Jane Getter Premonition – Anomalia

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Jane Getter Premonition - Anomalia (EsotericAntenna/CherryRed, 26.3.21)(45:15, CD, Digital, Esoteric Antenna/Cherry Red, 2021)
Technisch versierte Musik anzubieten, ohne dass die Virtuosität zur direkten Offensichtlichkeit führt, das ist schon mal eine Kunst für sich sich. Jane Getter ist eine erfahrene Gitarristin, die trotz aller vorhanden Möglichkeiten genau diesen, weniger augenscheinlichen Weg geht. Bei einem Gitarrenalbum denkt man reflexartig an endloses Gefrickel und die offensichtliche Zurschaustellung des eigenen Könnens. Doch bereits mit den vorherigen Alben („On“, 2015 und „On Tour“, 2017) unter dem Projektnamen Jane Getter Premotion bewies die US-amerikanische Saitenakrobatin, dass man bei ihr ganz andere inhaltliche Schattierungen und keineswegs alleinige Saitendominanz erwarten darf.

Deswegen bekommt man auf „Anomalia“ nicht nur die Wucht und Finesse ihres Gitarrenspiels zu hören. Sondern auch die Tasten bekommen in mannigfaltiger klanglicher Ausprägung ihr Recht. Gleichfalls treten die Songschreiberqualitäten der Frau aus New York wesentlich prägnanter in den Vordergrund, die sich instrumental durchaus zurücknehmen kann. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass Lebensgefährte Adam Holzman wieder mit von der Partie ist, der vor allem in den letzten Jahren in der Band von Steven Wilson für die richtigen Sounds sorgte.

So erwächst „Anomalia“ zu einer interessanten Schnittmenge aus Prog, Metal, Singer/Songwriter-Ansätzen und Jazz Rock bzw. Fusion. Und all dies ohne nur auf augenfällige technische Feinheiten zu setzen. Das bedeutet keineswegs, dass Jane Getter mit ihrem spielerischen Können hinter dem Berg hält, doch ihr kluger Ansatz gerät konzentrierter, songdienlicher, weniger direkt. Jazzige Läufe, metallische Riffs und verspielte Parts fließen harmonisch ineinander, die Technik wird immer als fester Bestandteil der Dynamik und des inneren Zusammenhangs eingesetzt.

Gleichfalls sorgen versierte Musiker, wie z.B. ex-Zappa Schlagzeug Chad Wackermann oder Testament-Gitarrist Alex Skolnick für spielerische Feinheiten. Zudem ist dieses mal mit Vernon Reid als Gastmusiker ein weiteres Mitglied der Alternative-Metal-Legende Living Colour zu hören, während auf „On“ Sänger Corey Glover gesanglich in Erscheinung trat. Weiterhin versammeln sich als musikalische Begleiter Basslegende Stu Hamm (u.a. Joe Satriani, Steve Vai), sowie Sänger/in Randy McStine und Chanda Rule. Ein ansprechendes Cover-Layout von Lasse Hoile liefert die finale optische Verfeinerung.

„Anomalia“ überzeugt als stilistisch vielschichtiges Album, dass vor allem durch seine unterschwellige Cleverness punktet. Rockmusik mit einen ganz weiten Horizont oder eben „It’s Jazz, but you don’t hear it“.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Abbildungen: Jane Getter Premonition / Esoteric Antenna

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Jane Getter Premonition – Anomalia

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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