Karakorum – Fables and Fairytales

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Karakorum - Fables and Fairytales(46:35, CD, Tonzonen/H’Art, 2019)
Es braucht tatsächlich wieder nur ein paar Sekunden zum Verlieben, braucht nur diese fett schmatzenden Orgelsounds, braucht die sich wie bei Humble Pie in den Siebzigern verschlingenden Double Leads, ein hartes (aber dabei stets warm klingendes) Riffing wie bei guten alten Epitaph, jedoch aufgelockert durch die eleganten Taktwechsel und regelmäßige Zurücknahme der Gitarrenwucht. Wenn Schlagzeug und Bass dann zu tanzen anfangen, dann klingt ‘Phrygian Youth’ wie ein Jam von Wishbone Ash und Sweet Smoke, der sich über neun Minuten hinweg in Wellen aufbaut und in einem amtlichen Finale gipfelt.

‘Smegmahood (crawling mouse || here comes the prick disease || egg pie || escort to the final dish || even lactoses can be toxic)’ ist von ganz anderer Natur – das vierzehnminütige Magnum-“Smelly Dick”-Opus beschert uns Assoziationen an Frank Zappa (konkret an die Band mit Ruth Underwood), aber auch einen Hauch von Gentle Giant, deftigem Bluesrock, lupenreinem Jazzrock mit einem wunderbaren Walking Bass und Rhodes-Passagen – und das ist noch lange nicht alles, denn von der Oldtimer-Autohupe und Axels Synth-Solo à la Rick W. haben wir noch gar nicht gesprochen.

Bleibt noch das Titelstück, das der nahöstlichen Harmonik nach das Gros seiner kurzweilige 23 Minuten (!) ergebenden Geschichten aus “Tausendundeiner Nacht” bezieht, auch wenn eine der Karavanen im Bolero-Rhythmus vorbeizuziehen scheint und das Song-Ende vermutlich auch für Jane funktioniert hätte.

Da haben Karakorum also mal wieder alles richtig gemacht. Daher bleibt uns auch nur noch, a) die “Album der Woche”-Karte zu spielen (nicht zuletzt für die Klangfarbenmalerei und den Mix [Matthias Hoffmann], denn “F&F” hat wohl den bislang subjektiv am besten klingenden Album-Gesamtsound des Jahres – erogene Tonzonen mal wieder!) und b) auf das Interview mit der Band zu verweisen, in dem Phil vertiefte Erkenntnisse zum “Bandalltag zwischen Reisen, laktoseintoleranten Ratten, vercheesten Songs und Monty Python” verspricht.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, PR 12, KS 11)

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW21/2019

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Interview zu “F&F” (2019)
Interview zu “Beteigeuze” (2017)

Karakorum Bandpic
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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Karakorum – Fables and Fairytales

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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