Eloy – The Classic Years Trilogy (Vinyl – Boxset)

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(47:50; 44:10; 43:45, 3LP/CD, Universal/Vertigo, 1976-1979/2019)
Zur Freude vieler Eloy- und Vinyl-Fans veröffentlicht Universal dieser Tage das liebevoll gestaltete Boxset “The Classic Years” der Hannoveraner Prog-Legende um Frank Bornemann.

Die Alben “Dawn”, “Ocean” und “Silent Cries And Mighty Echoes” sind rückblückend sicher mit die bedeutesten Genre-Alben dieser Epoche aus deutschen Landen. International ähnlich erfolgreich waren damals allenfalls noch die Kölner Triumvirat.

Erstaunlicherweise Weise war die Band spätestens ab dem Album “Ocean” im eigenen Land andauernder Kritikerschelte ausgesetzt. Wie man aus den abgedruckten Band-Statments heraus lesen kann, hat das dem einen oder anderen Eloyer durchaus nachhaltig beschäftigt. Es mag ein wenig an denen in bestem Teutonen-Englisch vorgetragenen und bedeutungsschwangeren Lyrics gelegen haben, war vermutlich aber vor allem schlicht der Tatsache geschuldet, dass aus UK bereits ein anderer Wind über den Kanal wehte und der gemeine deutsche Musikjournalist eben auch hip sein wollte. Eloy mag sich damit trösten, dass auch Bands wie Genesis und Yes zu dieser Zeit bei dieser Berufs-Gattung nicht mehr hoch im Kurs stand. Die Geschichte hat das inzwischen sowieso zurecht gerückt, wie diese Veröffentlichung beweist.

Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, auf alle drei Alben detailliert einzugehen, aber jungen oder spätberufenen Prog-Entdeckern wird insbesondere auf “Ocean” und “Silent Cries And Mighty Echoes” musikalisch einiges geboten. Tastenmann Schmidtchen verwendete ein ähnliches Sound-Arsenal wie Richard Wright, was etliche Pink Floyd-Vergleiche nach sich zog. Klaus Peter Matziol (Bass) und Jürgen Rosenthal (Drums) bildeten ein ausgesprochen organisches Rhythmusgespann, das der Formation ein markanten eigenen Groove gab. Mögen sich an Frank Bornemanns Gesang noch manche Geister scheiden, so war und ist er in Sachen Gitarrenarbeit über jeden Zweifel erhaben. Epen wie ‘Poseidon’s Creation’ oder ‘The Apocalypse’ gehören einfach in eine gut sortierte Prog-Sammlung. Die etwas gradlinigere spätere Ausrichtung der Band deutet das eingängige ‘Pilot To Paradise’ an. Das mit dezenter Orchester-Unterstützung aufgenommene ‘Dawn’ hat noch nicht ganz die Qualität der beiden folgenden anderen Alben, beeindruckt allerdings schon alleine damit, dass jene Besetzung erst kurz zuvor zusammen gefunden hatte.

DerAusstieg von Rosenthal und Schmidtchen nach “Silent Cries And Mighty Echoes” beendete diese Epoche der Band jedoch.

Ex- Grobschnittler Eroc hat alle drei Scheiben behutsam remastert und klanglich auf den Stand der Zeit gebracht. Direkte Vergleich mit Vinyl-Ausgaben aus dem jeweiligen Erscheinungsjahr belegen aber, das zumindest “Ocean” und “Silent Cries And Mighty Echoes” schon seit jeher soundtechnisch auf hohen Niveau waren. Hervorheben muss man die erstklassige Pressqualität der LPs, die dieser durchaus hochpreisigen Box uneingeschränkt gerecht werden. Das ist leider nicht durchgehend Standard. Die beiliegenden CDs sind eine nette Beigabe, werden aber vermutlich nicht all zu oft in einem Player landen. Einziges Haar in der Suppe ist, dass ‘Let The Sun Shine In Your Brain’ und ‘Child Migration’, die beiden Bonus-Stücke der 2004er CD Version von “Silent Cries And Mighty Echoes”, leider ausgespart bleiben. Das ist aufgrund der Laufzeit einer LP durchaus verständlich. Als Bonus auf CD hätte es die Box allerdings komplett gemacht.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW17/2019

Nichtsdestotrotz ist die Box, die auch optisch ein echter Hingucker ist, eine wirklich ausgesprochen erfreuliche Wiederveröffentlichung. Sie wird der Eloy-Besetzung dieser Jahre mehr als gerecht und unterstreicht die Bedeutung der Band auch auf internationaler Ebene. Als Gesamtpaket, gerade unter dem Gesichtspunkt, wie man sich ein solches Box-Set wünscht…
Bewertung: 14/15 Punkten

Frank Bornemann (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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