Requiem For Oblivion – Hindsight 2020

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(25:18, Digital, Eigenproduktion, 2021)
Die aus Erie in Pennsylvania stammenden Progressive Death-Rabauken sind nunmehr seit 14 Jahren aktiv und haben in dieser Zeit zwei Alben und zwei EPs veröffentlicht. Die nun dritte EP wurde passender Weise „Hindsight 2020“ getauft, ist – natürlich – während der Pandemie entstanden und offenbart dementsprechend einen durchaus nachvollziehbaren, sich lösenden Wutstaudamm. Mastermind Steve Jacobson und Schlagzeuger Mike Scutella, die sich bereits mit bekannten Bands wie Katatonia, Tesseract, Vital Remains oder Cult of Luna die Bühne geteilt haben, veranstalten in den knapp 25 Minuten ein kurzweiliges, technisch anspruchsvolles, fast chaotisch anmutendes Inferno.

Der Opener ‚Lies and Fire‘ offenbart in wenigen Nanosekunden, wohin die Reise geht: In den kalten, feuchten Keller, in den man flüchten musste, nachdem sich die Pandemie unaufhaltsam ausgebreitet hat. So, wie es da unten riecht, klingt die Musik. So, wie die Leuchtstoffröhre da unten flackert, so klingt die vertrackte Rhythmik. So, wie sich der Schimmel die Wände hoch frisst, fressen die Riffs dein Gehirn und die markerschütternden Growls klingen wie der arme Kerl, der draußen vor dem Keller panisch an die Tür schlägt, weil er noch rein will, aber er darf nicht rein. Auf keinen Fall! Er könnte infiziert sein!

Nun sitzt man da unten im Keller und nach drei Wochen, nur mit schimmeligem Brot, einer Dose Tomaten und von der Decke tropfendem Wasser, klingt die eigene Stimme wie der Gesang in ‚Collapse the Structure‘. ‚Shatterpoint‘ ist quasi ein Vorbote dafür, dass die Eingeschlossenen bald den fies schwarz angelaufenen, übrig gebliebenen Restputz von der Wand kratzen werden. Unfassbar beklemmend und hoffnungslos. Die Mischung aus rasenden Riffs und dem wahnwitzigen Schlagzeug, sowie der zum Schluss unerwartete Tempowechsel, hat durchaus etwas Interessantes an sich. In ‚Conspiracy Bro‘ ist es dann soweit und die Insassen des Kellers graben sich nunmehr völlig hysterisch, zombieartig durch den Putz. Im Hintergrund tönt dabei dieser nach klassischem Florida-Death klingende Schädelspalter.

Die Befreiung aus dem Keller ist schief gelaufen und nun überzeugt der Rausschmeißer ‚Esoterica‘ mit einer mysteriösen, schwer rifflastigen, kalten Atmosphäre und es wirkt so, als erblickt man oben in der Ecke des Kellers eine kleine Kamera und es stellt sich heraus, dass dies alles nur ein Experiment war, man den Insassen eine Pandemie nur vorgegaukelt hat und nun, hinter der Kamera, eine Gruppe Wissenschaftler sich genüsslich ins Fäustchen lacht und anschließend im Keller endgültig das Licht ausmacht. Bähm!

Requiem For Oblivion ziehen auf ihrer EP ‚Hindsight 2020‘ ein wahnwitziges Prog Death-Inferno ab. Technisch auf hohem Niveau, ohne sich dabei offensichtlich an Skalen, Pentatoniken und 8-saitigen Gitarren zu vergenussferkeln. Hier gibt’s ordentlich auf die Omme und zwar ziemlich kurzweilig und mitreißend.
Bewertung: 10/15 Punkten (MBü 10, KR 12)

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Über den Autor

Geschmacklich bin ich eigentlich schlecht in irgendeine Schublade einzuordnen. Ich mag sehr viele verschieden Arten von Musik, solange sie für mich einen gewissen Anspruch hat, mich interessiert, fesselt und vor allem berührt.

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Requiem For Oblivion – Hindsight 2020

von Michael Büttgen Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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