The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality

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(47:35, CD, ATO Records, 2019)
Was nach dem 2016er Debüt “Monolith Of Phobos” wie eine einmalige Zusammenarbeit erschien, erfährt nun glücklicherweise seine durchaus beachtenswerte Fortsetzung. Multi-Talent und Bass-Ikone Les Claypool (u.a. Primus, The Frog Brigade) und der musikalisch sehr umtriebige Sean Lennon, dessen Leben immer wie ein Balast von seinen berühmten Eltern John Lennon und Yoko Ono geprägt wird, versumpfen einmal mehr sehr tief im trippigen, spacigen Psychedelic Rock. Dabei kommt den beiden augenscheinlich zu Gute, dass ihre Zusammenarbeit sehr harmonisch und homogen funktioniert und die Ideen aus den beiden auf sehr natürliche Weise nur so heraussprudeln.

Das Album wird von irgendwie eigenartigen Einfällen getrieben, trotzdem verfügt die leicht wahnsinnige Musik der beiden über geerdete Fantasie, was sicherlich auch am Zynismus und Humor der beiden liegt. Hinzu kommt zudem ein songorienterter, zugleich origineller Ansatz, bei dem man sich nicht zu schade ist, auch mal fünf bis sechs Minuten für dessen farbenfrohe Ausgestaltung zu investieren. Dummerweise schwebt über dem prominenten Namen Sean Lennon der ewige Beatles-Schatten, dennoch steckt hier viel mehr drin als nur der viel zu offensichtliche Vergleich.

Der verschrobene, sogleich harmonische-melodische Psychedelic Rock mit dominanter Bassarbeit und vielschichtiger Vokalarbeit, wurde an anderer Stelle als eine kreative Retro-Mixtur aus Psychedelic Rock, Funk, Prog Rock und Jams umschrieben, was eigentlich nur manifestiert, dass trotz deutlichem Sixties-Flair eine simple Kategorisierung bei diesem Duo keineswegs einfach von der Hand geht. Auch wenn die Vergangenheit offensichtlich heraufbeschworen wird, erkennt man in den Arrangements einen unterschwelligen, aktuellen Bezug. Natürlich wird da gleich mal der Vergleich zu “Stgt. Pepper meets Primus” heraufbeschworen, doch tut man damit den beiden Protagonisten damit Unrecht, denn hinter ihrem Gedankengut verbirgt sich sehr viel erfrischender Individualismus.

Zieht man den Prog-Faktor in Betracht, so sticht aus den neun Song sehr offensichtlich das leicht floyidge, knapp achtminütige ‘Amethyst Realm’ heraus. Hier dröhnen Instrumente und Atmsphäre gekonnt vor sich hin, bis die die Stimmung in einem fulminanten Instrumentalteil mit Gitarre und Mellotron gipfelt. Hier beweisen die sehr versierte Multi-Instrumentalisten sehr eindrucksvoll, dass man trotz unterschiedlicher Ansätze, dennoch eine gemeinsame musikalische Plattform finden kann.

Ein Album voll von psychedelischer Überraschungen und mehrschichtig-verwobenen Einfällen als musikalisch kunterbuntes Überraschungsei. Da man sich augenscheinlich recht gut versteht und mehr hinter dieser Zusammenarbeit als ein simpler Projektcharakter steckt, ist gleich eine US-Tour für dieses Frühjahr geplant.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 9, KR 11, KS 12)

The Claypool Lennon Delirium (Foto: Scott Harris)

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Les Claypool
Sean Lennon

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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