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    Du bist hier:Home»Reviews»Wucan - Heretic Tongues

    Wucan - Heretic Tongues

    0
    By Martin Kopp on 1. Juni 2022 Reviews

    Wucan-Heretic Tongues (20.05.22)(41:56; Vinyl, CD, Digital; Sonic Attack Records/SPV/The Orchard, 2022)
    Retro-Rockbands gibt es ja mittlerweile so einige. Aber bei Wucan aus Deutschland haben wir es nicht mit einer dieser, leider allzu oft generischen Kopien alter Kult-Kapellen zu tun. Denn das allzu einfach gemachte Nest namens Retro-Rock wäre als Beschreibung ihrer Musik viel zu stupide.

    Die vierköpfige Formation aus Dresden hält sich zwar im Groben an die Rockmusik der 60er und 70er Jahre, injizieren ihr aber ein Gros an Vielfältigkeit und Freigeist. Während sich die musikalischen Grundzüge im Bereich von U.F.O und Black Sabbath bewegen, kommen als Abwechslung auch noch Psych- und Prog-Rock Essenzen hinzu. Das wirkt doch glatt wie Krautrock von Amon Düül II, Frumpy und Jane. Durch den Einsatz von Keyboard und Synthies, Flöten und Theremin rundet sich der sonst so geradlinig und einfache Classic Rock deutlich ab. Doch würde man Wucan nun einfach als Krautrock betiteln, macht man es sich reichlich einfach, denn die Dresdner können auch ebenso hart und metallisch klingen. Ob es Zufall ist, dass sich die Titel "Kill the King" und "Don´t Break the Oath" ihre Namen von Rainbow und Mercyful Fate leihen?

    Der Gesang von Francis Tobolsky gibt den Songs auf "Heretic Tongues" eine erstaunlich große Farbenpracht. Markant, rockig, auflehnend und doch auch irgendwie klassisch klingt die Frontfrau der Wucanier. Eine vielversprechende und verrückte Mischung aus Miley Cyrus und der extrovertierten Nina Hagen. Klingt verrückt? Passt aber zu Wucan.

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    Mit ihrem dritten Album "Heretic Tongues" zeigen sich Wucan powervoll und treibend. Die Songs sind in sich mannigfaltig und wirken durch die Vielzahl an Details und Sounds interessant. Die häufigen Offbeats geben der Rhythmik eine gewissen Frische und Spritzigkeit. Hervorzuheben ist "Far and Beyond", welches durch sein galoppierendes Riffing NWOBH-Vibes versprüht, dabei aber immer locker bleibt und sicher nicht hart klingen will. Der zweite Teil 'Far and Beyond (Until we meet Again)' kann da mit fast funkiger Coolness aufwarten. Die Querflöte bringt natürlich auch etwas Jethro Tull-Spirit mit sich. Spätestens die Synthie-Effekte und das Theremin verhindern Gedanken an schnöden Standard-Hard-Rock. Das deutschsprachige 'Fette Deutsche' wirkt psychrockig, wunderbar unkonventionell und exzentrisch.

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    Zu den Höhepunkten zählt ganz sicher das Cover von der Ost-Rockband Klaus-Renft-Combo. Denn 'Zwischen Liebe und Zorn' blüht in der Wucan-Version fast gänzlich auf. Hier packen die Dresdner ihre ganze flirrende Energie hinein. Das rockt und macht einfach nur Spaß. Mit dem elfminütigen 'Physical Boundaries' zeigt sich dann auch die progressive Ader der Band. Langsam baut sich der Flöten dominierte Longtrack auf, bricht aber immer wieder aus und steigert sich kurzerhand im Tempo. Dieses Spiel zwischen Ruhe und Wirbelsturm geben ihm über die gesamte Spielzeit eine stetige Spannung.

    Wer bei Wucans neuem Werk ständig leichte Assoziationen mit klassischen Rockbands, dem Hans Dampf in allen Gassen namens Krautrock und gleichzeitig aber auch mit modernen Kapellen wie King Gizzard and the Lizard Wizard hat, der liegt damit genau richtig. Die Band will sich scheinbar nicht festlegen und spielt mit dem riesigen Malkasten voll von Stilmitteln der vergangenen Glanzzeit des Rocks. Und das wirkt wiederum neu und belebend. Kein Song gleicht dem anderen, und eines ist sicher, Live bleibt bestimmt kein Tanzbein lahm. "Heretic Tongues" ist wohl noch nicht ihr Höhepunkt, denn dafür fehlt es noch etwas an Festigkeit und der ein oder anderen großen Melodie. Zumindest vermisst man Momente, die sich tief im Hirn verwurzeln und hängen bleiben. Aber die Band ist definitiv auf dem richtigen Weg.

    Zu begutachten in Fleisch in Blut, gibt es die Wucan-Truppe übrigens am 29. Juli kostenlos auf dem Free&Easy - Festival im Backstage in München. Die weiteren Tour-Termine findet ihr unten.
    Bewertung: 10/15 Punkten

     

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    Weitere Informationen

    Tracklist:
    1. 'Kill The King'
    2. 'Don`t Break The Oath'
    3. 'Fette Deutsche'
    4. 'Far And Beyond'
    5. 'Far And Beyond (Until We Meet Again)'
    6. 'Zwischen Liebe Und Zorn' (Klaus-Renft-Combo Cover)
    7. 'Physical Boundaries'

    Wucan-Heretic Tongues (20.05.22)
    credit: Joe Dilworth

    Besetzung:
    Francis Tobolsky
 (Rhythm Guitar, Theremin, Flutes,
Acoustic Guitar, Synth, Percussion, Vocals)
    Philip Knöfel
 (Drums, Percussion, Background Vocals
)
    Tim George (
Lead Guitar, Keys, Synth, Background Vocals)
    Alexander Karlisch
 (Bass, Background Vocals)

    Diskografie (Studioalben):
    "Sow the Wind"(2015)
    "Reap the Storm" (2017)
    "Heretic Tongues" (2022)

    Toudaten:
    03.06.2022 - Nürnberg, MUZClub
    04.06.2022 - Wetzlar, Franzis
    10.06.2022 - Twistringen, Ziegelei Open Air
    11.06.2022 - Frankfurt am Main, Nachtleben
    22.07.2022 - Marburg, KFZ
    29.07.2022 - München Backstage, „Free and Easy“
    12.08.2022 - Weinheim, Cafe Central
    13.08.2022 - Altenkirchen, Hoflärm Festival
    10.09.2022 - Bochum, Die Trompete

    Surftipps zu Wucan:
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    Konzertbericht
    Rezension Wucan - Reap the Storm (2017)

    Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

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    Alexander Karlisch CD Classic Rock Deutschland Digital Dresden Flöte Franics Tobolsky Krautrock Oktober Promotion Philip Knöfel Retro Prog Retrorock SPV Sonic Attack The Orchard Tim George Vinyl Wucan
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    Martin Kopp
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