Chandelier – Pure

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(50:00, 61:43, 2-CD, Chickadisc, 1990/2018)
Na das ist doch mal eine Überraschung. Sozusagen aus dem Nichts tauchen auf einmal Wiederveröffentlichungen der Alben der kultigen deutschen Neo-Prog Band Chandelier auf. Ende der 80er waren sie Mitbegründer der deutschen Neo-Prog Szene. Anfänglich Lokalmatadoren im Raum Neuss/Düsseldorf, entwickelten sie sich zu einer durchaus angesagten Größe in der deutschen Prog-Szene.

Es begann damit, dass sich junge Hobbymusiker mit Vorlieben für klassischen Prog Marke Yes und Genesis zusammentaten – zu einer Zeit, als gerade Marillion, It Bites und IQ die aktuellen Prog-Größen waren. Zunächst begann man mit Cover-Versionen, doch spätestens mit der Aufnahme von Sänger Martin Eden in der Band entwickelte man eigene Ideen und eigene Songs. Im Juni 1987 folgte der erste Live-Auftritt und schnell war das Ziel, die eigene Musik in irgendeiner Form auf den Markt zu bringen.

Anstatt das Debütalbum „Pure“ für sich noch einmal neu zu veröffentlichen, hat man sich entschieden, den Fans etwas Besonderes zu bieten und die Überarbeitungen in Form von Doppelalben zu offerieren. Und – um der zeitlichen Schiene korrekt zu folgen – wären wir damit bei CD2 dieses Doppelpacks, denn als „Bonus“ bieten Chandelier hier ihre erste Veröffentlichung an, die mit „Fragments“ betitelt wurde und damals (sprich 1988) auf Kassette erschien! Wer erinnert sich noch an Kassetten von Bands wie Chandelier, Arrakeen, die vielen Niederländer wie Achet Aton etc., Nolans The Cast, Coltsfoot, Castanarc, aber auch Pallas, Twelfth Night, Big Big Train und IQ hatten anfangs Kassetten am Start. Das gibt dann schon mal einen extra Nostalgie-Punkt.

Bei Chandelier hieß dieses Tape „Fragments“ und dies enthielt bereits Songs, die nicht nur den Weg auf die Debüt-CD fanden, sondern auch auf dem Zweitling Benutzung fanden, doch dazu später mehr. Sie pflegen hier bereits eine feine Mischung aus balladesken Nummern und mid-tempo Neo-Prog Songs. Kernstück hierbei ist das fast 16-minütige ‚Glimpse Of Home‘, das mustergültig die ganze Palette ihres musikalischen Treibens aufzeigt zwischen romantischen Klängen und flottem Neo-Prog. Als besonderes Schmankerl hat man noch einen Song der damaligen Sessions ausgegraben, nämlich das knapp 6-minütige ‚Paralyzed‘. Auf diesem Album wirkte an den Keyboards noch Stefan K. Listier mit, der aber anschließend die Band verließ. „Fragments“ ist wahrlich kein amateurhafter allererster Schritt mit unfertigen Songs, sondern ein ernstzunehmendes Werk, das auch soundtechnisch durch niemand Geringeren als Meister Eroc ein bemerkenswertes Upgrade erhalten hat. Zudem sind einige Songs von „Fragments“ Klassiker bei Chandeliers Live-Auftritten gewesen und gehörten auch später noch zum Repertoire.

Der nächste Schritt war dann nicht überraschend die erste CD-Veröffentlichung, die man nach langen Überlegungen schließlich 1990 in Eigenregie unter ihrem Label Sisyphus Records veröffentlichte und „Pure“ nannte. Eingespielt wurde sie in folgender Besetzung:

Martin Eden – lead vocals / acoustic guitar
Udo Lang – guitars / bass guitar
Christoph Rombach – bass guitar
Heribert Rubarth – drums / percussion
Tobias Budnowski – keyboards / acoustic guitar.

Im 7-minütigen Opener ‘Stellar Attraction’ sind sie gleich im flatten Neo-Prog Stil unterwegs. Natürlich drückt Frontmann Martin Eden mit seinem akzentuierten Gesang den Songs seinen eigenen Stempel auf, aber das Wechselspiel von Tasten und Gitarren entwickelt sich zu einem weiteren Markenzeichen der Band und ist gleich im Eröffnungstrack zu hören. Ihr Hang zu balladesken Songs wird im Ohrwurm ‚Stay‘ deutlich, der auch schon auf „Fragments“ zu hören ist, oder im wunderschön, aber leider etwas kurz geratenen Titelsong, wo der weiche Gesang von Spinettklängen und akustischer Gitarre begleitet wird. Hinzu kommt ein Gastauftritt von Christine Frenz an der Flöte. Hier und auch in einigen anderen Songs zeigen sie ein feines Händchen für Melodielinien, die sich in den Gehörgängen festsetzen können.

Diese vorbildliche Wiederveröffentlichung ist jedem Neo-Prog Fan ans Herz zu legen.
Bewertung: 11/15 Punkten

Chandelier (Foto: Band)

Surftipps zu Chandelier:
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Chandelier – Pure

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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