Queen – Greatest Hits (Limited 30th Anniversary Edition)

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(58:16, CD, Cassette, EMI/Universal, 2021)Queen - Greatest Hits (Limited 30th Anniversary Edition)
Gleich vorweg: das Queen-Lager muss sich schon die Frage gefallen lassen, wozu dieser Jubiläums-Re-Release von „Greatest Hits“ überhaupt notwendig ist. Denn, seien wir ehrlich, außer einem Slipcase unterscheidet sich das Ding nicht von der 2011er Auflage – das Mastering ist das Gleiche, das Design des Booklets auch, und out of print war das Album auch nicht.

Allzuviel Jubi-Stimmung kommt also nicht unbedingt auf, dabei hätte man da durchaus die Gelegenheit gehabt, die bestverkaufteste Compilation aller Zeiten noch ein wenig aufzuhübschen. Zum Beispiel mit Extra-Tracks. Die originale westdeutsche Ausgabe des Albums enthielt beispielsweise zusätzlich noch ‚Spread Your Wings‘, spätere Ausgaben zusätzlich noch ‚Under Pressure‘ und die US-Variante bot gar noch ‚Keep Yourself Alive‘ in einer ansonsten unveröffentlichten Mono-Single-Version. Andere Länder boten zusätzlich noch ‚Love Of My Life‘ und ‚Tie Your Mother Down‘ – eine vollständige internationale Fassung hätte also durchaus Sinn gemacht, auch eine Bonus-Disc mit zeitgenössischen Livetakes oder Ähnlichem wäre schön gewesen und hätte diese Neuauflage enorm aufgewertet. Aber diesbezüglich sind Queen ja einigermaßen resistent gegen die Wünsche der Fans. Apropos Gemecker: die Entscheidung, für’s Slipcase nicht das ikonische Original-Cover zu reproduzieren, geht ebenfalls als rätselhaft durch. Ob das besagte Stück Papphülle also ausreicht, um diese Ausgabe zum begehrten Sammlerstück zu machen, ist ernsthaft zu bezweifeln.

Über die Musik des Albums muss wohl kein Wort mehr verloren werden: außer den Beatles hat keine Band den Spagat zwischen Kunst und Kommerz – gerne im gleichen Song! – so überzeugend geschafft wie Queen. Songs wie ‚Bohemian Rhapsody‘ oder ‚Bicycle Race‘ (laut einem britischen Kritiker ‚Supper’s Ready in three minutes‘) hätten aufgrund ihrer Komplexität eigentlich gar nicht erfolgreich werden dürfen, und überhaupt, wie kann es angehen, dass eine Band sich stilistisch durch alles durchkämpft, was Rock und Pop hergeben und in jedem Genre dann auch noch punkten können? Selbst Chic haben nicht viel gemacht, was ‚Another One Bites The Dust‘ nahekommt, ‚Now I’m Here‘ zitiert nicht nur textlich Mott The Hoople, sondern geht als eine der feistesten Glamrock-Dampfwalzen überhaupt durch. ‚You’re My Best Friend‘ klingt mehr nach Stevie als Wonder selbst, und im Vergleich zu ‚Killer Queen‘ und ‚Good-Old-Fashioned Lover Boy‘ klangen selbst Roxy Music und Sparks nach bodenständigem Straßenrock. Dazu der Filmscore ‚Flash‘, das treibende ‚Don’t Stop Me Now‘, die Rockabilly-Hommage ‚Crazy Little Thing Called Love‘ – ja, man könnte theoretisch jeden Song einzeln herausheben, weil einfach jeder davon ein Klassiker ist.

Also, haben muss man „Greatest Hits“ eigentlich ehedem – aufgrund der Verwendung der Singleversionen auch dann, wenn das Queen-Gesamtwerk schon im Regal steht. Ein wenig ratlos lässt diese unangemessen unspektakuläre Wiederveröffentlichung aber dennoch zurück. Hier wurde eindeutig eine Chance auf ein spektakuläres Update eines Klassikers verschenkt.
Ohne Bewertung (Compilation)

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von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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