DeWolff – Tascam Tapes

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(31:58, CD, Mascot/Rough Trade, 2020)
Nach zwei EPs, sechs Studio- und drei Live-Alben, bei denen zunehmend an nichts mehr gespart werden musste, verspürten die mal als eine Psychrock-Ausgabe von Kinderstars gestarteten DeWolff die Gefahr, in Routinen zu verfallen. Als Gegenkur ersannen sie den Slogan: “No drums, no hammond organ, no amplifiers” – und so auch sollte das nächste Album aufgenommen werden. Was bleibt denn da überhaupt noch, was wurde denn nun genutzt? Ein mummelaltes Vierspur-Tascam-Tapedeck mit einem Mikrofon, ein batteriebetriebener (!) Synthesizer, ein Akai-Sampler mit noch älteren Soul-Drumbeats. Komponiert und geprobt wurde buchstäblich im Bandbus – die Aufnahmen passierten entweder auch dort, im Hotel, Backstage in Clubs oder “einfach irgendwo unterwegs am Straßenrand”. Das Budget gibt das Trio mit 50 US-Dollar an.

Die Investitionen und Mühen haben sich gelohnt, das ahnt der Hörer ab dem heftig slidenden Album-Aufmacher ‘Northpole Blues’ mit seinen witzig-heftigen Stereo-Pingpong-Effekten und angesichts der Umstände verblüffend schmutziger Fuzz-Gitarre. Wie viel Produktion dennoch geht, beispielsweise über Hamsterchöre als Hintergrundgesang, beweist Track Nr. 2, ‘Blood Meridian I’, übrigens inspiriert von einem Buch von Cormac McCarthy über die Indianerkriege.

Auf einer langen Fahrt vielleicht mal ein wenig Disco-Funk gefällig? ‘It Ain’t Easy’ macht es easy möglich.

Und so weiter und so fort. ‘Rain’ ist melancholischer Psych-Pop, der Blues ‘Made It To 27’ besingt das Leben auf Tour (Robin hatte sich gerade eine ernste Lebensmittelvergiftung zugezogen), ‘Let It Fly’ ruft Johnny Guitar Watson aufs Angenehmste in Erinnerung.

Heute schon gelacht? DeWolff in this “one more thing”-keynote go iDeWolff, they go #Phusic!

Beim abschließenden ‘Life In A Fish Tank’ hilft Arthur Akkermans von der befreundeten Band The Grand East an der Blues Harp aus. Apropos – DeWolff klettern wieder in ihren Van mit der guten Akustik. Und zwar für die “Tascam Tapes”-Tour im März- präsentiert von BetreutesProggen. Support: Grand East!
10.03. Graz (A), PPC
12.03. Wien (A), Chelsea
13.03. München, Backstage
14.03. Dresden, Beatpol
15.03. Berlin, Musik & Frieden
17.03. Hamburg, Uebel & Gefährlich
18.03. Hannover, Indiego Glocksee
19.03. Köln, Stadtgarten
20.03. Frankfurt/M., Das Bett
21.03. Stuttgart, Im Wizemann

“No drums, no hammond organ, no amplifiers” waren für DeWolff die reinste Brigitte-Diät, ja eine Frischzellenkur für ihren Retrorock.
Bewertung: 11/15 Punkten

DeWolff - Tascam Tapes - orange vinylPS: Stilecht sind die “Tascam Tapes” auch auf teils farbigem Vinyl erhältlich (mit Download-Code; ab 10.01.20), auf CD (ab 17.01.) sowie selbstmurmelnd auf Cassette!

Surftipps zu DeWolff
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Konzertbericht 2012 (Dortmund)
Konzertbericht 2012 (Zappanale)
Review “Thrust”
Review “Roux-Ga-Roux”
Review “Grand Southern Electric”
Review “IV”
Review “Orchards Lupine”
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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DeWolff – Tascam Tapes

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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