Somali Yacht Club – The Space

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Somali Yacht Club - The Space (Season Of Mist, 22.04.22)

Credit: Dasha Pliska

(45:18; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist/Soulfood, 2022)
Auf den ersten Blick erscheint es wie ein kleines Wunder, dass Somali Yacht Clubs “The Space” in Zeiten veröffentlicht worden ist, in denen in ihrer ukrainischen Heimat Krieg herrscht. Doch das vierte Album der Band aus Lwiw (dt. Lemberg) war bereits vor dem plötzlichen Überfall der Russischen Föderation auf ihren Nachbarn, am 24. Februar 2022, fertiggestellt gewesen. Und so hielt man wenigstens an den Veröffentlichungsplänen für April 2022 fest, nachdem das Trio schon seine anstehende Europa-Tournee mit den französischen Mars Red Sky hatte absagen müssen.

Somali Yacht Club, die sich nach den Piraten vorm Horn von Afrika benannt haben, werden von ihrer Plattenfirma Season Of Mist als Psychedelic Stoner Rock beschrieben. Doch schon beim ersten Aufeinandertreffen mit BetreutesProggen.de, während des 2019er Gloomaar Festivals im saarländischen Neunkirchen, war klar geworden, dass sich der Kosmos der Osteuropäer über viel größere Weiten erstreckt. Denn schon damals beinhaltete der Sound des Trios Elemente aus Doom Metal und Progressive Rock, aber v.a. aus Shoegaze und Post Metal.
Auch “The Space” ist hier keine Ausnahme, sodass es einen harmonischen Abschluss der Trilogie bildet, dessen beiden ersten Teile “The Sun” (2014) und “The Sea” (2018) bilden. Eine Trilogie, die laut Band ohne übergeordnetes Thema auskommt:

Es ist ein wenig schwierig, eine echte Geschichte mit unserer Musik zu erzählen, denn seien wir ehrlich – sie ist noch immer eher instrumental ausgerichtet.

It’s a bit hard to tell a real story in our music because, let’s be honest – it’s still more instrumental-focused.

Trotzdem gibt es Unterschiede zu den Vorgänger-Alben. So hat sich der Schwerpunkt im Sound der Ukrainer vom Stoner Rock leicht in Richtung psychedelischer Elemente verschoben, so dass der Longplayer melancholischer, ätherischer und sphärischer klingt. Ein raumfüllendes Klangerlebnis mit starker Verwurzelung im Post Metal, das über eine dreiviertel Stunde hinweg eine hypnotisch-narkotische Wirkung entfaltet.

Ein Effekt, der zusätzlich dadurch verstärkt wird, dass die Songs von Somali Yacht Club auch auf “The Space” noch immer einen gewissen Jam-Charakter besitzen, wie der energetische Opener ‘Silver’ bereits eindringlich zeigt. Durch seine Basslastigkeit besticht dagegen ‘Pulsar’, das seinem Namen aufgrund seiner fetten Grooves und Dynamik alle Ehre macht.

Mit ‘Obscrum’ wiederum bewegt sich die Band auf düsterem Terrain, denn Melodien wurden hier für Soundspielerein zwischen Drone und Post Metal praktisch völlig aufgegeben. Das fast zehnminütige ‘Echo Of Direction’ könnte im Anschluss kontrastreicher kaum sein und hätte mit seinem schleppenden wie epischen Songaufbau auch aus der Hand von Maynard James Keenan und A Perfect Circle stammen können. ‘Gold’ wiederum ist vielleicht das eingängigste Stück des Albums, zumindest anfangs, gestaltet sich jedoch keineswegs langweilig, da es durch seine fortwährende Tempo-Drosselung sehr progressiv daherkommt. Bleibt zum Abschluss noch das Zwölfeinhalb-Minuten-Monster namens ‘momentum’, bei dem SYC noch einmal alle Register ziehen. Ein doomig-psychedelisches Grundgerüst mit leichten Grunge-Untertönen, das einen durch seine verträumte Stimmung von Anfang an verzaubert. Und bei dem die Musiker explorative Wege beschreiten, bei denen sie u.a. auch Jazz- und Prog-Gefilde durchwandern. Ein entspanntes Stück Musik, von dem man sich gerne langsam treiben lässt. Und gleichzeitig der krönende Abschluss eines sehr abwechslungsreichen Albums.
Bewertung: 11/15 Punkten (FF 11, KR 11)

Somali Yacht Club - The Space (Season Of Mist, 22.04.22)
Besetzung:
Ihor Pryshliak (guitar, vocals, keys)
Arthur Savluk (bass)
Lesyk Mahula (drums)

Diskografie (Studioalben):
“Sandsongs” (2011)
“The Sun” (2014)
“The Sea” (2018)
“The Space” (2022)

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Festivalbericht: 16.11.19, Neunkirchen, Neue Gebläsehalle, Gloomaar Festival 2019

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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