Interview mit Natalia Gadzina (Shagreen) über ihre Musik und ihre Zukunft

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Wolfgang Merx sprach mit Natalia Gadzina, der Musikerin hinter dem Namen Shagreen, über ihre Musik und wie sie sich ihre künstlerische Zukunft vorstellt.

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Warum hast du dich “Shagreen” genannt?

Mein Nachname ist Gadzina, was man als “Reptil” oder “Giftschlange” übersetzen kann, aber im Polnischen [N.G. lebt in Polen; Anm. d. Verf.] wird das Wort verwendet, um einen gemeinen, verachtenswerten Menschen zu bezeichnen. Als ich ein Kind war, machten sich andere über meinen Nachnamen lustig, aber vor einiger Zeit wurde mir klar, dass ich meinen Nachnamen mag, weil er so besonders ist. Er ist ein Teil von mir und meiner Geschichte, daher wollte ich meinen Künstlernamen damit verbinden. “Shagreen” ist “eine Art ungegerbtes Leder mit rauer, granulierter Oberfläche”, diese Art von Leder sieht eben wie die Haut von Reptilien aus. Ich denke, dass das zu mir passt, ich bin wie ein Mensch mit einer Haut aus Chagrinleder. (lacht)

Wann und wie hast du mit dem Musikmachen angefangen? Welche Instrumente spielst du?

Meine Eltern sind Musikerlehrer, also war Musik schon von Anfang an ein Teil von mir. Ich habe gesungen, Klavier und Geige gespielt. Die Geige war in der Musikschule mein Hauptinstrument, aber, um ehrlich zu sein, war Singen für mich das einfachste und das, was ich am meisten mochte. Musikproduktion kam mir mit 17 in den Sinn, aber viele Menschen sagten mir: “Es ist eine schwierige Sache”, “Du solltest dich aufs Singen konzentrieren”. Meine Mutter sagte mir, dass ich es versuchen sollte, aber ich habe nicht auf sie gehört. Ich befürchtete, dass ich viel Geld für Equipment ausgeben würde, was ich nicht nutzen kann, weil es “eine schwierige Sache” ist. Ich begann mit 20 zu produzieren und eigentlich war es gar nicht schwierig, dank meines Wissens über Musiktheorie.

Was sind deine musikalischen Einflüsse?

Trent Reznor ist meine größte Inspiration, aber ich liebe auch Gary Numan und Bands wie Front Line Assembly, Skinny Puppy. Ich bin auch ein großer Fan von Neurofunk und anderen dunklen Drum&Bass-Subgenres. Ich habe auch viele poppige guilty pleasures, aber ich will die Katze nicht aus dem Sack lassen. (lacht)

Siehst du dich als Musikerin in den Genres Dark Wave, Noise und Industrial? Oder könntest du deine Ausrichtung ändern und etwas völlig anderes spielen?

Ich denke, dass meine Musik mit diesen Genres verbunden ist, aber ich weiß nicht, wie sich das in den nächsten Jahren verändern wird. Vielleicht werde ich das Genre wechseln, wer weiß… Für mich ist es am wichtigsten, den “Faktor” zu haben, der Menschen hilft, dich zu erkennen. Wenn sie dein Lied hören, wissen sie, dass du es bist.

Was ist das Konzept hinter deiner Musik?

Ich denke nicht, dass es ein Konzept gibt. Nur Gefühle. Wenn ich anfange, ein neues Lied zu schreiben, habe ich gar keine Vorstellung, ich will nur, dass es “gut” wird, und ich kann nicht erklären, was “Gut sein” bedeutet, es ist nur mit meiner Intuition verbunden.

Wie schreibst du Lieder und arbeitest an deiner Musik? Folgst du bestimmten Regeln, z. B. deinen eigenen?

Ich folge keinen bestimmten Regeln. Ich schreibe jedes Lied auf eine andere Weise. Zum Beispiel war in ‘Shadows’ die seltsame, hohe Melodie am Anfang das erste, was ich machte – ich hatte sie in meinem Kopf und nahm sie auf. In ‘This This’ machte ich den Bass im Refrain zuerst, dann produzierte ich den Rest. Das Gleiche passierte auch bei ‘One Word’.

Worauf achtest du am meisten, wenn du Musik spielst oder an Musik arbeitest?

Eigentlich achte ich auf alles. (lacht) Ich will, dass meine Lieder interessant, gut produziert, gut aufgenommen werden, eine Botschaft haben… Alles ist wichtig.

Welche Rolle spielt der visuelle Aspekt deiner Kunst, also deine Musikvideos?

Es ist tatsächlich so, dass meine Videos alle zufällig entstehen. (lacht) Mein erstes Video wurde von meinen Freunden erschaffen, ich überließ ihnen alle Entscheidungen und man kann das Ergebnis in ‘Shadows’ sehen. Ich filmte ‘Desire’ alleine, weil ich das Lied mit ein wenig Inhalt bei YouTube hochladen wollte, nur, um es interessanter zu gestalten. Jay Kaslo, der Mann, der ein Video für ‘One Word’ machte, schrieb mir über Instagram und so machten wir einen Deal. Es war Zufall, ich hatte damals gar nicht vor, ein Video dafür zu machen, also überließ ich wieder ihm alle Entscheidungen. Es gibt auch ein Video zu ‘This this’ – das machte ich ganz allein, weil ich keine andere Idee hatte. (lacht)

Hast du vor, deine Musik live zu spielen oder zu touren?

Ja, mein erster Auftritt fand im Februar 2019 statt. Ich hoffe, mehr Gigs spielen zu können.

Was kann man von deinem nächsten Album erwarten?

Einfach Shagreen, weißt du. (lacht) Es ist mein Debütalbum, daher wollte ich nicht, dass es eine allzu große Überraschung wird. Ich wollte den ersten Eindruck vervollständigen. Also wenn man meine “Darkest Place” EP mag, denke ich, dass einem “Falling Dreams” gefallen wird. Es ist eine Geschichte über meine Entwicklung und meine Suchen, die ältesten Stücke sind dreieinhalb Jahre alt, das neueste ist sechs Monate alt.

Wann wird es veröffentlicht?

CDs werden am 25. Februar verfügbar sein, die digitale Premiere findet am 5. März statt.

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Wolfgang Merx

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von Wolfgang Merx Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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