The Watch – The Art Of Bleeding

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The Watch - The Art Of Bleeding (Pick Up Records, 24.09./08.10.21)(47:30, CD, Pick Up Records, 2021)
Die sympathischen Italiener von The Watch sind hierzulande in erster Linie als Genesis-Coverband bekannt und immer wieder gern gesehene Gäste in einschlägigen Clubs. Daneben hat die Formation um Mastermind Simone Rossetti immer wieder Studio-Alben mit eigenen Stücken veröffentlicht. “The Art Of Bleeding” ist immerhin schon das achte Werk der Mailänder.

Zunächst fällt auf, dass man im Gegensatz zu den letzten Alben den direkten Fingerzeig auf das große Vorbild Genesis unterlässt. Gab es in der Vergangenheit zumindest immer eine Genesis-Coverversion oder auch Gastmusiker aus dem Genesis-Umfeld auf den Alben, um deren Fans extra zu triggern, vertraut man bei “The Art Of Bleeding” weitestgehend auf eigene Geschicke. Lediglich bei ‘Howl The Stars Down’ handelt es sich um eine Coverversion eines Titels von Nick Magnus, der wiederum einstiger Keyboarder der Band von Steve Hackett war. So ganz los lassen kann man also vielleicht doch nicht.

Darüber hinaus wagt man sich erstmals auf das Terrain eines Konzeptalbums. Zum Thema Cathartic Violence – also im weiteren Sinne die Idee von Gewalt als eine Art von Erlösung – so kann man es wohl verstehen. Die Texte der Stücke bleiben größtenteils nebulös, was wohl auch an mangelnder Sprachkenntnis liegen mag. Zumindest an einigen Stellen kommt man nicht umher zu vermuten, dass der Reim wichtiger ist als Sinn oder Aussage des Textes.

Aber Konzeptalbum hin oder her – Für einen Großteil der Hörerschaft sind Texte sowieso eher zweitrangig. Musikalisch bewegt sich die Band auf gewohntem Terrain. Der Genesis-Einfluss ist unverkennbar und Rossettis Intonation ist natürlich geprägt von den Stücken der Gabriel-Phase, eben dem Material mit dem die Band überwiegend live auftritt.

Im Vergleich zu älteren Alben sind die Stücke stärker von den Keyboards dominiert. Das fällt insbesondere bei den Songs ‘Red’ und ‘Red Is Deep’ auf, die beide von dem gleichen markanten Keyboard-Thema geprägt sind. Auch in den Stücken ‘The Fisherman’ und ‘Abendlicht’ denkt man hin und wieder an Tony Banks auf seinem Solowerk “A Curious Feeling”. Auch das Sound-Universum eines Martin Orford mag in den Sinn kommen.

“The Art Of Bleeding” klingt atmosphärisch geschlossen und lässt sich angenehm komplett anhören. Das ist für ein Konzept-Album sicher eine wichtige Erkenntnis. Der Gesang wirkt jedoch häufig etwas gepresst, und so richtig zu Hause fühlt sich Simone Rossetti in der englischen Sprache nicht. Wen so etwas stört, der sei hier vorgewarnt.

Letztlich ist lange bekannt, wo man The Watch einzuordnen hat. Wem nach mehr Musik aus aus eben jenem Kosmos ist, der kann bei den Italienern bedenkenlos zugreifen. Auf der anderen Seite gibt es hier natürlich genau nichts zu entdecken, dass in irgendeiner Form innovativ wäre. Aber wer hätte das auch erwartet?
Bewertung: 10/15 Punkten (DH 10, KR 11, KS 11)

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Pick Up Records

Abbildungen: The Watch / Pick Up Records

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Über den Autor

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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The Watch – The Art Of Bleeding

von Dietros Diaitológos Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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