Life Artist – Lifelines

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Life Artist – Lifelines (Ragnarök Records, 27.08.21)

Credit: Thomas Buchta

(53:18, Vinyl/CD/Digital, Ragnarök Records, 2021)
Sage und schreibe 29 Jahre (!!!) liegen zwischen dem im August 2021 erschienen “Lifelines” und seinem Vorgänger “A Diary Of Inner Visions”. Es sind fast drei Jahrzehnte, für deren Großteil Life Artist nicht etwa nur auf Eis lagen, sondern wirklich nicht mehr existierten. Es hätte eine große musikalische Karriere werden können, denn bereits zu Demo-Zeiten durfte die talentierte Progressive-Metal-Band aus Soest für Psychotic Waltz auf deren ’91er Deutschland-Tour eröffnen. Es folgten Auftritte auf dem 2. Wacken Open Air, als dieses noch in seinen Kinderschuhen steckte sowie Slots als Opening Act für Gypsie Kiss und auf einer Tournee von Mekong Delta und Sieges Even. Doch noch bevor im Jahre 1992er das Debütalbum der Kombo erschien, war Sänger und Bandgründer Marcus Witte nicht mehr an Bord der Band. So übernahm Dirk Eckhard für die Aufnahmen des Albums die Rolle des Frontmannes, doch auch seine Tage waren bald gezählt.

Life Artist machten als Instrumentalband weiter und widmeten sich fortan Jazz und Fusion, bevor sich die Formation im Jahre 1994 schließlich ganz auflöste. 2012 dann spielte Sänger Marco Witte im Beisein seines alten Schlagzeugers Ingo Holzhauer erstmals wieder mit dem Gedanken, ihre alte Band zu reformieren. Holzhauer nahm Witte anfangs nicht ernst, so dass es noch eine Weile dauern sollte, bis das Projekt richtig in Schwung kam. Vier Jahre zogen ins Land, bis 2016 mit ‘Antisocial Networks‘ ein erster neuer Song immerhin den Weg auf einen Sampler schaffte. Und fünf weitere Jahre, bis es nun endlich mit “Lifelines” echte neue Lebenszeichen der Band gab.

Doch das Warten hat sich gelohnt. Denn obschon sowohl optisch als auch musikalisch eindeutig in den 90ern verankert, handelt es sich bei “Lifelines” um ein ausgereiftes Album, das nicht antiquiert klingt, sondern durchaus mit modernen Ansätzen überzeugen kann. Denn Life Signs haben musikalisch nicht einfach dort weitergemacht, wo sie mit ihrem letzten Album aufgehört hatten, sondern die musikalischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in ihren Sound integriert. Jazz und Fusion hingegen sind auf der aktuellen Scheibe nur noch in Ansätzen zu hören, wie beispielsweise bei ‘Spirit of The Sea’. Die größten Unterschied zum Vorgängeralbum sind allerdings nicht die growlenden Gastsänger Andreas Lohse und John Knight bei immerhin vier Stücken oder die Integration von Djent-Riffs in das Spiel von Gitarrist Frank Jauernick. Sondern das ist der Rückgriff auf die Stimme von Marco Witte. Denn obgleich auch Ex-Sänger Dirk Eckhard als Bassist an “Lifelines” beteiligt ist, hat man sich von dessen klischeehaften 90er Jahre Metal-Vocals verabschiedet. Und das ist auch gut so, denn obwohl auch Wittes Gesangsstil auf dem ’91er Demo “Faith” ganz klar ein Produkt seiner Zeit war, unterschied er sich schon damals von den hochfrequenten Standart-Röhren des Prog Metal. Und so ist sein gereifter Gesangsstil eindeutig die passendere Wahl für den heutigen Zeitgeist.

Das Resultat ist eine Platte, die in bester Tradition von Bands wie Poverty’s No Crime oder den schon oben genannten Psychotic Waltz steht. Der man aber keinesfalls anhört, dass sie von Musikern stammt, die schon vor fast 30 Jahren mit der gleichen Truppe am Start waren. Denn “Lifelines” klingt nicht nach alten Recken, die neue Sounds integrieren, sondern vielmehr nach modernen Newcomern, die auf die Sounds ihrer 90er Jahre Prog Metal-Heroen zurückgreifen.
Bewertung: 12/15 Punkte (FF 12, KR 12)

Life Artist – Lifelines (Ragnarök Records, 27.08.21)

Credit: Uli Hosang

Tracklist:
1. ‘Prelude: The Architect’ (2:13)
2. ‘Of Lambs And Lions’ (8:49)
3. ‘Lifelines’ (5:45)
4. ‘Tightrope Walker’ (6:56)
5. ‘Spirit Of The Sea’ (8:44)
6. ‘Interlude: Shadowplay’ (2:26)
7. ‘Sacrilege Of Sisyphos’ (6:27)
8. ‘Labyrinths Of Time And Space’ (9:56)
9. ‘Epilogie: Miniature No.1’ (1:58)

Besetzung:
Marco Witte (Vocals, Keys, Drums, Narration)
Frank Jauernick (Guitars, Piano, Drums)
Dirk Eckhard (Bass, Vocals)
Ingo Holzhauer (Drums, Keys)

Gastmusiker:
Andreas Lohse (Vocals – Track 2, 4)
John Knight (Vocals – Track 5, 7)
Haye Graf (Narration – Track 8)
Andreas Pilger (Violin Solo – Track 8)

Diskografie (Studioalben):
“A Diary Of Inner Visions” (1992)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Life Artist zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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