Syndone – Mysoginia

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(43:56, CD, Ma.Ra.Cash Records / Just For Kicks, 2018)
Syndone gingen schon immer einen ganz eigenen Weg. Die italienische Formation etablierte sich in erster Linie als stilistischer Hybrid aus Retro Prog und Jazz Rock, ließ dennoch immer ein gewisses südländisches Pathos erkennen, bei gelegentlicher Berücksichtigung von bekannten Gastmusikern (in der Vergangenheit u.a. Steve Hackett, John Hackett, Marco Minnemann).

“Mysoginia” wandelt von der inhaltlichen Komponente diesbezüglich auf bekannten Pfaden, setzt jedoch vermehrt auf Theatralik, wie ebenso auf klassische Untermalung – sprich Beiträgen vom Budapest Scoring Symphonic Orchestra (dirigiert von Francesco Zago) und dem Kinderchor Coro dei Piccoli Cantori di Torino – verzichtet dafür dieses Mal auf die ganz großen Namen bei den Gästen. Stattdessen setzt man mehr auf die italienische Heimat mit u.a. Vittorio de Scalzi (New Trolls), Gigi Venegoni (Arti & Mestieri) oder Sängerin Viola Nocenzi.

Bei “Mysoginia” handelt es sich um ein Konzeptalbum, das sich mit dem Begriff Misogynie beschäftigt, ein abstrakter Oberbegriff für die geringere Relevanz und Wertigkeit von Frauen im Gegensatz zu Männern. Neben der dominanten, ausdrucksstarken Stimme von Riccardo Ruggeri (meist in italienischer Sprache, gelengentlich auch mal in Englisch, mitunter durch Vocoder verfremdet), besteht das Sextett aus Norditalien aus Nik Comoglio (Hammond, Moog),  Marta Caldara (Vibraphon, Xylophon, Percussion),  Gigi Rivetti (Piano, Moog, Clavinet),  Maurino Dellacqua (Bass) und Martino Malacrida (Schlagzeug).

Deren wohl dosierter Mix aus intimen, zurückgezogenen Momenten (u.a. mit sachten Vibraphon und Xylophon Klängen), cineastischer Atmosphäre, temporeichen Instrumentalexkursionen (mit analoger Tastenbreitseite aus Hammond und Moog), sowie überschwänglicher Sinfonik verbindet geschickt die 70er Jahre Vergangenheit mit einer zeitgemäßen Interpretation. Der Mikrokosmos der Italiener lebt gleichzeitig von Dynamikschwankungen, einer Austarierung von sparsamer Instrumentierung, sowie gelegentlichen emotionalen Ausbrüchen. Dabei gewinnt vor allem die Retroseite mehr an Bedeutung, wird der jazzige Ansatz der Vergangenheit zurückgedrängt.

Einmal mehr überzeugen Syndone mit ihrer Art des mediterranen Retro Progs in gewohnt ansprechender Qualität.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 10, KS 11)

Syndone (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Syndone – Mysoginia

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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