Zappa – Original Motion Soundtrack

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(67:10 + 63:02 + 64:13, 3 CDs, Digital, Zappa Family Trust, 2021)
Letztes Jahr feierte bereits die durch eine Kickstarter Kampagne finanzierte Dokumentation „Zappa“ von Schauspieler/Regisseur Alex Winter ihre filmische Premiere. Mit etwas Verspätung folgt nun der Soundtrack in CD-Format, später im Jahr wird noch eine Vinylausgabe nachgeliefert. Das besondere an diesem Film war, dass Alex Winter einen kompletten Zugang zu den Zappa-Archiven erhielt und sich somit mehrere Jahre durch einen riesigen Berg an bisher unveröffentlichten Aufnahmen wühlen konnte, dabei aber auch Material zu Gesicht bekam, dass er lieber nicht gesehen hätte. Tja, das waren eben die wilden 60er und 70er.

Bei seiner Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Frank Zappa stellt der Regisseur vor allem dessen kompositorische Ansätze in der Vordergrund, lässt aber gleichzeitig die Widersprüchlichkeit des Menschen Zappa keinesfalls außen vor. Der Soundtrack zum Film beinhaltet zum Teil bisher unveröffentlichtes Material (u.a. Aufnahmen der Mothers Of Invention aus dem Whisky A Go-Go von 1968, ‚Dancin‘ Fool‘ aus der „Saturday Night Live“ Show, sowie sogar einen Beitrag vom Bayerischen Rundfunk aus dem Jahr 1978), versucht aber vom Grundansatz her einen gewissen Querschnitt durch die wichtigsten Phasen Zappas zu bieten.

Dabei liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf dessen Frühphase, also von den ersten Anfängen über The Mothers Of Invention der späten 60ern bis in die frühen 70er. Ebenfalls ausgiebiger werden Zappas Interpretation von moderner Klassik betrachtet. Das reicht von den Inspirationsquellen Edgar Varèse und Igor Strawinsky, jeweils repräsentiert durch einen Titel, bis hin zu seinen letzten Werk „Yellow Shark“ mit dem Ensemble Modern. Ein nach persönlichem Gusto etwas zu kurz geratener Streifzug durch die 70er Jahre (u.a. das mit John Lennon und Yoko Ono live aufgenommene ‚Scumbag‘), wie ebenfalls Zappas Produzententätigkeiten für die All-Girl-Band GTO’s und Alice Cooper, finden ebenfalls ihren Platz. Auf der dritten CD ist noch der Soundtrack zum Film enthalten, komponiert von John Frizzell und mehr als Hintergrunduntermalung zu verstehen.

Sich dem Gesamtwerk Zappas und seiner ganz eigenen Weltsicht auf kompakte Weise zu nähern ist ja nahezu unmöglich, weswegen z.B. die Jazz Rock-Phase der frühen 70er nur sehr kurz gestreift oder auch einige der weniger geglückten Experimente der 80ern nahezu komplett außen vor gelassen wurden. Als Einstieg in die stilistisch überaus vielschichtige Welt Zappas ist dieser Soundtrack sicherlich eine gute Wahl, wer sich als Neuling erst einmal mit vermehrt rockigen Nummern an sein Werk herantasten möchte, dem sei eher der Sampler „ZAPPAtite“ empfohlen.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Abbildungen: Zappa Family Trust

 

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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