Sparks – A Steady Drip-Drip-Drip

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Sparks - A Steady Drip-Drip-Drip (BMG, 3.7.20)(54:55, 14 Songs, CD, Vinyl, Digital, BMG, 2020)
Nach langem Hin und Her ist es endlich soweit: das neue Sparks-Album “A Steady Drip-Drip-Drip” steht endlich auch in Deutschland in den Plattenläden – auch wenn viele Fans sich wohl schon vor zwei Monaten mit dem UK-Import versorgt haben.

Und, klar, ein neues Sparks-Album ist immer ein Grund zur Freude. Auf “A Steady Drip-Drip-Drip” zeigen sich die Mael-Brüder noch dazu für ihre Verhältnisse außerordentlich zugänglich. Statt minimalistischer Klangcollagen gibt’s hier durchgehend eingängige Popsongs – wenn auch natürlich in der typischen Sparks-Variante mit unkonventionellen Harmonien, tausendfach gelayerten Vocals, nonlinearen Arrangements und, natürlich, jeder Menge sarkastischem Humor, musikalisch wie textlich. Ein wenig Glam, ein wenig Alternative, ein wenig Musical, ein wenig moderne Klassik – und viel Widerborstigkeit mit schrägen Ideen, die nur auf Sparks-Alben zu finden sind. Stilistisch liegt das Album irgendwo zwischen “Indiscreet”, “Whomp That Sucker” und “Hello Young Lovers” – bei einer Band, die dafür bekannt ist, sich ständig neu zu erfinden, wirkt so ein “Vintage”-Album zwar zunächst ein wenig enttäuschend. Will man sich aber nur deshalb der Freude an großartigen, gleichermassen weird wie catchy ausgefallenen Songs wie ‘I’m Toast’, ‘Sainthood Is Not In Your Future’, ‘Onomato Pia’ oder ‘Self-Effacing’ berauben? Keine Chance. Nach fünfzig Jahren hat das US-Duo es sich definitiv verdient, einfach mal “nur” die klassischen Sparks rauszulassen, ohne das Rad neu zu erfinden. Und auch wenn ein sofort zündender Überhammer wie ‘This Town Ain’t Big Enough For Both Of Us’, ‘Beat The Clock’, ‘Suburban Homeboy’, ‘Tips For Teens’ oder ‘Johnny Delusional’ diesmal nicht am Start ist, ist das Niveau der Songs natürlich schwindelerregend hoch.

Auch die Texte sind erwartungsgemäß einmal mehr einfach wunderbare satirische Großtaten. Ob Oden an den perfekten Rasenmäher, ganz persönliche, dennoch sehr nachvollziehbare Forderungen wie ‘Please Don’t Fuck Up My World’ (auch musikalisch ein Nachfolger von ‘Never Turn Your Back On Mother Earth’) oder die klare Aufforderung ‘Put your fuckin’ iPhone down and listen to me!’ – Sparks spielen mit ‘The Existential Thread’ und für alle im Jahr 2020 lebenden Menschen scheinbar völlig normalen, aber unterm textlichen Mikroskop als doch reichlich bizarr entlarvten gesellschaftlichen Auswüchsen. Das alles kommt freilich komplett ohne den mahnenden Finger aus – und wirkt damit umso treffender.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW27/2020

Aber: ist das Prog (gähn…)? Nee, sicher nicht. Aber fraglos origineller, unkonventioneller und progressiver als 99% aller Genre-Bands, und deshalb gehören Sparks mit Sicherheit auch hierher. “A Steady Drip-Drip-Drip” hat noch dazu aufgrund seiner (vermeintlichen) Geradlinigkeit das Potenzial, als Einstiegsdroge ins Gesamtwerk einer Band zu taugen, die seit Gründung so eigensinnig agiert, dass es bis heute keine Band gibt, die auch nur ansatzweise versucht hat, sie zu kopieren. Können auch nicht viele behaupten, ne?
Bewertung: 13/15 Punkte (SG 13, KR 12)

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SaschaG

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Sparks – A Steady Drip-Drip-Drip

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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