Anima Mundi – Insomnia

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(58:14, CD, Sound Resources /PPR Records, 2018)
Abgeleitet vom Lateinischen bedeutet Anima Mundi Weltenseele. Diese Assoziation ist äußert passend für die aus Havanna, Kuba stammende Progressive Rock-Band Anima Mundi. Mit Herz und Leidenschaft verfolgen diese Musiker auch unter widrigen Umständen das Ziel, ihre musikalische Überzeugung soweit als möglich zu leben und zu verbreiten. Unter Mitwirkung eines Netzwerks von Helfern und Unterstützern gelang dieses in den vergangenen Jahren eindrucksvoll. So konnte sich die Karriere in der Zwischenzeit beachtenswert entwickeln, ohne dass ein großer Medienkonzern seine Finger im Spiel gehabt hätte. Das gelingt nur, wenn etwas zielgerichtet und vor allem engagiert angegangen wird. Nach nunmehr fünf Studioalben und zwei Live-Veröffentlichungen liegt jetzt das aktuelle Werk „Insomnia“ vor. Liebevoll und mit kleinem Budget vom niederländischen Designer Douwe Fledderus gestaltet, präsentiert sich die Band mit ihrem neuen Werk.

Wer jetzt allerdings leicht verdauliche Kost erwartet hat, wird sich beim ersten Hördurchgang verwundert die Augen reiben: das sollen die alten Anima Mundi sein? Ja und nein, die Urgesteine Roberto Diaz und Virginia Perez sind zwar immer noch dabei, doch die vielfältigen Umbesetzungen der Vergangenheit haben hörbare Spuren hinterlassen. So gibt es tatsächlich etwas Neues zu vermelden, was die musikalische Entwicklung der Kubaner betrifft. Bekannt für Ihren langjährig gepflegten melodiösen Neo Prog gepaart u.a. mit Folk, World Music und Rock steht nun der nächste Schritt an.

Um einiges erwachsener und vielseitiger geworden, schlägt Anima Mundi neue, gar ungewohnte Töne an. Mal wird es elektronisch, dann wiederum irritieren verfremdete Stimmen und Soundeffekte, überraschen Einsätze von Saxophon und Trompete, dann wiederum machen sich flirrende Sequenzen breit, um später in altbewährte melodiöse Muster zu münden. Unruhige bis hektische Partien wechseln sich mit fast düsteren ab, um erneut in sanft melodische verwandelt zu werden. Eine Achterbahn der Klangwelt, die sogar Anleihen des Jazz einbezieht, so erscheint das neue Album. Dazu mitten drin Vocals die von angenehm bis gewöhnungsbedürftig schwanken. Dennoch ist „Insomnia“ nicht wirklich schräg oder verkopft. Das würde auch zu diesen Musikern nicht wirklich passen. Daher steht über allem, trotz unterschiedlichster Soundcollagen und Stilelemente, die für Anima Mundi typische Vorliebe zur Melodie.

Alles in allem ist „Insomnia“ ein interessantes und kompositorisch vielseitiges Album. Es lebt und profitiert vom Überraschungsmoment. Für alte Fans der Kubaner, könnte dieser innovative, progressive neue Weg vielleicht etwas des Guten zuviel sein und eine gewisse Zeit der Gewöhnung erfordern. Aber es muss ja auch nicht immer sanft und symphonisch zugehen. Spannend zu beobachten wird, wie geht es mit Anima Mundi weiter und welche Überraschungen stehen uns im nächsten Werk bevor.
Bewertung: 8/15 Punkten (GH 11, HR 8)

Line-up / Musiker:
Roberto Díaz / Electric and Acoustic Guitars, Percussion and Loops, Fuzz Bass Guitar, Orchestrations, Sound Effects, Lead and Backing Vocals
Aivis Prieto / Lead and Backing Vocals
Virginia Peraza / Synthesizers, Orchestrations, Percussion and Loops, Rhodes, Wurlitzer, Mellotron, Hammond organ, Keyboards, Sound Effects und Backing Vocals
Yaroski Corredera / Bass Guitar, Synth Bass
Marco Alonso / Drums, Percussion and Saxophone

Gastmusiker:
Julio Padrón / Trumpet

Surftipps zu Anima Mundi:
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Progarchives
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Anima Mundi @ PPR Records
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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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Anima Mundi – Insomnia

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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