Jason Bieler & The Baron Von Bielski Orchestra – Songs For The Apocalypse

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Jason Bieler & The Baron Von Bielski Orchestra - Songs For The Apocalypse (Frontiers/Soulfood, 22.1.21) (56:48, CD, Vinyl, Digital, Frontiers Music/Soulfood, 2021)
Eigentlich sollte Jason Bieler schon seit Beginn der 1990er ein Superstar sein. Mit seiner Band Saigon Kick veröffentlichte er fünf furchtlose Alben zwischen Alternative, Metal, Pop, Prog, Punk, Psychedelia und allem, was der Band sonst noch so ein – und gefiel. Obwohl die Band gerne in die Glam-Metal-Schublade gesteckt wird – allerdings zwangsweise ausschießlich von Menschen, die noch nie ein Album der Band gehört haben – gehören Kollegen wie Devin Townsend und Vanden Plas zu den Fans – und im Falle Devin T. ist der Einfluss von Saigon Kick auf seine eigene Musik auch unüberhörbar. Nach dem Ende von Saigon Kick formierte Bieler mit Super Trans-Atlantic eine Band, die eher die alternative und poppige Seite des bisherigen Sounds fortführte und landete einen Song auf dem „American Pie“-Soundtrack. In der Folge war der Alleskönner unter anderem als Labelboss, Produzent und Förderer von Bands wie Skindred, Karnivool und Soil zugange, dazu veröffentlichte er in den letzten Jahren unter dem Projektnamen Owl Stretching knapp einhundert (!) Songs via Bandcamp.

„Songs For The Apocalypse“ ist Jasons erstes „richtiges“ Soloschnittchen und sein erstes Album seit der 1998er Demo-Sammlung „Houston, We Have A Problem“, das ganz offiziell auch in physikalischer Form erscheint. Und auch wenn sich das aktuelle Album stilistisch weit eindeutiger positioniert (vornehmlich im Prog-Metal), werden sich alle Saigon-Kick-Fans bei diesem Werk sofort zuhause fühlen: Bieler bleibt sich treu und bietet genau das, was man von ihm erwarten darf. Sein Gespür für eingängige Sixties-Power-Pop-Melodien hat er nicht verloren, dazu gibt’s knackige Riffs und die typischen, TomTom-lastigen Half-Time-Grooves, die sich Saigon Kick hätten patentieren lassen sollen. Zu hören zum Beispiel auf den Singles ‚Apology‘ und ‚Bring Out Your Dead‘ oder dem coolen ‚Beyond Hope‘ mit Skindreds Benjii Webb als Gastsänger. Aber auch von Akustikgitarren dominiertes wie ‚Very Fine People‘ oder das von einem Drum’n’Bass-/Dubstep-Groove angetriebene, melancholische ‚Annalise‘ gibt’s zu hören, ebenso wie das wunderbare ‚Anthem For Losers‘, das die perfekte Fusion von ABBA und Weezer präsentiert. Auch Platz für ein kurzes, angejazztes Instrumental ist vorhanden – und mit ‚Horror Wobbles The Hippo‘ bewirbt sich selbiges auch gleich um den Preis als Songtitel des Jahres. Dazu haben ein paar Kollegen wie Alt-Country-Mucker Butch Walker, Dave Ellefson (Megadeth), Bumblefoot oder eben Devin Townsend für Gastauftritte verpflichten lassen – die aber alle dem Song untergeordnet werden und nie zum Selbstzweck verkommen. Auch seine alte Tradition, Zirkus- und Vaudeville-Klamauk mit hochemotionalen Rock- und Pop-Sounds zu vermischen, die Bieler schon 1991 mit ‚My Life‘ perfektioniert hatte, findet in ‚Crab Claw Den‘ ihre Auferstehung. Generell geht es wohl ein wenig düsterer – hey, Albumtitel! – zu, und auch die Riffs sind komplexer und weniger „immediate“ als früher, aber die unverkennbare Bieler-DNA zieht sich durch das komplette Material.

Teapot of 
the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW5/2021 (RD war schon 22.1.21)

Ein Problem könnte höchstens sein, dass Bielers musikalische Vision immer noch für den Durchschnitts-Rockfan ein wenig zu eigen und idiosynkratisch sein könnte. Für Schubladen-Fans ist „Songs For The Apocalypse“ definitiv nicht geeignet, und Vergleiche zu finden, mit denen man Unvoreingenommene anlocken könnte, ist auch gar nicht so einfach. Also, die übliche Floskel für Unkategoriserbare Dingsbumse: jeder, der ein Faible für intelligente, eingängige und dennoch anspruchsvolle Musik hat, greife hier ruhig zu. Es wird Zeit, dass einer der kreativsten Köpfe der letzten dreißig Musikjahre endlich auch als genau das wahrgenommen wird. „Songs For The Apocalypse“ ist ein frühes Jahreshighlight, welches nur darauf wartet, von Euren offenen Ohren entdeckt zu werden.
Bewertung: 13/15 Punkten

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Jason Bieler & The Baron Von Bielski Orchestra – …

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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