V.A. – Sunshine Of Your Love – A Concert For Jack Bruce

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(52:07+ 55:00 + 122:00, 2CD, 1 DVD, MiG-Music/Indigo, 2019)
Traurige Koinzidenz: Als vor wenigen Tagen der große Ginger Baker starb, erinnerten sich Musikfans weltweit zwangsläufig mit vergleichbarer Wehmut an den bereits am 25.10.2014 in die himmlische Supergroup abberufenen Jack Bruce und gedachten den Britrock-Dioskuren teilweise, indem sie ihre Cream-Devotionalien hervorholten. Genau das war vier Jahre zuvor bereits im größtmöglichen Maßstab passiert. Wir zitieren zum Thema Just for Kicks (bei denen man das in Rede stehende Medium übrigens auch bemerkenswert günstig erstehen kann):

“Einen Tag bevor sich der erste Todestag von Jack Bruce jährte, organisierte seine Tochter Natasha (auch bekannt als Aruba Red) am 24.10.2015 im Londoner Roundhouse ein Tribute-Konzert zu Ehren ihres Vaters. Das Benefiz-Konzert war schnell ausverkauft, viele Gäste kamen, um auf der Bühne den einzigartigen Menschen und Künstler Jack Bruce zu ehren: der “alte Cream-Weggefährte” Ginger Baker, Jon Anderson (Jethro Tull), Phil Manzanera (Roxy Music) u.v.m. Die musikalische Leitung des Abends lag bei dem bekannten britischen DJ, Produzenten und Remixer Nitin Sawhney.

Am 25.10.2019 jährt sich der Todestag von Jack Bruce zum fünften Mal. Und genau an diesem Tag erscheint dieses Konzert in einem Boxset als DVD und Doppel-CD, alles in bestechender Ton- und Bildqualität. Eric Clapton, der 1966 zusammen mit Jack Bruce und Ginger Baker die legendäre psychedelische Bluesrockband Cream gründete, konnte damals am Konzert nicht teilnehmen. Er erinnert aber ganz persönlich an seinen Freund Jack Bruce, der für ihn lebenslang eine “enorme Inspiration” war, mit der musikalischen Hommage “For Jack”, als Bonus zum ersten Mal hier auf Tonträger veröffentlicht.”

By the way – “The event raised over £35,000 for East Anglia’s Children’s Hospices (EACH) and proceeds from this release will also be donated to the same charity Jack supported during his lifetime.” Es geht hier also nicht nur um gnadenlos gute Musik, sondern auch noch um gute Werke – in der Vergangenheit und, wenn ihr mögt, auch noch ganz aktuell.

Zur Musik also: Geboten wird ein geschmackvoll gebundener Strauß aus Jacks unter eigenem Namen erschienenen Großtaten, mit ihm verbundenen Klassikern und natürlich auch Cream-Sahnehäubchen. Dargeboten werden sie von der Créme der Musikszene, die sich John Symon Asher „Jack“ Bruce verbunden fühlten.

Als da wäre etwa Mark King (Level 42). Der führt mit ‘Hit & Run’ gesanglich überraschend angenehm in den Abend ein, an der Gitarre brilliert dazu Clem Clempson! Für das von King ebenfalls kitschfrei, ja verblüffend nah am Original gesungene ‘I Feel Free’ übernimmt Uli Jon Roth (u.a. Scorpions) den Posten an der Lead-Gitarre.

Beim Tango ‘Milonga’ erleben wir Jethro Tull-Huckebein Ian Anderson (und beim berückend schönen ‘We’re going wrong’, feat. Phil Manzanera!) “nur” an der Querflöte, für ‘Tickets To Waterfalls’ singt Ian später dann auch, mit den seit einigen Jahren bekannten altersbedingten Abstrichen. Von denen dürfte die Stimme von Chantelle Nandi noch Jahrzehnte entfernt sein, die ‘Don’t Look Now’ melancholisch zelebriert, während Bernie Marsden (Gitarre, u.a. Whitesnake) gekonnt Öl ins Feuer litert.

‘Weird of Hermiston’ war immer schon eine großartige Nummer, beim Gedächtniskonzert erinnern an diesen Umstand u.a. Jacks Tochter Kyla Simone Bruce an Klavier und Gesang sowie sein Neffe Nico Bruce am Kontrabass. Für ‘White Room’ finden sich hingegen die (Blues) Rocker zusammen: Bernie singt hier auch mehr als achtbar, Clem soliert mal wiededr zum Niederknien und Neil Murray (u.a. Whitesnake, Black Sabbath) ruft Jacks legendäre Basslinien in Erinnerung – unterfüttert von einer großartigen Horn Section.

Immer wieder begeistert bei dieser Konzertkonserve, wie perfekt die Tribut spendenden ausgewählt haben – rückblickend hätte niemand anderer als Hugh Cornwell (The Stranglers) ‘Hear Me Calling Your Name’ singen dürfen. Für das aufpeitschende ‘Keep It Down’ kehrt Mark King an Bass und Gesangsmikro zurück – und Altmeister Clem an die Les Paul. Für den ‘Politician’ aber stöpselt sich Vernon Reid ein, die lebende Living Colour-Legende.

Etwas ganz Besonderes unter so viel starken Interpretationen kanonischer Werke ist ‘Rope Ladder To The Moon’, das von Ayanna Witter-Johnson solo an Cello und Gesang.

Weitere Highlights finden sich auf CD2, z.B. ‘How’s Tricks’ (Vocals Julie Iwheta, die Chanteusen tragen hier eindeutig den Sieg über die Sänger davon) oder ‘Never Tell Your Mother She’s Out Of Tune’ (Joss Stone). Für das titelspendende ‘Sunshine Of Your Love’ kommen, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, alle Granden nochmals auf der Bühne zusammen.

Beim als Bonus hinzugefügten und auch einer Slideshow auf der DVD unterlegten Instrumental ‘For Jack’ bringt sich der bei der Veranstaltung selbst verhinderte Eric Clapton immerhin noch klampfend (und summend) ein.

You see – all you need is “Sunshine of your love” – mit diesem Tribute kann man praktisch nichts falsch machen!

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW43/2019

Bewertung: 12/15 Punkten

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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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