Entscheidungen treffen. Aus diesen Gedanken heraus ist mein Song ‚One Day‘ entstanden und ich hoffe, der Song schafft es, mehr Menschen dazu zu motivieren, aktiv zu werden und gemeinsam mit anderen öffentlich für dieses Thema einzutreten. Wer allerdings immer noch nicht an den Klimawandel glaubt, muss einfach gar nichts tun und sich auch gar nicht erst angesprochen fühlen. Umso erstaunlicher fand ich die teils unterirdischen und aggressiven Kommentare, die ich hierzu bekommen habe. Aber es gab auch viel positive Resonanz.

Beim vorangegangenen Video ‚Colours‘, wo es um Fremdenhass geht, war es recht ruhig geblieben, da hätte ich eher polarisierende Kommentare erwartet.

Gibt es ansonsten noch Neuigkeiten?
Wir werden am 1. Oktober 2022 in Baarlo (Niederlande) beim Prog Power Festival auftreten.

Vielen Dank an Philipp für das informative, nette Gespräch!

Der Interviewer in eigener Sache:
Ich gehöre seit vielen Jahren zu den Stammgästen beim Night of the Prog, das immer wieder dank eines abwechslungsreichen Programms zu den Jahres-Highlights zählt. Vielen Dank an den Veranstalter dafür. In diesem Jahr war für mich leider nur der Freitag drin. Ich hatte mich wie Bolle auf Cheeto’s Magazine gefreut, doch das wurde dann ja leider nix. Stattdessen kamen die von mir sehr geschätzten smalltape zum Zuge. Für mich sind gerade die „kleineren“ Bands das Salz in der Suppe und bisweilen sind gerade sie der Grund, warum ich zum Festival fahre – eher selten liegt es am Top-Act. Eine Tageskarte kostete diesmal satte 110 Euro – ein stolzer Preis. Aber das wird ohne Murren bezahlt, denn man freut sich auf manche Bands, in meinem Falle lag das Interesse hauptsächlich auf Blank Manuskript und smalltape, wobei Pineapple Thief und Renaissance natürlich gerne mitgenommen wurden.
Dann aber das technische Chaos bei smalltape. Erst ein verspäteter Start (Grund siehe oben), dann mindestens eine Viertelstunde, in der sich der Frontmann alle Mühe gab, aber man halt über sein Hauptmikrophon NICHTS hörte. Spätestens nach 2-3 Minuten fragte man sich, warum das Problem nicht gelöst wurde. Der Ärger eskaliert, aber die Verantwortlichen scheinen gerade ihr Mittagsschläfchen zu halten. Es mag Inkompetenz gewesen sein, vielleicht auch Desinteresse – beides schlimm genug. Dass dies auch dazu geführt hat, dass zwei Songs gestrichen werden mussten, macht den Ärger nachträglich nur noch größer. Wofür bereitet sich eine Band wochenlang vor, um sich bestmöglich zu präsentieren, wozu bezahle ich 110 Euro, wenn auf der anderen Seite ein derartiger Mangel an Wertschätzung diesen Bands gegenüber (und damit auch gegenüber den Eintritt zahlenden Fans) festgestellt werden muss? Sehr bedauerlich!!


(Philipp Nespital, Foto: Sebastian Berthold)

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von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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