Bubu – El Eco Del Sol

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(48:09, CD, Viajero Inmóvil Records, 2018)
Schon sehr peinlich für die eigene Vita, wenn einem bei Bubu zuerst der Trio-Titel “Turaluraluralu ich mach Bubu was machst du” einfällt. Aber dieser kleine Exkurs gehört nun wahrlich nicht hier hin, denn in die Reihe “Bands, die fast keiner kennt”, gehört definitiv die argentinische Band Bubu. Ende der 70er veröffentlichten sie mit “Anabelas” einen formidablen Klassiker des südamerikanischen Progs, um sich leider kurz danach gleich wieder aufzulösen.

Um so überraschender, dass letztes Jahr die Band wieder mit einem neuen Album auf der Bildfläche erschien, selbst wenn von der Urbesetzung nur noch Komponist / Bassist Daniel Andreoli übrig geblieben ist. Doch da es das Comeback Album “El Eco Del Sol” sogar in die Betreuer-Charts 2018 schaffte, dann kann der runderneuerte musikalische Neustart so schlecht nicht sein. Und richtig: die acht Songs warten mit jeder Menge sinfonisch-progressiver Abwechslung, einem recht umfangreichen Arsenal an Instrumenten (u.a. Flöte, Saxophon, Violine) und sogar mehrstimmigen Chorelementen auf.

Inhaltliche Brüche und Wendungen werden hier groß geschrieben. Selbst wenn es bisweilen anspruchsvoll und kantig zur Sache geht, so vergisst das mehrköpfige Musikerensemble nie den melodischen Wohlklang bzw. besinnliche Augenblicke. Die lebendige Note der Musik atmet jedoch vor allem durch ein breites Spektrum an Einfällen. Da geht es mal recht verzwirbelt, expressiv und mit treibender Rhythmik zur Sache, wird mitunter konzentriert kammermusikalischer Rock manifestiert, während andererseits Raum für sinfonische Eleganz und verträumte Melodik bleibt. Selbst wenn es weitgehend instrumental bleibt, sorgen gerade die wohl dosierten Chorpassagen für den rechten Kontrapunkt.

Im Vergleich zu “Anabelas” verzichtet man zwar auf ausschweifende Longsongs, doch in den zwischen vier- und neunminütigen Tracks steckt ungemein viel Wandlungsfähigkeit und musikalische Virtuosität, so dass man nichts vermisst. Der dramatische Spannungsbogen zwischen Sinfonik, klassischen Anleihen und rhythmischem Drive überzeugt. Selbst wenn manche vom Begriff Chamber Rock abgeschreckt werden, so gelingt trotz diverser Blas- und Streichinstrumente eine keineswegs zu verkopfte Interpretation dieser Musikrichtung. Ecken und Kanten, aber eben auch simple Schönheit – in “El Eco Del Sol” steckt sehr viel an Überraschungen drin.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Bubu (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Bubu – El Eco Del Sol

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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