Sordal – Juno & Jupiter

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Sordal – Juno & Jupiter (Apollon Records, 08.10.21)

Credit: Tom Korsvold & Coverart.no

(45:22, Vinyl/CD/Digital, Apollon Records, 2021)
Wenn ein in Prog-Kreisen so renommiertes Label wie Apollon Records ein Solo-Album des Green Carnation-Bassisten Stein Roger Sordal ankündigt, dann sind die Erwartungen eines Rezensenten unter Umständen hoch. Zumindest, wenn man Anhänger der Stammformation ist und vom Backkatalog des Herrn Sordal keine Ahnung hat. Denn geht man mit der Vorstellung an “Juno & Jupiter” heran, in diesem ein weiteres Meisterwerk zwischen Avantgarde und düsterem Progressive Metal zu finden, so wird man von Sordals neuestem Werk herb enttäuscht werden.

Roland Juno 106, Jupiter 8, Jx-3P, Oberheim Matrix 1000, Yamaha DX7, Yamaha D50, KorgPolysix, Sequential Circuits DrumTraks, Oberheim DX, Rockman Sustainor and FX Unit. Wer sich mit Keyboards und Synthesizern auskennt, dem dürfte bei der Aufzählung der hier verwendeten Instrumente schon langsam ein Licht aufgehen. Und so liegt man denn auch richtig, wenn man “Juno & Jupiter” im Sound der frühen 80er Jahre verortet. Denn Stein Roger Sordal widmet sich auf diesem Album genau jenen Sounds, mit denen er aufgewachsen ist. Und mit Progressive Rock oder zumindest Art Pop haben diese rein gar nichts zu tun.

Die Lieder, die Produktion und Stimmung. Viele Musiker, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, verfluchen diese Ära mit ihren seelenlosen Maschinengeräuschen, aber ich liebe es verdammt noch mal. Das habe ich schon immer. Ich bin damit aufgewachsen, also habe ich eine Entschuldigung. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es irgendwie wieder im Spiel ist, aber für mich ist “Juno & Jupiter” produktionstechnisch nichts anderes als eine Hommage an die magischen 80er.

The songs, the production and the vibe. A lot of musicians I have met over the years curse this era with its soul-less machine sounds, but I fucking love it. I always have. I grew up with it, so I have an excuse. Now I get the feeling that it’s kind of back in the game, but for me “Juno & Jupiter” is nothing more than a tribute to the magic 80 ́s, production-wise.

Und so kommt es wie es kommen musste, wenn man “Juno & Jupiter” auflegt. Man fängt an, im Takt zu wippen und die eingängigen Liedchen mitzuträllern. Ein Verhalten, das so natürlich vonstatten geht, dass man sich schon nach kürzester Zeit dafür zu hassen beginnt. Nein, das hier ist zwar kein Modern Talking, doch in seiner unverblümten 80er-Lastigkeit so schmerzhaft, dass man sich fremdschämen würde, betrachtete man sich von außerhalb. Dabei sind noch nicht einmal die so 80er-typischen Keyboard-Sounds das Problem, sondern v.a. der Kitsch, mit dem das Album zugekleistert ist. Cutting Crew, A-ha, Hall & Oats,Heinz-Rudolf Kunze …. es kommen einem viele Namen in den Sinn, wenn man den Stücken auf “Juno & Jupiter” lauscht. Und es ist natürlich nicht alles schlecht, was auf diesem Album zu finden ist. Aber braucht man das wirklich? Die 80er sind zu Ende und das ist auch gut so. Dass manche der damaligen Sounds in die heutige Musik zurückgekehrt sind, ist nicht wirklich schlecht und teilweise sogar richtig gut. Doch ob man tatsächlich ein Album aufnehmen muss, das genauso klingt, als wäre es in der 80ern entstanden, das muss man nicht bejahen.

Hommage hin, Hommage her. Mit “Juno & Jupiter” hat sich Herr Sordal so weit aus dem Fenster gelehnt, dass er zu stürzen droht. Und außer ein paar eingefleischten 80er Jahre-Fans wird ihn wohl auch niemand auffangen könen.
Bewertung: 5/15 Punkte

Sordal – Juno & Jupiter (Apollon Records, 08.10.21)

Credit: Ingvald R. Ingebretsen

Tracklist:
1. ‘You Make It So Damn Easy To Love You’ (4:37)
2. ‘Moral Police’ (4:26)
3. ‘Should I Cry For You’ (4:45)
4. ‘Ashes Bound’ (4:28)
5. ‘Transartic Lover’ (2:57)
6. ‘I Don’t Believe In Science’ (4:10)
7. ‘Into The Ocean’ (4:06)
8. ‘Nothing Up My sleeve’ (4:39)
9. ‘Granit’ (4:12)
10. ‘Mother Receive, Mother Return’ (7:02)

Besetzung:
Stein Roger Sordal (Gesang, Gitarre, Synth)
Bjarne L. Severinsen (Bass)
Tommy Jacksonville (Schlagzeug)
Michael Aadal (Leadgitarre)
Tom Anders Klungland (Akustikgitarre – Track 8)
Alexandra Rotan (Gesang – Track 5)
Ole Jørgen Bardal (Saxophon)
Kenneth Silden (Synth)
Endre Kirkesola (Synth)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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