Siamese – Home

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Siamese – Home (Long Branch Records/SPV, 10.12.21)(43:02; Vinyl, CD, Digital, Long Branch Records/SPV, 2021)
Metalcore im klassischen Sinn wie beispielsweise auf der jüngst vom Kollegen Kopp besprochenen EP “Lost Amongst The Living” der Australier KZRN gibt es in den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts immer seltener. Und das ist vielleicht auch gut so. Da es mit den klassischen Stilistiken des Genres kaum noch Neues zu sagen gibt.
Dies haben auch viele Urgesteine des Metalcore verstanden, sodass so manche Größen des Genres ihren Sound immer weiter verändert haben. Herausgekommen sind dabei oft Alben, welche die Fangemeinde zerrissen haben. Während Bring Me The Horizon für den Crossover aus Metalcore und modernem Pop auf ihrem 2019er Album “amo” von Teilen der Anhängerschaft fast gesteinigt worden sind, trafen auch Architects mit ihrem 2021er Werk “For Those That Wish To Exist” auf heftigen Gegenwind. Zu glatt poliert war der Sound des Albums und generell viel zu überladen und überproduziert.

Dass Metalcore jedoch auch modern klingen kann, ohne Hardcore-Anhänger des Genres zu vergraulen, das beweist die Kopenhagener Formation Siamese mit dem bereits im Dezember erschienenen Album “Home”.

Die Dänen verarbeiten auf ihrer mittlerweile sechsten Scheibe Einflüsse aus R&B, Electronic, Pop und sogar Klänge aus der jugoslawischen Heimat von Sänger Mirza Radonjica, wie beim abschließenden ‘Sloboda’. Ohne dabei jedoch ihre musikalischen Wurzeln zu verraten. Denn die eingängigen Elemente aus fremden Stilen sind nur das Salz in der Suppe, deren Haupt-Zutaten weiterhin der Metalcore und der Post-Hardcore sind. Zudem ist “Home” auch deutlich schärfer gewürzt, als beispielsweise noch sein direkter Vorgänger “Super Human”, denn die Gitarrenriffs der Platte sind nicht nur härter und drückender, sondern djenten auch mehr, wie gut beim Titeltrack zu hören ist.

Natürlich werden Puristen auch an “Home” genügend auszusetzen haben, um das Album ausgiebigst zu bashen. Doch Innovations-Experimentierfreude hat immer ihren Preis. Denn wer keinen Stillstand möchte, der muss sich mit Veränderung arrangieren. Oder eben auch nicht. Und da machen es Siamese einem einfacher als in den letzten Jahren. Denn so schön wie beispielsweise bei ‘Honest’ ist das Pendel zwischen traditioneller Härte und experimentellen Melodien schon lange nicht mehr hin- und hergeschwungen.
Bewertung: 12/15 Punkte

Siamese – Home (Long Branch Records/SPV, 10.12.21)
Besetzung:
Andreas Krüger (Guitar)
Christian Lauritzen (Guitar)
Joakim Stilling (Drums)
Marc Nommesen (Bass)
Mirza Radonjica (Vocals)

Diskografie (Studioalben):
“We Are the Sound” (2011)
“Breathe:See:Move” (2012)
“Siamese” (2015)
“Shameless” (2017)
“Super Human” (2019)
“Home” (2021)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult Promotion zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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