Frequency Drift – Letters To Maro

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(60:16, CD, Gentle Art Of Music/Soulfood, 2018)
Mit Schubladen ist das ja so eine Sache. „Progressive Cinematic Music“ nennt sich das mehr oder weniger selbst gewählte Genre, welches man auf  „Letters To Maro“ der aus Bayreuth kommenden Frequency Drift zu hören bekommt. Zwei Jahre nach „Last“ gelingt es wiederum, das eigene, sehr ansprechende Qualitätsniveau trotz einer deutlichen inhaltlichen Umorientierung zu halten.

Die sechsköpfige Formation aus Oberfranken beweist ein feines Händchen für detaillierte, ausgefeilte Arrangements, die elegant schwelgend das eigene Kopfkino anregen. Fragile, niemals zu überladene Kompositionen, die feinfühlige Dynamik verwenden, aber auch immer Raum für verträumte Momente bieten. Mit ihrem leicht verschnörkelten, aber immer sehr melodischen Kunst/Art Rock gelingt ein eleganter Brückenschlag zwischen moderner, einnehmender Klangästhetik, bei gleichzeitiger Verwendung von eher ungewöhnlichem Instrumentarium wie Electroharfe, Wavedrum oder Mandoline, aber ebenso sehr sparsam eingesetzen Mellotron- und Synthesizerpassagen.

Dennoch bleiben instrumentale Solopassagen eher die Ausnahme. Vielmehr wird ein dichtes Geflecht aus Klängen zu einer luftigen Musik-Melange, einem Art cineastischen Breitwandsound ohne zu offensichtlichem Rockkontext, verwoben. Dominiert wird das Album in erster Linie von Sängerin Irini Alexia, die die letzte Frontdame Melanie Mau ersetzt (die aber weiterhin mit Martin Schnella als Duo unterwegs ist, der auch schon bei Frequency Drift ausgeholfen hat).

„Letters To Maro“ funktioniert vor allem durch seine sparsamen, aber effektvollen Harmonien und ein verschachteltes Sound Design und schraubt die Gitarrenarbeit und den Härtegrad gerade im Vergleich zum Vorgänger „Last“ sehr deutlich zurück. Damit lotet das langjährig bewährte Songwriting- und Produktionsteam Nerissa Schwarz und Andreas Hack gut erkennbar neue Facetten aus. Man möchte eben recht augenscheinlich nicht zweimal das gleiche Album aufnehmen, sondern die eigene künstlerische Entwicklung an vorderste Front stellen.

Ein meist verhaltenes Album, bei dem traurige Zwischentöne und ein ganz eigener, schwebender Sound im Vordergrund stehen.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Frequency Drift (Foto: Band)

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Gentle Art Of Music

 

 

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Frequency Drift – Letters To Maro

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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