Laughing Stock – Zero • Acts 3 & 4

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 Laughing Stock – Zero • Acts 3 & 4 (Apollon Records Prog, 04.03.22)

Credit: Jan Erik Kirkevold Nilsen

(44:44, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records Prog/Plastic Head, 2022)
Am Ende haben es Laughing Stock dann doch nicht geschafft, auch den zweiten Teil des Konzeptalbums rund um ihren Protagonisten Zero noch im Jahr 2021 zu veröffentlichen. Fans der Norweger mussten also bis zum März 2022 warten, um zu erfahren, wie die Geschichte Zeros nach dessen Abdriften in totale Isolation weiterging.
Und so ist Zero zu Beginn des dritten Aktes zu einem jungen Erwachsenen herangewachsen. Doch er ist noch immer eine Null, ein Niemand. Geplagt von Selbstzweifeln, angetrieben von den Stimmen in seinem Kopf, nimmt das Schicksal schon im Opener ‘Wingless’
seinen Lauf:

Openend the window, blinded by light
Lifted his feet and out he flew,
but wingless.

Ein Stück, das aufgrund von Zeros Selbsmordversuch nicht nur textlich den Cliffhanger ‘Curtain Falls’ aus dem zweiten Akt der Geschichte gekonnt aufgreift, sondern auch musikalisch zu den stärksten Stücken gehört, die sich auf dem zweigeteilten Album in vier Akten befinden. Ein melodischer Prog-Rocker, der nicht ohne Grund als Single ausgewählt worden ist und ins Ohr geht, ohne sich mit der Zeit abzunutzen.
Es ist ein Stück, das exemplarisch für das steht, was die Truppe schon auf “Zero • Acts 1 & 2” (2021) geboten hatte und mit “Zero • Acts 3 & 4” nun konsequent fortsetzt. Konzeptuelles Geschichtenerzählen vor dem musikalischen Hintergrund des klassischen Progressive Rocks. Ein Album, das tatsächlich in der Tradition von Klassikern wie The Whos “Tommy”, Supertramps “Crime Of The Century” und insbesondere Pink Floyds “The Wall” steht. Dabei ist “Zero” eine Geschichte, die vielen Hörern aufgrund ihrer Thematik einen direkten Bezug geben könnte.

Und so bietet “Zero • Acts 3 & 4” genauso wie sein Vorgänger und die großen Vorbilder des Trios aus der Telemark eine abwechslungsreiche Mischung aus eingängigen Prog-Pop-Stücken, wie erwähntes ‘Wingless’, das an Steven Wilson erinnernde ‘Lifeboat’ oder das Beatles-esque ‘Free’ und atmosphärischen Titeln, deren Augenmerk auf der Vermittlung von Gefühlen liegt, wie beispielsweise beim getragenen ‘All Alone’. Dabei greifen Håvard Enge, Jan Mikael Sørensen und Jan Erik Kirkevold Nilsen einmal mehr auf die Stimme der Sängerin Samantha Preis zurück, die im Stück ‘Familiar Eyes’ ein weiteres Mal in die Rolle von Zeros Mutter schlüpft. Eine Mutter, die nicht in der Lage war, eine gesunde Bindung zu ihrem Sohn aufzubauen und auch jetzt noch Jahre später, nichts anderes als halbherzige Entschuldigungen übrig hat. Ein Stück mit bedrückender Stimmung, die durch das Spiel der Violinistin Kerstin Willgren noch verstärkt wird.

Don’t you think
I never loved you
But you were so hard to love
You had your father’s eyes
Too familiar eyes

Doch Preis bleibt nicht die einzige Gaststimme auf dem Album, denn auch Nad Sylvan konnte für die Rolle des Psychiaters im Stück ‘The Call’ gewonnen werde. Ein weiteres Lied, das aufgrund seiner Eingängigkeit als Single ausgekoppelt worden ist. Dabei aber nicht an die Durchschlagskraft von ‘Wingless’ heranreicht. Da ist ‘Running Faster’ schon ein anderes Kaliber, denn vor allem das Sechs-Saiter-Duell zwischen Jan Erik Kirkevold Nilsen und Andy Glass, dem Gitarristen von Solstice und der Marillion-Vorgänger-Band Electric Gypsy sorgt für bleibende Erinnerungen.

Ein Album, das alles in allem seinem Vorgänger in nichts nachsteht und dessen Geschichte weiterspinnt. Und mit dem zwölfminütigen Brocken ‘Mother’ auf angemessene Weise abschließt. Zufriedenstellend zumindest für den Hörer. Zero dagegen hat sich mit seinem Schicksal maximal arrangiert, wie man am Text des Epiloges ‘Words Part 2’ unschwer erkennen kann.
Bewertung: 12/15 Punkte

 Laughing Stock – Zero • Acts 3 & 4 (Apollon Records Prog, 04.04.22)
Besetzung:
Håvard Enge (vocals, keyboards, flute, banjo and string arrangements)
Jan Mikael Sørensen (vocals, guitars, bass, drums and keyboards )
Jan Erik Kirkevold Nilsen (vocals, guitars)

Gastmusiker:
Nad Sylvan (vocals – track 3)
Samantha Preis (vocals – track 8)
Andy Glass (guitar solo – track 2)
Kerstin Willgren (violin – tracks 6 & 8)

Diskografie (Studioalben):
“Th Island” (2018)
“Sunrise” (2019)
“Zero • Acts 1 & 2” (2021)
“Zero • Acts 3 & 4” (2022)

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Rezension: “Zero • Acts 1 & 2” (2021)
Rezension: “Sunrise” (2019)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records Prog zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Laughing Stock – Zero • Acts 3 & 4

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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