Therapy? – Greatest Hits (The Abbey Road Sessions)

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Therapy? – Greatest Hits (The Abbey Road Sessions)(37:25, LP, CD, Digital, Marshall Records, 2020)
Therapy? feiern in diesem Jahr ihr dreißigjähriges Bandjubiläum. Um diesen Anlass zu würdigen, haben sich die Nordiren entschlossen, ihre zwölf größten Hits in den Londoner Abbey Road Studios neu aufzunehmen.

Therapy?, für all jene, die sie nicht kennen, hatten ihre Hochphase Mitte der 90er Jahre, als sie mit den Alben “Troublegum” (1994), “Infernal Love” (1995) und, mit etwas weniger Erfolg, “Semi-Detached” (1998) die Charts stürmten. An Therapy? ging damals kein Weg vorbei. ‘Nowhere’, ‘Die Laughing’ und ‘Screamager’ gehörten damals genauso zum Standard-Set eines Indie- und Crossover-DJs wie Nirvanas ‘Smells Like Teen Spirit’ oder ‘Killing in the Name’ von Rage Against the Machine.

Seither sind mehr als 20 Jahre vergangen in denen Therapy? neun weitere Studioalben veröffenlicht haben, zuletzt das Albums “Cleave” im Jahre 2018.

All diese Jahre hatte ich die Nordiren aus den Augen verloren, da mich “Semi-Detached” einerseits nicht wirklich berührern konnte, andererseits, da sich meine musikalischen Vorlieben in eine andere Richtung entwickelten.

Umso gespannter war ich nun auf dieses “Greatest Hits” Album, da ich hoffte, mir mit dieser Platte einen Überblick über die verapssten Jahre verschaffen zu können. Doch leider ist dies mit der vorliegnden Lieder Sammlung nicht möglich, denn Therapy? haben den Titel “Greatest Hits” wie kaum eine andere Band  wörtlich genommen und ausschließlich ihre UK Top 40 Hits auf die Scheibe gepackt. Diese stammen allerdings sämtlichst aus der Frühphase der Band, sprich, von den drei oben genannten Hitalben sowie dem Debütalbum “Nurse” und der EP “Opal Matra”.

Was man auf “The Abbey Road Session” also zu hören bekommt, das ist Chartsmusik der 90er im Soundgewand des Jahres 2020, bei der ein Ohrwurm den anderen jagd.

Und trotzdem, irgendwie bleiben die Lieder nicht mehr so hängen, wie Anno Dazumal. Schuld hieran ist vermutlich in erster Linie die Produktion von Chris Sheldon, der sich  seinerseits schon für “Troublegum” verantwortlich zeigte. Sheldon kann den aktuellen Sound der Band zwar perfekt einfangen und Therapy? so als eine gereifte Formation präsentieren, die weitaus heute aggressiver und trashiger klingt, als in ihren Anfangstagen. Was bei dieser Produktion allerdings verloren geht, dass ist der unvergleichliche Character, der vor allem den Alben “Troublegum” und “Infernal Love” anhaftete. “Troublegum” war Bubblegum und wahrscheinlich nur deswegen so erfolgreich, weil sie auf diesem Album ihren von Industrial, Punk, Metal und Indie geprägten Sound mit einer gehörigen Portion klebenden Pops durchsetzten. Ähliches gilt in ähnlicher Variante für “Infernal Love”, wobei hier der Popsound durch cinematische und ambiente Sounds ersetzt worden war.

Hört man sich im direkten Vergleich “Greatest Hits (The Abbey Road Sessions)” an, so sind all diese Eigenheiten verschwunden, so dass die zwölf Lieder, zwischen denen teilweise sieben Jahre liegen, auf dieser Kompilation plötzlich wie aus einem Guss klingen.

Am deutlichsten wird diese Veränderung an der Mörder-Ballade ‘Diane’ deutlich. Während die 95er Aufnahme des Hüsker Dü-Songs den wütenden Industrial Punk des Originals in eine zerbrechliche Cello & Vocals Ballade verwandelte und damit das Highlight auf “Infernal Love” darstellte, fällt die aktuelle Version praktisch gar nicht ins Auge, da sie sich klanglich viel zu dicht am Original orientiert.

Summa Summarum ist “Greatest Hits (The Abbey Road Sessions)” ein Album geworden, von dem ich nicht so recht weiß, was ich mit ihm anfangen soll. Als Hitsammlung ist die Scheibe eher untauglich, da den meisten Liedern genau jene Essenz fehlt, welche ihre Originalversionen in den 90ern so unsterblich machte. Als Werkschau eignet sich die Sammlung auch nicht, da hier lediglich das erste Drittel der Karriere der Nordiren beleuchtet wird. Und auch zum Wiederentdecken ist die Platte ungeeignet, da man nun zwar weiß, wie Therapy? im Jahre 2020 klingen, jedoch nicht, welche Art von Musik die Band heutzutage schreibt.

Anmerkung:
Der CD-Version dieser Platte, welche unter dem Titel “Greatest Hits (2020 Versions)” firmiert, liegt eine Bonus-CD bei, welche 15 unveröffentlichte Live-Verrsionen von Therapy?-Songs beinhaltet. Jedes der 15 Studioalben der Band, wurde dabei stellvertreztend mit einer Aufnahme bedacht. Leider lag dieses Material nicht zur Rezension vor.
Bewertung: 9/15 Punkten

Tracklist:
1. Teethgrinder (2020 Version) (3:29)
2. Screamager (2020 Version) (2:40)
3. Opal Mantra (2020 Version) (2:23)
4. Turn (2020 Version) (3:51)
5. Nowhere (2020 Version) (2:25)
6. Trigger Inside (2020 Version) (4:00)
7. Die Laughing (feat. James Dean Bradfield) (2:50)
8. Stories (2020 Version) (2:53)
9. Loose (2020 Version) (3:03)
10. Diane (2020 Version) (4:29)
11. Church of Noise (2020 Version) (2:45)
12. Lonely Cryin’ Only (2020 Version) (2:37)

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Abbildungen: Therapy? / Marshall Records

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Über den Autor

flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Therapy? – Greatest Hits (The Abbey Road Sessions)

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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