Snarky Puppy – Live At The Royal Albert Hall

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(50:22 + 48:57, 2 CD, 3 LP, GroundUp Music, 2020)
Erstaunlich, welche Acts abseits des allgemeinen Mainstreams mittlerweile die Royal Albert Hall füllen. Es gibt also doch noch Hoffnung für den guten Geschmack. Das formidable amerikanische Musikerkollektiv Snarky Puppy um Bandleader Michael League machte auf seiner Tour im letzten Jahr ebenfalls in der altehrwürdigen Veranstaltungsstätte in London Halt.

Bei diesem Livealbum stand logischerweise der Fokus auf dem letzten Studioalbum “Immigrance“, welches gleich mit sechs Songs vertreten ist. Die Setlist fokussiert sich trotz der inzwischen recht umfangreichen Diskografie der Amerikaner neben dem Material von ‘Immigrance’ lediglich auf weiteres Material aus den Alben “We Like It Here” (2014), “Culcha Vulcha” (2016), sowie überraschenderweise zwei Songs aus der wesentlich jazzigeren Frühphase “The World Is Getting Smaller” (2007), die aber wesentlich luftiger und dem sonstigen Material angepasst daherkommen.

Warum sich Snarky Puppy über die Jahre mittlerweile eine recht breite, teils altersmäßig sehr junge Fanbasis erspielt haben, liegt vor allem im differenzierten Stilmix begründet, der sich eben recht weit außerhalb des reinen Jazz bzw. Jazz Rocks bewegt. Da sind Elemente aus Rock, Funk, R&B, Soul, Latin, Electronic oder World Music zu vernehmen, zudem vorangetrieben durch feingliedrige, mitreißende Rhythmik und sehr lässiges Feeling.

 
 
 

Die sehr große Besetzung versteht sich immer als Einheit und z.B. trotz der vierfachen(!) Keyboardpower wirkt hier nichts überladen, sondern immer exakt auf den Punkt gebracht. Zudem gelingt es, moderne Klangästhetik mit herrlich analogen Sounds aus den Keyboardburgen zu vereinen, die bisweilen durch messerscharfe Bläsersätze gewürzt werden. Die Band interpretiert das Songmaterial im Vergleich zu den Ursprungsversionen keineswegs anders oder bricht die Songstrukturen komplett auf, dafür werden jedoch die Soloparts beliebig verändert bzw. neue Passagen hinzugefügt. So bekommt z.B. das grandiose ‘Sleeper’ eine sehr langes Talkbox-Solo spendiert. Dabei dienen die diversen Soli niemals zum reinen Selbstzweck, sind dafür so fulminant in die Kompositionen eingewoben, dass stellenweise vollkommen berechtigter Zwischenapplaus aufbrandet.

 
 
 

Da Snarky Puppy mittlerweile über einen sehr großen Pool an Musikern verfügt, lohnt sich auch immer ein Blick auf das Line-Up während der “Immigrance” Tour quer durch Europa. So stand am 14.11.2019 in der Royal Albert Hall folgende Besetzung auf der Bühne:
Michael League – Bass, Moog Keybass, Krakeb
Mark Lettieri – Gitarre
Zach Brock – Violine
Bobby Sparks – Keyboards
Bill Laurance – Keyboards
Shaun Martin – Keyboards, Talkbox
Justin Stanton – Keyboards, Trompete
Mike Maher – Trompete, Flügelhorn
Chris Bullock – Saxophon, Flöte
Bob Reynolds – Saxophon
Jason Thomas – Schlagzeug
Keita Ogawa – Percussion
Marcelo Woloski – Percussion
Mason Davis – Krakeb

 
 
 

Vor allem gegen Ende des Konzertes werden nochmals der Energielevel und die spielerische Euphorie erheblich gesteigert, was diesem Mitschnitt den finalen Glanz verleiht. “Live At The Royal Albert Hall” dokumentiert eindrucksvoll, warum diese vielköpfige Jazz Rock Formation seit einigen Jahre völlig zu Recht unheimlich angesagt ist. Es sind in erster Linie ihre Liveauftritte, die das beeindruckende, jedoch immer banddienliche Potenzial der versierten Instrumentalisten und deren mitreißende Spielfreunde am besten transportieren. Man gönnt den sympathischen Musikern einfach den mittlerweile sich in größeren Maße einstellenden kommerziellen Erfolg.
Bewertung 12/15 Punkten (WE 12, KR 12, KS 12)

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Wikipedia (D)

Abbildungen: Snarky Puppy / GroundUp Music

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Snarky Puppy – Live At The Royal Albert Hall

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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