Kornmo – Fimbulvinter

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Kornmo – Fimbulvinter (Apollon Records Prog/Plastic Head, 05.11.21)

Credit: Erlend Kvalø

(1:11:29, CD/Digital, Apollon Records/Plastic Head, 2021)
Nach all den Post Rock-Alben des jahres und den zahlreichen Werken von Flitzefingern wie Plini, Intervals und The Omnific, gibt es zur Abwechslung mal wieder ein Instrumental-Album, das dem klassischen Progressive Rock zuzuordnen ist. denn “Fimbulvinter”, die bereits dritte Scheibe der aus Trondheim stammenden Formation Kornmo, bietet über mehr als 70 Minuten hinweg eine entspannte Melange aus 70er Symphonic Prog, frühem 80er Neo Prog und sanften Folk-Einsprengseln. Kornmo, das sind Odd-Roar Bakken und Nils Larsen, zwei Musiker, die bereits auf eine fast 50-jährige gemeinsame Karriere zurückblicken könne. Die zwei Herren spielten nämlich u.a. für lange Jahre gemeinsam in der 2015 aufgelösten Band Morild. Und ja, man hört es den fünf Stücken, die allesamt eine Länge zwischen sieben und 27 Minuten haben, an, dass hier zwei Musiker kooperiert haben, die sich blind kennen. Denn “Fimbulvinter” klingt ausgewogen und harmonisch.

Und so gibt es auf “Fimbulvinter” eine Vielzahl von Harmonien und Melodien zu entdecken, die stilistisch den frühen Camel nahestehen. Klanglich jedoch ähneln Kornmo vielmehr den Marillion der 70er Jahre, sprich der Band zu Zeiten der Prä-Fish-Periode. Denn v.a. die alles beherrschenden flächigen Keyboardklänge von Odd-Roar Bakken könnten durchaus auch aus dem Repertoire eines Brian Jellimann stammen. Ein Sound, der nicht nur Retro klingt, sondern auch, wenn man es unschön ausdrücken wollte, ein wenig billig. Thematisch gehen Kornmo jedoch noch weíter in der Zeit zurück, denn die Platte beschäftigt sich konzeptuell mit den Naturgewalten, die Norwegen während der Eiszeiten geprägt haben. Entsprechend beschreibt der Begriff Fimbulvinter in der altnordischen Mythology einen Winter, der drei Jahre andauerte und Ragnarök andeutete – das Ende aller Zeiten.

Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass “Fimbulvinter” ein wenig düsterer klingt als seine beiden Vorgänger, doch an Weltuntergang lässt einen dieses Album zu keinem Zeitpunkt denken. An einen drei Jahre währenden Winter schon eher, denn obgleich seiner schönen Melodien vergeht die Zeit beim Hören des Albums nur sehr schleppend.
Bewertung: 9/15 Punkten (FF 9, KR 10)

Tracklist:
1. ‘Fimbulvinter’ (8:13)
2. ‘Jutulhogget’ (7:17)
3. ‘Dovre faller’ (19:10)
– ‘Skandes’
– ‘Snohettas Siste Dans’
– Stadial’
4. ‘Kjempene våkner’ (26:17)
– ‘Interstadial’
– ‘Kjempenes Vals’
– ‘Landheving’
– ‘Baltikas Reise’
5. ‘Mega annum’ (10:31)

Besetzung:
Nils Larsen (bass)
Anton J. R. Larsen (drums, percussion)
Odd-Roar Bakken (keyboards, guitar)

Diskografie (Studioalben):
“Svartisen” (2017)
“Vandring” (2019)
“Fimbulvinter” (2021)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Kornmo – Fimbulvinter

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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