Leland Sklar und Daryl Stuermer (Phil Collins, Genesis) über ihre Karriere, Phil Collins “Not Dead Yet”-Tournee, zukünftige Projekte und warum es nach 50 Jahren im Business immer noch spannend ist, Musiker zu sein

0

»Jeder Tag ist ein Abenteuer. Deswegen bleibst du dabei. Du weißt nie, was der nächste Tag bringt.«

 

Leland Sklar, Philipp Röttgers, Daryl Stuermer

Leland Sklar, Philipp Röttgers, Daryl Stuermer

Leland Sklar und Daryl Stuermer sind lebende Legenden. Leland Sklar ist Bassist und einer der gefragtesten Sessionmusiker der Welt. “Father Time”, wie er auch genannt wird, hat seit Beginn seiner Karriere 1970 mit so ziemlich jedem großen Künstler gespielt. Er ist auf mehr als 800 Alben zu hören und hat auf über 3.000 Songs mitgespielt. Zu seinen Referenzen gehören unter anderem Jackson Browne, Carole King, James Taylor, Toto und natürlich Phil Collins, für den er seit 1984 spielt (im Wechsel mit Nathan East, der Collins in den 1990ern am Bass begleitete). Sklar spielt auf Hits wie ‘Sussudio’, ‘Another Day In Paradise’ und begleitet Phil Collins auf seiner seit 2017 laufenden “Not Dead Yet!“-Tour.
Daryl Stuermer ist 1978 als Live-Gitarrist zu Genesis gestoßen. Im Studio bestand die Band aus Tony Banks (Keyboards), Mike Rutherford (Gitarre und Bass) und Phil Collins (Gesang und Schlagzeug), für Live-Auftritte wurden sie von Schlagzeuger Chester Thompson und Stuermer, der sich mit Mike Rutherford an Gitarre und Bass abwechselte, verstärkt. Wenn Genesis auf Tour gehen, ist Stuermer derjenige, der ihnen die Songs wieder beibringt. Als Phil Collins seine Solokarriere 1981 begann, war Daryl Stuermer als Gitarrist ebenfalls dabei und ist bis heute das einzige konstante Mitglied von Collins Soloband. Außerdem ist er Co-Autor bei einigen von Collins größten Hits, wie z.B. ‘Something Happened On The Way To Heaven’.
Diese beiden musikalischen Schwergewichte waren im Juni 2019 bei Phil Collins Tourstopp in Köln bereit, Betreuer Phil ein Interview zu geben. Für den Genesis-Fan ging ein Traum in Erfüllung, (‘Another Day In Paradise’ war sein Schlaflied). Entspannt und locker berichteten Sklar und Stuermer über das Tourleben, Mike and the Mechnics als Vorgruppe, wie sich das Musikmachen seit Beginn ihrer Karriere verändert hat und an welchen Orten sie auf keinen Fall spielen würden.

Zur englischen Version des Interviews

All english interviews on BetreutesProggen.de

Das Konzert in Holland war gut?
Daryl: Ja, wir hatten ein tolles Publikum. Sie schienen auf alles positiv zu reagieren – und sie haben Phil verstanden!
Lee: Alle Shows soweit sind großartig gelaufen, das Publikum ist einfach wundervoll. Wie gestern in Holland. Ganz vorne stand ein Vater mit seiner Tochter, die war vielleicht zehn Jahre alt und hat jeden Song mitgesungen! Wir haben also nicht nur “älteres” Publikum, sondern auch Leute in ihren Zwanzigern und Dreißigern. Das ist wirklich ermunternd!

Ich habe ein Interview mit dem Deutschen Genesis Fanclub gelesen, das vor zwei Jahren hier in Köln mit euch beiden geführt wurde. Hättet ihr geglaubt, dass ihr zwei Jahre später immer noch mit Phil auf Tour und nochmal hier sein würdet?
D: Nein! Nicht wirklich!
L: Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren wieder hier sind!

Haltet ihr das für möglich?
L: Alles ist möglich.
D: Aber es gibt keine Pläne.

Im Herbst gibt es noch eine Tour in Nordamerika.
D: Wir hätten auch nicht gedacht, dass wir das nochmal machen!
L: Das ist einfach so eine Sache… Dieser Gig hier hat Priorität für die Band und die Crew. Wenn wir von Phils Management gefragt werden “Habt ihr Zeit?”, dann schieben fast alle von uns alle anderen Tätigkeiten beiseite und machen mit. Und wir hoffen einfach, dass sie uns anrufen und fragen, ob wir Zeit haben. Aber man weiß es nie.

Ich habe das Gefühl, dass es Phil ziemlich gut tut, dass er es genießt, auch wenn er gesundheitsbedingt nur sitzen und singen kann. Es ist ja sein Leben auf der Bühne zu sein, also was sollte sonst als nächstes kommen?
D: Vor allem nachdem er angekündigt hat, aufzuhören. Und dann hat er festgestellt, dass es ihn langweilt.
L: Und dass sein Sohn Schlagzeug spielt, macht einen großen Unterschied. Diese Touren eröffnen Nic unglaubliche Möglichkeiten – andere sechzehn und achtzehn Jährigen haben nicht die Möglichkeit, in ausverkaufen Stadien zu spielen! Für ihn ist das eine unglaubliche Gelegenheit und ein unglaublicher Lernprozess.

Wie hat er sich als Schlagzeuger in den letzten zwei Jahren entwickelt?
L: Er war schon als kleines Kind ein guter Schlagzeuger.
D: Als er vier Jahre alt war, hörten wir ihn ständig spielen und dachten: “Wow! Vielleicht wird er eines Tages Schlagzeuger!” Dabei wussten wir natürlich noch nicht, dass er mal in der Band sein würde! (lacht)
L: Und er hat sich sehr weiter entwickelt in den letzten zwei Jahren, auch physisch. Als er sechzehn war, war er dünner und jetzt trainiert er und ist stärker in seinem Spiel und selbstbewusster. Das ist großartig. Ich liebe es, jede Nacht zu ihm nach hinten zu blicken und zu denken: “Wow!”

Ich frage mich, was er als nächstes macht?
L: Er hat eine Band in Miami und er liebt diese Band. Er kann quasi machen, was auch immer er will.

Jetzt auf jeden Fall!
L: Er hat seriöse Empfehlungsschreiben.

Die Setlist hat sich ja in den letzten zwei Jahren immer wieder ein wenig geändert. Habt ihr Einfluss auf die Setlist, macht ihr Vorschläge? Werdet ihr mit einbezogen?
D: Bei der ersten Tour spielten wir ‘Can’t Turn Back The Years’, auf der nächsten ‘Inside Out’. Jetzt spielen wir ‘Don’t Lose My Number’. ‘Can’t Turn Back The Years’ ist kein guter Song für Open Air-Stadien.
L: Zu intim.
D: Wenn wir wieder in einer Arena spielen, spielen wir den Song wahrscheinlich wieder.
L: Ich liebe es, dieses Lied zu spielen.
D: Immer ein netter Moment, um nach all der Energie ein wenig runterzukommen.
L: ‘Billy’ (‘Don’t Lose My Number’) wird bei diesem Teil der Tour gespielt. Es liegt einfach an Phil, denn an diesem Punkt seines Lebens gibt es manche Songs, die unangenehm für ihn zu singen wären. Und es ist eine lange Show, da muss alles irgendwie reinpassen. Aber manchmal überrascht er uns mit seinen Entscheidungen.

Mittlerweile müsstet ihr fast alles von “No Jacket Required” bereits gespielt haben, oder?
D: Genau. Und in den Staaten spielen wir eventuell wieder andere Lieder.
L: Weil wir da wahrscheinlich nur in Hallen spielen werden.
D: Nur in geschlossenen Hallen.
L: Wir können also ein wenig herumjonglieren. Aber im Endeffekt liegt es alles bei Phil, wonach ihm der Sinn gerade steht. Aber man kann natürlich Sachen vorschlagen. Dafür wird man nicht gefeuert.

Daryl, wie war das 2007 mit Genesis?
D: Wir haben mehr Songs geprobt als die, die ihr am Ende gehört habt. Man fragt sich “Funktioniert dies? Geht das?” Wir haben ‘Abacab’ und einige andere Dinge gespielt. Wir haben ‘In Too Deep’ geprobt. Es hieß entweder ‘In Too Deep’ oder ‘Hold On My Heart’, beides Balladen. Sie haben sich für ‘Hold On My Heart’ entschieden und ich denke, das war die richtige Wahl.
Das denke ich auch.
D: Und ich weiß nicht, warum wir ‘Abacab’ nicht gespielt haben. Aber du hast das Lied, du hast ‘Turn It On Again’…
Ich wüsste auch nicht wirklich, wo es im Set hingepasst hätte.
D: Richtig! Das weiß ich auch nicht. Ich bin sicher, wir hätten es irgendwo unterbringen können. Aber vielleicht war Phil es auch leid, das zu singen. Wir haben noch ein paar andere Dinge geprobt…

Mike Rutherford kam jetzt zwei oder drei Mal zu euch auf die Bühne.
L: Das hat Spaß gemacht. Es ist klasse, ihn dabei zu haben.

Ich habe die Show im Hyde Park vor zwei Jahren gesehen und ich habe da schon damit gerechnet oder darauf gehofft, dass er zu euch stoßen würde, weil es so ein großes Event war.
L: Als wir es gemacht hatten, dachten wir “Das hätten wir eher tun sollen!” Das Publikum ist ausgerastet, als es die beiden zusammen gesehen hat.
D: Jetzt müssen wir nur noch Tony Banks dazu holen!

Was habt ihr Jungs denn vor, wenn die Tour vorbei ist?
D: Wir haben verschiedene Pläne. Ich habe meine eigene Band, mit denen ich verschiedene Dinge mache. Ich mache auch etwas mit einem Keyboarder, aber für mich steht nichts internationales an.

Ich glaube, dein letztes Album wurde nur in Amerika veröffentlicht, oder?
D: Ja. Es heißt “Breaking Cover”. Im Moment verkaufen wir das auf Konzerten. So ist es ein wenig exklusiver. Das ist alles, was ich im Moment mache. Ein paar Charity Veranstaltungen. Und dann geht es schon wieder weiter auf Tour mit Phil.
L: Wir haben gar nicht so viel Zeit!
D: Haben wir wirklich nicht!

Was machst du in der Zwischenzeit, Lee?
L: Wir haben diese Band zusammengestellt namens The Immediate Family. Das sind eigentlich Jungs, mit denen ich seit fünfzig Jahren spiele. Wir verkaufen uns als Coverband, die nur Originale spielt (lacht). Das ist großartig, wir spielen auf einem Festival auf Vancouver Island. Und es gibt noch einige andere Dinge. Sobald Phils Tour vorbei ist, gehen wir zurück nach New York und spielen in einem Club, der ‘My Father’s Place’ heißt, und dann drei Nächste im Iridium in New York City. Und dann machen wir eine dieser Rock-Kreuzfahren mit Roger Daltrey und Rodger Hodgson und einem Haufen anderer Leute. Das ist aber erst im Februar. Und dann arbeite ich wieder mit Judith Owen und wir beenden ihr neues Album. Dann gibt es einen holländischen Künstler namens Waylon. Ich glaube, er hat sowas wie ‘Netherlands has talent’ oder so etwas gewonnen. Ich habe auf seinem letzten Album gespielt. Und dann haben sie mich angerufen und gefragt, ob ich auf seinem nächsten auch spielen möchte. Das sind also viele kleien Dinge. Aber sobald diese Tour hier vorbei ist, fährt jeder nach hause, kommt erstmal runter und im normalen Leben an.

Habt ihr eure Familien auf der Tour mit dabei?
D: Nein.
L: Dafür ist das nicht wirklich gemacht. Wir haben ein Privatflugzeug und wenn du anfängst, Familienmitglieder mitzunehmen, dann kommen alle und müssen auch untergebracht und verpflegt werden.
D: Und wir haben vierzehn Leute in der Band! Stell dir das mal vor, falls jeder seine Frau und Kinder – oder Hunde! – mitnimmt! (lacht)
L: Es ist schon hart, weg von daheim zu sein. Aber nächsten Dienstag sind wir zurück. Und dann fangen wir im September wieder an. Also alles gut.

Es muss merkwürdig sein, dann nach Hause zu kommen, stelle ich mir vor? Aber wahrscheinlich auch nett?
D: Beides! Es ist schön nach Hause zu kommen, aber es dauert ungefähr eine Woche, bis ich mich wieder an meine Umgebung akklimatisiert habe.
L: Dein Haushalt hat sich daran gewöhnt, ohne dich zu funktionieren. Und plötzlich kommst du wieder rein und bist auf gewisse Art im Weg. Du musst dich erstmal wieder assimilieren. Und wenn dann alles wieder normal ist, haust du wieder ab! Das ist hart. Als wir auf der “…But Seriously” Tour waren, war das eine unglaublich lange Tour. Und als wir zurück nach hause kamen, fühlte ich mich wie ein Fremder in meinem eigenen Heim.

Du hast 1970 als Bassist bei James Taylor angefangen. Ich habe irgendwo die Geschichte gelesen und ich denke, dass war auf der “…But Seriously”-Tour, dass du und James Taylor quasi mit einander gebrochen habt? Oder er mit dir? Nach dem Motto: “Wenn du nicht mit mir spielen kannst, spiele ich mit jemand anderem?”
L: Ja, das war 1990.

Aber ihr habt seitdem wieder gespielt?
L: Zur Reunion mit Carole King. Das war wirklich witzig, denn Russ Kunkel (Schlagzeuger, Anm. d. Autors) und ich waren auf Tour mit Lyle Lovett und ich hatte zu dem Zeitpunkt seit ungefähr achtzehn Jahren nicht mehr mit James gesprochen. Und er rief Russ im Bus an und brauchte Hilfe für den Reunion Gig im Troubadour und sagte “Meinst du, es gibt eine Möglichkeit, dass Lee mitmacht?” Und Russ sagt: “Frag ihn” und gibt mir das Telefon. Er hatte keine Ahnung, dass ich da stehe. Ich mag die Musik, die wir gemacht haben, so sehr und sagte: “Hey Mann, wie geht’s?” Und er erklärte mir alles und ich sagte: “Machst du Witze? Natürlich mache ich mit!” Und wir spielten diese eine Woche im Troubador und das war so erfolgreich, dass eine Tour gebucht wurde. Das Traurigste war, dass sie diese großartige Europa Tour, passend zu unserem Rahmen, organisiert hatten und dann sagte Carole nein. Und alle: “Ernsthaft?” Sollte James jemals wieder sowas machen wollen, würde ich keine Sekunde zögern, aber ich glaube nicht, dass das passieren wird. Er ist mit den Jungs, die er hat, eingespielt und das ist auch gut so.

Daryl, wir wissen wie du zur Genesis/Phil Collins Familie gestoßen bist, aber Lee, wie bist du bei Phil gelandet?
L: Ich bin bei Phil durch Lee Ritenour gelandet, mit dem ich sehr viele Aufnahmen gemacht habe. Und er nahm ein Solo Album auf und rief mich an und fragte, ob ich darauf spielen wollte und als ich auftauchte, war Phil der Schlagzeuger. Ich wusste, wer Phil war und er wusste, wer ich war, aber wir hatten uns nie getroffen. Das muss ’81 gewesen sein, zur Zeit von “Face Value” und er fragte, ob ich mit ihm spielen wollte, aber ich sagte “Nein, denn ich bin bei James Taylor beschäftigt. Aber wenn sich mal eine Gelegenheit ergibt, würde ich es liebend gern tun!” Und dann holte er mich 84 für “No Jacket” und wir waren im Royal Garden Hotel in London und ich betrete den Aufzug und DIESER Typ (Daryl) war im Aufzug. Ich dachte ‘Er sieht aus wie ein Musiker! Was machst du hier?’
D: Nein, wir haben nicht gesprochen.
L: Wir kannten uns nicht. Als wir aus dem Aufzug kamen, stellten wir fest, dass wir beide aus Milwaukee kamen. Er lebt sein Leben lang in Milwaukee, ich habe die ersten vier Jahre in Milwaukee gelebt, ab dann in Los Angeles.

Habt ihr mal in anderen Projekten zusammengearbeitet?
D: Er ist auf meinem ersten Soloalbum von 1988. Brad Cole (Phil‘s Keyboarder) spielt darauf ebenfalls.
L: Ich liebe es, mit Daryl aufzunehmen. Seine Sachen sind ganz anders als das, was er mit Genesis oder Phil macht. Er schreibt Songs, er haut nicht einfach ein paar Akkorde zusammen und geht dann ab.
D: Phil hat Texte zu manchen meiner Songs geschrieben. Ein Song auf “No Jacket Required” namens ‘I Don’t Wanna Know’ war ein Instrumental und auf “Testify” gibt es auch ein Lied… (überlegt)

‘The Least You Can Do.’
D: Ja! Danke! Lee spielte auch auf dem Original, ein Lied namens ‘River of Memories’. Dann schrieb Phil Text dazu und es wurde ‘The Least You Can Do’.

Euer berühmtester gemeinsamer Song ist wahrscheinlich ‘Something Happened on the Way to Heaven’.
D: Ja, das haben wir zusammen geschrieben. Manchmal hat er einen von meinen zu Ende geschrieben und manchmal ich einen von seinen.
L: In unserem Geschäft passieren solche Dinge einfach. Du gehst zu einem Konzert, du triffst jemanden, man ist backstage, und später wird man angerufen “Mann, möchtest du an meinem Album mitarbeiten?” und dann triffst du einen Haufen neuer Leute und andere Dinge ergeben sich.
D: Es ist quasi ‘casual networking’, lockeres Netzwerken. Wir netzwerken nicht absichtlich.

Ihr Jungs seid seit Jahrzehnten im Geschäft. Wie ist für euch denn heutzuage die Balance zwischen Aufnehmen und live spielen? Was hat sich verändert?
D: Man ging früher gemeinsam ins Studio. Und jetzt kannst du in verschiedenen Staaten und Ländern sein und und ein Album aufnehmen. Ich vermisse die alte Arbeitsweise.
L: Ich hasse es. Ich hasse es, denn die Sache, die Magie in die Musik bringt, ist die Kameradschaft. Wenn wir in einem Studio sind und er (Daryl) spielt einen Lick, kann ich darauf reagieren. Wenn ich einfach zu jemandem nach Hause gehe und da sitze und den Bass drüberspiele, kann ich nur den Bass beeinflussen. Ich kann das Tempo nicht beeinflussen, weil ich wahrscheinlich zu einer Drum Machine spiele und nicht anziehen kann, wenn ich will. Der Prozess ist ganz anders heutzutage. Ich habe 1970 angefangen. Wenn es lief, haben wir durschnittlich drei oder vier Sessions am Tag gespielt, fünf bis sechs Tage die Woche. So klar man auch wusste, dass man von den Labels abgezogen wurde, hatten sie aber eine Maschine am Laufen. Sie brachten Sachen ins Radio, sie kümmerten sich um die Promo, das Artwork, all diese Dinge. Und jetzt mache ich großartige Alben mit großartigen Leuten und sobald man fertig ist, heißt es “Hat jemand eine Idee, was man damit machen kann?” Deswegen sind so viele on the road. Das ist greifbares Geld.
D: Du kannst kein Geld mehr mit Musik verdienen. Also du kannst schon, aber nicht so, wie du es mal machen konntest. Deswegen – wie er schon sagte – sind wir auf Tour. Wir würden das sowieso machen, wir lieben es live zu spielen! Aber wir würden es auch lieben, ein Album draußen zu haben, das sich verkauft. Aber das passiert nicht. Mein Album ist schon längst durch und ich denke “Naja, irgendwann veröffentliche ich das schon. Ist egal, wann ich es veröffentliche. Es gibt nie einen guten Zeitpunkt.”
L: Oft gibst du die Idee einfach auf, ein Album rauszubringen, besonders wenn du eine Website hast, da kannst du eine Single oder eine EP hochstellen. Aber in die alten Alben sind so viele Gedankenprozesse geflossen. Wie startet die A Seite? Wie endet die A Seite? Wie beginnt die B Seite? Wenn du im Mastering sitzt und der erste Song ist zu Ende und du sagst “Jetzt!”, wo der nächste Song anfangen soll. Ich meine, es gab so viele Dinge jenseits des Artwork und all dieser Sachen, die da reingeflossen sind. Die Gedanken, die man da rein gesteckt, das war fast wie eine japanische Teezeremone. Und heute siehst du all diese Kids rumlaufen – ihre erste musikalische Erfahrung sind Ohrstöpsel, die haben noch nie eine gute Stereo gehört, die haben keine Ahnung, was Fidelity ist – und das ist nicht abwertend gemeint, Leute wachsen in unterschiedlichen Zeiten auf und identifizieren sich mit der jeweiligen Zeit. Ich fühle mich wirklich gesegnet, dass ich im Bezug auf Studioarbeit quasi im letzen goldenen Zeitalter des Aufnehmens war. Manchmal passieren auch die großen, wunderbaren Zufälle und Unfälle im Studio. Ich habe bei so vielen Projekten mitgearbeitet, bei denen die Band plötzlich meinte, “Das Ding hier braucht eine Bridge!” und dann kreierte die Band eben eine Bridge. Oder “Das Intro ist Scheiße!” und man kreierte ein neues Intro. Alle trugen ihren Teil dazu bei. Jetzt werde ich in Jemandes Garage gerufen und sitze mit dem Pro Tools Rig da. Ich leiste das Beste, das ich kann, aber es ist nicht inspirierend.

Hat Phil Pläne, neue Musik zu schreiben?
D: Ich weiß es nicht. Wenn ich es wüsste, dürfte ich es dir wahrscheinlich nicht sagen, aber ich weiß es wirklich nicht.

Ich habe gerade Tony Smith (Genesis Manager, Anm. d. Autors) gesehen, ich könnte ihn fragen.
Beide: Der weiß das auch nicht.
L: Die Sache ist: Das ist wirklich alles irgendwie Guerilla Arbeit. Sie sagen: “Vielleicht habt ihr Jungs zu dem und dem Zeitpunkt ein paar Tage hier, ein paar Tage da.” Es ist nicht wie damals, als du wusstest, wann du aufnehmen würdest und dann kommt die Tour. Bei Phil ist das heutzutage anders. Er ist gebrechlich und abgelenkt dadurch. Wenn er mit etwas Neuem kommen würde, bin ich sicher, er würde in Betracht ziehen, uns Bescheid zu sagen, um daran zu arbeiten.
D: Oder halt das Studio zu putzen.
L: Die Bezahlung wäre die selbe.

Ihr habt beide mit so vielen Musikern zusammengearbeitet, vor allem du, Lee. Gibt es immer noch Künstler, mit denen ihr gern zusammenarbeitet möchtet?
D: Ich würde gern wieder mit Jean-Luc Ponty arbeiten.

Steht ihr noch in Kontakt?
D: Ja, stehen wir! Er fragte, ob ich mit ihm zusammenarbeiten wollte, aber ich konnte nicht wegen der Tour mit Phil. Und da war diese Band, ‘The Anderson-Ponty-Band’ mit Jon Anderson und ihm. Auf deren Tour konnte ich nicht mitspielen.
L: Das wäre grandios gewesen!
D: Ich weiß! Ich war der Erste, den er gefragt hat, aber ich konnte nicht.
L: Ach weißt du, es gibt immer Leute. Bei Elton [John] wäre ich etwas eingeschränkt im Bassspiel, aber ich war immer großer Elton Fan. Ich würde so gern mal mit ihm arbeiten. Ich habe Steve Winwood immer geliebt, aber hatte nie die Chance mit Steve zu arbeiten. Es gibt also immer solche Künstler. Ich habe mit so vielen zusammengesessen und dachte zum Beispiel “Es wäre so toll, mit Joe Cocker zu arbeiten” und dann arbeite ich auch mit Joe Cocker und das ist großartig! Es ist halt einfach so: Es gibt Arbeit für jeden und soll auch für jeden Arbeit geben. Ich habe ein paar Konzerte mit Sheryl Crow gespielt. Aber ich hatte nie die Gelegenheit, mit ihr im Studio zu sein. Sie ist der Wahnsinn!
D: Sie ist so gut!
L: Aber wenn das nie passiert, ist das auch cool, dann sind wir halt nur Freunde. Du bist mit Leuten befreundet und aus irgendeinem Grund ergibt sich nie die Gelegenheit, mit ihnen zu spielen.
D: Aber das hier mit Phil wäre immer meine Priorität, ohne Ausnahme.
L: Jap.
D: Und das war es ja auch. Ich hätte liebend gern mit Jean-Luc Ponty und Jon Anderson zusammengearbeitet. Vielleicht ein andern Mal.
L: Die Hauptsache ist, deine Sichtbarkeit und deine Präsenz in deinem Job aufrecht zu erhalten, sodass, wenn etwas des Weges kommt… Wie Daryl schon sagt, es ist einfach so eine Sache. Wenn du etwas für nächsten Februar geplant hast, und dann ruft Phils Management an und sagt “Wir brauchen euch für eine Asien-Tour im Februar”, dann würde ich die anderen Leute anrufen und sagen “Sorry, ich muss leider absagen.” Das hier wäre die einzige Sache, die mich einen anderen Gig absagen lassen würde.
D: Mit meiner Band habe ich einen Vertrag, eine bestimmte Anzahl Konzerte zu spielen, aber ich habe eine 90-Tage-Periode, Konzerte abzusagen. Das würde ich hierfür tun! Und das habe ich auch. Ich habe ein paar Dinge abgesagt. Ich fühle Phil gegenüber eine große Loyalität.
L: Es ist eine Familie.
D: Die meisten von uns sind Freunde.
L: Es wäre sehr schwierig, so lange zusammenzuspielen, wenn man sich gegenseitig auf den Tod nicht abkönnte.

Wir haben eben darüber gesprochen, wie sich Studioarbeit über die Jahre verändert hat, Wie hat sich Touren für euch über die Jahre denn verändert?
D: Es ist einfacher, denn wir haben Privatflieger, wir haben Internet…
L: Man fühlt sich nicht so weit weg von seinen Familien.
D: Es ist einfacher. Nicht durch ein richtiges Terminal zu müssen! Wir machen das, wenn wir irgendwo ankommen, aber nachdem die Tour gestartet ist, sind wir auf uns gestellt.
L: Allerdings ist dies hier eine einzigartige Tour. Es gibt nicht mehr viele Künstler, die sich so eine Art des Tourens leisten können, aber für mich ist das alles irgendwie gleich. Wenn ich mit Judith Owen unterwegs bin, sind wir einfach in einem Bus. Wir fahren vielleicht zu Orten, die für irgendwas zwischen 75 und 250 Leuten ausgelegt sind. Ich liebe das genauso wie in Stadien zu spielen, wenn die Leute mitmachen. Und die Zusammenarbeit mit ihr ist fabelhaft. Und wenn ich mit der Immediate Family unterwegs bin, ist das eine total billige Tour. Wir fangen ja erst an, aber sobald wir auf der Bühne sind, haben wir so viel Spaß und das sind Freundschaften, die ein halbes Jahrhundert zurückreichen.
D: Wenn ich mit meiner Band spiele, sind wir in billigen Hotels, in Bussen und Vans. Aber ich habe trotzdem Spaß mit ihnen. Und wir können vor 300 oder 3000 Leuten spielen. Das ist egal. Es bringt eh kein Geld (lacht), aber es ist fantastisch!

Nach all den Jahren on the road, macht es euch noch Spaß – Beide: “Ja!” – oder seid ihr müde und es überdrüssig?
L: Das Müde-Sein hat nichts mit den Shows zu tun. Das Müde-Sein ist das zähe Herumhängen, das Warten. Man merkt das immer, wenn man im Laufe der Tour mit den Leuten spricht. Am Anfang, in der ersten Tourwoche, sind alle aufgedreht und es ist alles großartig, und nach drei oder vier Wochen setzt eine gewisse Müdigkeit ein. Und du beschäftigst dich mit Problemen zu hause, aber kannst nicht mithelfen, und es fängt an dich zu belasten. Und dann gehst du raus auf die Bühne und all das verschwindet. Wir sagen immer: Wir machen die Show umsonst und werden dafür bezahlt, die restliche Zeit des Tages totzuschlagen. Das ist ein Geschenk.
D: Wir kommen gegen fünf Uhr am Veranstaltungsort an. Dann gehen wir zum Catering und essen zu Abend. Dann sitzen wir die nächsten drei Stunden herum.

Und wartet, dass die Show losgeht.
L: Das ist anstrengend.
D: Also anstrengend auf andere Weise. Man langweilt sich. Man fängt an, Emails zu schreiben. Es wäre hart, wenn wir kein Handy hätten!

Was habt ihr denn in den guten alten Zeiten gemacht?
D: Rumgesessen und gegessen. Damals wurden wir nicht fett. Aber jetzt…

Das kommt mit dem Alter! Ihr bereist die Welt, ihr seht etwas von der Welt, aber geht ihr auch raus?
D: Es gibt immer Orte, die man noch nicht gesehen hat.
L: Ich war noch nie in Warschau. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf, nächste Woche dort zu sein. Ich bin jetzt schon begeistert, nach Prag zu kommen, das ist einfach eine unglaublich überwältigende Stadt.
D: Eine meiner Liebsten.
L: Es war auch schön, hierhin zurück zu kommen, aber wir haben vor zwei Jahren eine Woche hier verbracht. Es hängt wirklich vom Zeitplan ab. Manchmal hat man die Zeit, in bestimmten Städten etwas zu unternehmen. Manchmal stecken sie uns in ein exklusives Hotel – Scheiße, da nehme ich doch das günstigere Hotel und bin mitten in der Stadt als mitten im Nirgendwo! Aber wir sind schon gesegnet mit diesem Beruf. Die Welt zu bereisen und so viele Dinge zu sehen.
D: Ich sage immer, dass wir uns wirklich über nichts zu beschweren brauchen, aber wir werden etwas finden, über dass wir uns beschweren können. Das werden wir!
L: Der alte Witz: Wie bringt man einen Musiker dazu, sich zu beschweren? Besorg ihm einen Gig.

Gibt es Orte, wo ihr sagen würdet, da würde ich nicht spielen? Vielleicht aus politischen Gründen?
L: Ich würde nicht im Weißen Haus spielen!
D: Das würde ich auch nicht! Und das war es auch schon! (Lachen) Vielleicht Nordkorea…
L: Man müsste mich schon sehr nach Saudi-Arabien drängen. Wir haben in Russland gespielt, da war ich schon mehrfach… Die einzigen zwei Bedenken, die ich wirklich hätte, wenn es darum geht, ob ich an einem Ort spiele oder nicht, ist, wenn ich im Innersten wüsste, dass ich abgezockt würde, und dann will ich nicht so viel Einsatz da rein stecken und am Ende platzt der Scheck und es hat einen schlechten Nachgeschmack. Oder halt die politische Situation.
D: Weißt du, wenn du in Orten wie Russland spielst – Ok, vielleicht mögen wir die Politik nicht. Aber die Menschen sind gut. Es sind halt einfach Menschen.
L: Menschen sind Menschen.
D: Genauso in Saudi-Arabien, wobei ich denke, dass die nicht zu unserer Show kommen würden.
L: Als wir mit Phil in Russland gespielt haben, war der gesamte vordere Innenraum reiches Volk. Die Proletarier waren hinten. Irgendwann hatte Phil sie endlich dazu gebracht hat, abzugehen und sobald das passierte, sind alle abgegangen.
D: Die normalen Leute hinten und all dieses reiche Volk vorne.
L: Das ist schon komisch. Ich hatte gerade diesen Gig in der Library of Congress – wir spielen dort jedes Jahr – und ich schaue mir alle diese Senatoren an und denke: “F*ck you!” Es ist eine wichtige Veranstaltung, denn sie dient dazu, Urhebern die Rechte zu sichern… Und ich schaue mir diese Typen an und sobald ich von denen umgeben bin, kräuseln sich meine Zehennägel. Das ist eine ganz andere Art von Bestie.

Ich habe euch im Hyde Park gesehen, ich habe euch in Deutschland gesehen. Ich fühlte und sah den Unterschied aus Sicht des Publikums, aber bemerkt ihr auf der Bühne den Unterschied im Publikum, beispielsweise zwischen Großbritannien und Deutschland?
D: Ja, absolut. Überall ist es ein wenig anders.
L: Absolut. Südamerika war unglaublich. Spanien ist auch so ähnlich…
D: Die warmen Länder. Deutschland ist immer sehr gut zu Phil und Genesis, weil sie hier so beliebt sind. Das ist immer ein gutes Publikum.
L: Und in den Niederlanden hatten wir richtig gutes Publikum!
D: Auf jeden Fall!
L: Man weiß es halt nie. Ich meine, wenn du in Japan spielst – und ich habe viel in Japan gespielt – dann sind sie dort sehr reserviert. Sie sind über die Jahre offener geworden, aber früher, als wir die “…But Seriously”-Tour gemacht haben, hatten wir dieses Karussell und ich erinnere mich daran, dass wir in diesem Ding waren im Tokyo Dome oder so und uns gefragt haben, ob sie schon die Türen geöffnet haben und als wir rausspähten, war die Halle voll. Sie haben einfach da gesessen und gewartet. Es ist halt eine andere Kultur. Und eine der Sachen, die ich wirklich hasse und schon immer gehasst habe, ist wenn auf Konzerten die Securities dafür sorgen, dass die Leute sich hinsetzen. Ich meine, wenn jemand sich nicht vollkommen daneben benimmt und versucht, über die Barrikade zu springen, ist es wirklich ärgerlich, wenn du siehst wie jemand die Leute einfach anschnauzt: “Hinsetzen!” Die versuchen doch nur Spaß zu haben. Das ärgert mich wirklich.

https://youtu.be/SKiQ2s8eJL4&feature=youtu.be

Werdet ihr erkannt, wenn ihr auf der Welt herumreist?
D: Kommt drauf an. In der Stadt, in der wir gerade spielen, schon.
Lee, du wirst vermutlich häufig erkannt.
L: Das stimmt. Das passiert ständig, im Supermarkt, am Flughafen…
D: Ich werde erkannt, wenn ich mit ihm unterwegs bin.
L: James Taylor hat das mal gesagt: “Die Leute wissen nur, wer ich bin, wenn ich mit dir unterwegs bin.” Weißt du, ich bin ziemlich glücklich darüber, ein Mitspieler zu sein und kein Künstler. Wenn also Leute auf mich zukommen, dann kommen sie nicht auf mich zu und rasten aus, wie wenn sie Phil sehen. Sie kommen, wir unterhalten uns, machen Fotos und sie sind einfach happy. Das ist eine nette Beziehung. Ich hatte nie eine negative Erfahrung.

Manchmal denkt ihr sicherlich “Nicht jetzt, lasst mich allein”, aber das hat ja jeder mal.
D: Manchmal denkt man das, aber das ist normal. Es passiert halt nicht so wie bei Phil oder Paul McCartney oder so jemandem.
L: Oft erschaffen Leute wie Elvis oder Michael Jackson das auch selbst. Sie könnten mit Sonnenbrillen im Supermarkt herumlaufen und manch einer würde sagen: “Ist das nicht…?”, aber würden sie nicht ansprechen.
D: Michael Jackson mit seinen Handschuhen…wer sonst läuft denn so herum?
L: Es ist ein interessantes Verhältnis, das wir haben. Ich habe mich damit immer sehr wohlgefühlt. Die Leute sind nett.

Also, die Tour geht im September in Nordamerika weiter. Wir haben schon über die Änderungen in der Setlist gesprochen. Habt ihr Songs, die ihr lieber spielt als andere?
D: Es gibt immer Songs, die man lieber spielt als andere.
L: Manche Songs, die wir gern spielen würden, sind für Phil halt zuviel.
D: Ich dachte, dass ich es irgendwann mal satt haben würde, ‘In the Air Tonight’ zu spielen, aber das ist nicht so. Es ist das erste Lied, das er je geschrieben hat, für sein erstes Album und wir haben es im Dezember 1980 aufgenommen. Aber es hat sich über die Jahre entwickelt; es ist nicht mehr dasselbe Lied.
L: Es ist auch für das Publikum so aufregend, die ganze Spannung und all das.

Sie warten auf den großen Moment. Und jetzt ist es Nics Moment.
D: Ja! Also das ist ein Song, von dem ich sagen kann, dass er ein Favorit ist.
L: Es gibt Sachen auf “No Jacket”, die zu spielen würde richtig Spaß machen, aber es ist momentan nicht in Phils Spielraum oder Möglichkeiten. Ich erinnere mich daran, wie wir mal zusammen gesessen haben und er sagte: “Was man als Künstler vergisst, ist, an dem Tag an dem du einen Song aufnimmst, ist das das einzige, was du damit tust.” Und plötzlich machst du eine dreistündige Show und der Song muss darin funktionieren und du denkst “Fuck”! Du stimmst ihn herunter, denn im Studio gibst du alles. Und außerdem kannst du nicht zu einer Show kommen und erwarten, dass da ein 23jähriger sitzt, wenn er 66 ist. Aber viele Leute motzen darüber. ‘Er sieht so alt aus!’ Guck in den Spiegel, Arschloch! Und was ich an Phil wirklich schätze ist, dass er seine Grenzen erkennt und die Show um die Dinge herumbaut, die für ihn noch funktionieren. Und du siehst das Publikum und sie sind so versöhnlich und vergeben, dass es vielleicht nicht so kräftig ist, wie es mal war. Und die Band ist gut!
D: Und ich glaube, was wir wirklich vermissen – so gut Chester auch war, so gut wie Nic ist – Phil ist unser Lieblingsschlagzeuger. Das ist er! Und das vermisse ich. Die Jungs machen einen klasse Job. Chester hat seinen Job großartig gemacht, Nic macht seinen Job großartig, aber Phil hat einfach etwas…
L: Phil ist einzigartig. 84 oder 85 probten wir für die “No Jacket” Tour ‘Inside Out’. Und es fühlte sich einfach nicht richtig an. Und Chester spielte genauso wie auf Platte. Und schließlich sagte Phil: “Lass mich mal.” Er setzte sich hin und ich erinnere mich, sobald wir spielten, machten wir” “Ah!” Die Feinheiten sind so gewaltig. Wie können diese Kleinigkeiten so einen großen Unterschied machen? In seiner Blütezeit war er einer der entspanntesten Schlagzeuger. Es war, als hätte er keine Knochen, so locker und flüssig. Ich liebe Chester, aber Chester ist in seinem Spiel sehr mechanisch, die beiden sind so unterschiedlich.

Aber ich liebe es – gerade deswegen – ihnen zuzusehen!
Beide: Ja!
L: Das ist klasse. Wir vermissen all das. Ich habe Phil öfter gesagt: “Ich hasse diese Konzerte! Ich stehe ungefähr zweieinhalb Meter von meinem Lieblingsschlagzeuger entfernt und er spielt kein Schlagzeug!” Das ist frustrierend.

Es muss für ihn frustrierend sein.
D: Das ist es!
L: Schau ihn dir an, wenn er da sitzt, er hat es immer noch in sich.

(Sheryl Crows Band geht vorbei.)
D: Sie waren unsere Vorgruppe. Das ist eine klasse Band und tolle Leute. Heute abend ist das siebte Konzerte mit ihnen. Und Mike and the Mechanics davor waren auch großartig, weil sie wie eine Familie sind!
L: ‘The road’ wird wirklich ein verbindender Ort, weil du aufeinander hockst. Es gibt manche Leute, die gegen den Strom schwimmen, die man nicht leiden kann. Aber sie sind selten mal dazwischen.

Ihr habt schon Chester und Tony Banks erwähnt. Steht ihr alle irgendwie in Kontakt?
D: Ja, ich habe sogar tatsächlich noch mit Tony Banks Frau gesprochen, als wir in London geprobt haben. Ich habe mit ihr telefoniert, Tony war draußen in seinem Garten. Wir bleiben immer in Kontakt. Und Mike Rutherford und seine Frau Angela waren mit auf Tour. Sie ist eine gute Freundin von mir.
L: Ich halte Kontakt mit Chester. Ich habe ein Bass Trio mit Steve Bailey und Jonas Hellborg und Chester spielt mit uns. Wir haben das im Rahmen von Warwick gemacht (Hersteller von Bässen, Anm. d. Autors) und hatten eine tolle Zeit. Ich genieße es ehrlich gesagt mehr, als wenn wir mit Phil spielen, weil er so wirklich Chester sein darf und kann. Und plötzlich war er in einer ganz anderen Welt, locker und am Lächeln. Wir sind alle Freunde, weißt du.
D: Und ich werde Chester nächsten Monat sehen. Im Juli werde ich in Nashville sein. Er wohnt dort und wir treffen uns dann.
L: Die Sache ist: Jeder Tag ist ein Abenteuer. Deswegen bleibst du dabei. Du weißt nie, was der nächste Tag bringt. Ich liebe diesen Aspekt.
D: Ja. Ich liebe und ich hasse ihn (Lachen).

Surftipps zu Leland Sklar:
Wikipedia
Facebook
Twitter
Instagram

Surftipps zu Daryl Stuermer:
Homepage
Wikipedia
Facebook
Twitter
YouTube

 

 

 

 

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

Philipp Roettgers

“Journalism is a low trade and a habit worse than heroin, a strange seedy world of misfits and drunkards and failures.” - Hunter S. Thompson. “Art is long and life is short, and success is very far off.” - J. Conrad

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Leland Sklar und Daryl Stuermer (Phil Collins, Genesis) übe…

von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 25 min
0