IQ – Resistance

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(52:58 + 55:38, CD, Digital, LP, Giant Electric Pea / Inside Out Music, 2019)
Nicht nur das Albumcover, sondern auch die Band selbst ist eine heiße Sache – IQ ist “on fire”! Mit Ihrem Doppelalbum “Resistance” unterstreichen sie einmal mehr ihren wohlverdienten Platz auf dem Prog-Olymp. Lange haben die Fans warten müssen, denn seit dem letzten Werk “The Road of Bones” sind bereits fünf Jahre vergangen. Dieses Warten hat sich aber gelohnt, den geneigten Hörer erwartet eine geballte Ladung Neo-Prog vom Feinsten, die sich gerne auch mal ansatzweise genreübergreifend verteilt.

01 – ‘A Missile’

Gleich zu Anfang unterstreichen IQ ihr Markenzeichen mit Groove und Keyboardsounds – eben so wie es die Fans mögen. Das treibende Schlagzeugspiel wird mit schweren Rockgitarren untermalt und führt den Zuhörer durch ein facettenreiches Arrangement aus Breaks, Zwischenspielen und Keyboardeinlagen.

02 – ‘Rise’

Das unheilvolle Intro führt von der einen ruhigen Soundlandschaft, über diverse Rockparts, in die Nächste. Dieser progressive Bunnyhop endet in einem Chor-geladenen Finale. Ein sehr atmosphärischer Song.

03 – ‘Stay Down’

Ein wundervoll gespieltes Piano, begleitet von schwermütigem Gesang, bekleidet den ersten Drittel des Songs. Anschließend setzt der IQ-typische Keyboard-Chor gemeinsam mit Akustikgitarren und dem allseits beliebten Bass-Pedal-Sound ein. Schon mehr als die Hälfte des Songs ist um und immer ist noch alles sphärisch ruhig. Doch der Hörer wartet nicht mehr allzu lange auf den rockigen musikalischen Epilog.

04 – ‘Alampandria’

Die kleine Soundcollage aus dem Bandrepertoire und arabischen Klängen erstreckt sich fast bis zur Hälfte des Tracks, bevor man sich von einer Tonlage in die Nächste proggt. Hier nimmt sich das Gitarrenspiel wieder vorrangig den Solosounds an, anstatt, wie bei den vorhergehenden Songs, dem “Progressive Metal” Konkurrenz machen zu wollen.

05 – ‘Shallow Bay’

Einmal mehr geizt die Band nicht mit Melancholie. Die Grundstimmung der Traurigkeit wurde hier gut im Sounddesign verpackt. Perfekt aufeinander abgestimmter Klang und Gesang erzeugen einen über sechsminütigen, musikalischen Pfad, welcher in einer epischen Erlösung endet.

06 – ‘If Anything’

Ausgerechnet eine Maschine läutet das gefühlvolle und balladenartige ‘If Anything’ ein. Die Drum Machine erinnert ein wenig an Genesis-Songs wie ‘Duchess’ oder ‘Man On The Corner’. Seichte Keyboards, Akustikgitarren und ein Fretless Bass untermalen das zurückhaltende Schlagzeugspiel und erschaffen auf diese Weise eine stimmungsvolle Atmosphäre.

07 – ‘For Another Lifetime’

Der Abschluss der ersten CD dieses Doppelalbums gibt sich mit keiner Spielzeit unter 15 Minuten zufrieden. Und die braucht er auch. Die ersten drei Minuten erinnern an einen gechillten psychedelischen Jahrmarkt-Soundtrack, bevor es dann groovig zur Sache geht. Hier wird dem Prog-Fan alles geboten, was das Herz begehrt. Tempiwechsel, verzweigte Arrangements, Keyboardsolos, Chöre und verschachtelte Schlagzeugfiguren. Ein würdiger Abschluss der ersten Seite des Longplayers.

Wer meint, die zweite CD wäre üblicherweise mit Ausschuss- und Demo-Material bestückt, liegt falsch. Hier packt die Band nochmal fast 60 Minuten weiteres Material drauf, welches es in sich hat.

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01 – ‘The Great Spirit Way’

Für die kommenden 22 Minuten zeigt sich ‘The Great Spirit Way’ verantwortlich. Die sich aufbauenden krummen Schlagzeug-Pattern und mehrstimmigen Orgeln lassen erahnen, dass dieses Epos voller Überraschungen steckt. Der treibende Rhythmus und selbige Orgeleinlagen lassen den Hörer kaum zur Ruhe kommen. Gelegentliche Half-Time-Parts entschleunigen zwar bisweilen die musikalische Reise, aber nur bis zum nächsten Arrangement-Block. Taktwechsel und Keyboardsolos geben sich ohne Wiederholungen die Klinke in die Hand.

02 – ‘Fire and Security’

Akustikgitarren bilden einen guten Anfang für den, für IQ-Verhältnisse, recht straighten Rocksong. Obwohl der Song gradliniger und einfacher gestrickt ist als seine Vorgänger, überrascht er immer wieder mit mächtigen dynamischen Momenten. Eine Magie, die nur wenige Bands verstehen einzusetzen.

03 – ‘Perfect Space’

Es scheint als haben IQ eine Vorliebe für Akustikgitarren entwickelt. Zumindest was die Anfangsphase der Songs des Doppelalbums angeht. Hier geht es bis zu den obligatorischen Taktsprüngen, welche auch den Refrain darstellen, zunächst verhalten zur Sache. Ohne das Tempo zu erhöhen steigert die Band die musikalische Spannung. Nach etwa der Hälfte des Songs erwartet den Zuhörer Solospielereien von Mike Holmes (Gitarre) sowie Neil Durant (Keyboard). Bassist Tim Esau spielt sich dabei erstaunlicherweise elegant und groovy durch das vollgepackte Arrangement.

04 – ‘Fallout’

Ein würdiger Abschluss der nahezu 120 Minuten Rock-Dröhnung bildet ‘Fallout’. Sehr seicht getragen von den Keyboards und Peter Nicholls melancholischen Gesang schwebt man direkt in den klassischen Prog-Dschungel. Während der ersten Minuten hält sich die E-Gitarre noch zurück, dafür gibt es immer wieder Einlagen von Akustik- und anderen nicht verzerrten Gitarren. Aber allzu lange lässt der sphärisch-verhallte Solosound von Mike Holmes nicht auf sich warten, allerdings wohl portioniert und nicht übermäßig eingesetzt. Bemerkenswert ist der schön dargebotene Klavierpart von Herrn Durant, der kurz nach der Mitte des Songs seinen Platz einnimmt und das große Finale einläutet. Daraufhin brettern schwere Chöre und Gitarren über die sich aufbauenden treibenden Rhythmen und verdunkeln die musikalische Landschaft. Langsam, aber sicher baut sich eine Soundmauer auf und findet ihren Schluss in einer Art gespieltem Livekonzert Finale, welches durch stehende Keyboards ein baldiges Ende des Songs in Aussicht stellt. Doch das täuscht, der Track endet erst Minuten später, und zwar so wie er begonnen hat. Sehr sphärisch und getragen. Ein meisterhafter Abschluss.

Eins ist schon mal klar, an Epik fehlt es diesem Album nicht. Die Band agiert auf handwerklich und kompositorisch höchster Ebene. “Resistance” ist jetzt schon ein Klassiker. Das Doppelalbum ist allerdings keine leichte Kost, die man mal nebenbei hört. Man vermisst ein bisschen die eingängigen Gesangsmelodien, wie z.B. bei “Ever”. Dennoch hat “Resistance” die Klasse von “Subterranea”. Anspieltipps: ‘Rise’, ‘If Anything’, ‘Fallout’
Bewertung: 14/15 Punkten (WE 13, AF 14, JM 12, KR 12, KS 13)

Besetzung:
Peter Nicholls – Gesang
Mike Holmes – Gitarre
Tim Esau – Bass
Neil Durant – Keyboards
Paul Cook – Schlagzeug

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Über den Autor

André Fedorow

Progressiver Musiker, Songwriter, Produzent und Redakteur. Hört so ziemlich alles was es an Musik gibt, außer Schlager. "You can't really dust for vomit." -- Nigel Tufnel

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IQ – Resistance

von André Fedorow Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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