The Mastelottos – A Romantic’s Guide To King Crimson

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(57:22, CD, Digital, 7d Media, 2021)
King Crimson als romantische Überraschung zum Valentinstag? Mit einem gewissen Augenzwinkern bietet sich dafür „A Romantic’s Guide To King Crimson“ als ungewöhnliches Geschenk an, das genau am Valentinstag 2021 seinen offiziellen Veröffentlichungstermin hat. Hinter diesen unerwarteten Album steckt das Duo The Mastelottos, namentlich Deborah Mastelotto und ihr sicherlich wesentlich bekannterer Mann Pat Mastelotto, seines Zeichens seit den 90ern Schlagzeuger bei King Crimson. Aus dem Insiderwitz, dass es nie Schlangen vor den Frauentoiletten bei einem King-Crimson-Konzert gibt (Wieso Witz? Die Damen wollen halt nichts verpassen! Die Schlussred.), erwuchs die Idee, diese Musik in eine wesentlich weiblichere Richtung zu lenken.

Die zwölf Songs greifen auf die gesamte Historie von King Crimson zurück, mit einem gewissen Schwerpunkt auf die 80er und 90er Jahre. So sind hier in erster Linie ruhigere, am ehesten erwartbare Titel aus der frühen Diskografie wie ‚Moonchild‘, ‚Book Of Saturday‘ oder ‚Exiles‘ vertreten, wie sich ebenfalls ‚One Time‘, ‚Heartbeat‘ oder ‚Matte Kudasai‘ als „romantische“ Varianten anbieten. Was jedoch die Interpretation der beiden Mastelottos von anderen Tribute-Alben unterscheidet, ist der Mut, das Material von den Arrangements und der Interpretation teilweise in eine völlig neue Richtung zu lenken und auch klangliche Modernisierungen zu verpassen. Ganz getreu der King-Crimson-Devise, jeden Song stets so anzugehen, als ob er komplett neu sei.

Da werden zwar teils die schrägen Elemente und Kanten entfernt und es erklingt einiges wesentlich melodischer, sogar poppiger. Auch werden vor allem reichlich Ambient- und World-Music-Elemente unterfüttert. Trotzdem sind die neuen Arrangements weit davon entfernt, glattgebügelt oder schlicht zu wirken, selbst wenn ‚Two Hands‘ (ursprünglich auf „Beat“ von 1982) als etwas zu seichter Einstieg ins Album gewählt wurde. Es sind die unterschwelligen, feinen Nuancen, die leichtfüßige rhythmische Raffinesse, die das Interesse beim Hörer beim nachfolgenden Material wecken. Diese gewisse Freiheit und vor allem die unzähligen Gastmusiker aus allen Ecken der Welt an den verschiedensten akustischen Instrumenten (u.a. Flöte, Oboe, Klavier) tun dem Material hörbar gut.

Dennoch lassen die neue Ansätze jede Menge Spielraum für ganz neue Klangerlebnisse, wie z.B. die Verwendung von Akkordeon bei ‚Inner Garden‘ oder schwüle Jazzatmosphäre bei ‚One Time‘. Der ruhige, zurückhaltende Gesangsstil von Deborah Mastelotto unterstützt den teilweise mystischen, sehr relaxten Charakter der weichen, schwebenden Neuinterpretationen. Als Kontrast dazu dient rockiges Material wie ‚People‘, ‚Elephant Talk‘ oder das elektronisch geprägte ‚Sleepless‘, das lässig groovende ‚Heartbeat‘.

Musik von King Crimson mal ganz anders, weit ab von technischer Vertracktheit und intensiver Komplexität. Vielleicht steckt ja doch in Robert Fripp ein größerer Romantiker als man denkt?
Bewertung: 11/15 Punkten

Surftipps zu The Mastelottos:
Bandcamp
Homepage Pat Mastelotto
Facebook Deborah Mastelotto

Abbildungen: The Mastelottos / 7d Media

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Über den Autor

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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