Gong, 15.10.17 Bonn, Harmonie

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»Alles ist erleuchtet«

Schon geraume Zeit vor dem durchaus sehnsüchtig erwarteten Konzertbeginn wurde die Bonner Harmonie komplett von sich apart verformenden Erscheinungen in strahlenden Lichtfarben geflutet. Bestimmt ein gutes Mittel gegen Depressionen in der lichtarmen Jahreszeit. Da passt es dann auch, dass die Projektion des „Flying Teapot“ wärmsten Szenenapplaus erhält.

Die Lichtbringer sind aktuell Kavus Torabi (vocals/guitar; u.a. Knifeworld, Guapo), Fabio Golfetti (guitar/vocals), Dave Sturt (bass/vocals/gatekeeping; u.a. Steve Hillage, Jade Warrior, David Gilmour, Earl Slick, Theo Travis, Michael Kamen, ), Ian East (sax/flute/mauspfeife; u.a Inspiral Trio) and Cheb Nettles (drums/vocals).

Dass dennoch daevid allen irgendwie immer noch mit von der Partie ist, wird schon bei der Wahl vom 1971er Song ‚You Can’t Kill Me‘ als Eröffnung deutlich. Bei den angesichts der teils offensichtlich noch unbekannten Bandmitglieder auf der Bühne minimal angespannten +50er im Zuschauerraum macht sich daraufhin Entspannung breit. Der wenig später Erleuchtungen folgen. Denn auch ‚I’ve Been Stoned Before‘ (1977) gehört zum sowasvon-sanktionierten QiGong-Kanon.

‚Kapital‘ hingegen schließt sich nahtlos an, obwohl es vom 2016er Album Rejoice! I’m Dead! stammt – und auch unmittelbar von dessen wunderbar positiven, lebensbejahenden Titelsong gefolgt wird.

Unterdes flasht Fabio die Gitarristen im Publikum durch sein nicht mit der Griff- sondern mit seiner rechten „Schlag“-Hand vorgenommenes Slide-Spiel. Alle anderen sind unterdes enthusiasmiert entweder von den parallelen Knochenjochen-Projektionen oder von Chebs phantastischem Drumming, das die meisten der irrsinnigen Steigerungen einleitet, zu der diese Formation fähig ist.

Für ‚Master Builder‘ und ‚I Never Glid Before‘ wechseln die Projektionen zunächst zu aztekisch wirkenden Mustern und dann zu Bildern von Meditierenden. Es erklingen Chants wie bei einem buddhistischen Gottesdienst, Kavus macht dazu segnende Gesten in alle Richtungen des Raumes. Von hier ist es natürlich nicht mehr weit zu ‚Visions‘ und ‚The Unspeakable Stands Revealed‘.

Nach ‚You Never Blow Yr Trip Forever‘ ist der Beifall inzwischen so tosend, dass der in seinen besten Momenten tatsächlich angenehm an Steve Harley erinnernde Kavus das Bonner Publikum ausdrücklich lobt: „I rarely say this, but…“.

Weitere Highlights des Abends sind ein Duell zwischen Kavus und Ian Easts Alt-Saxophon sowie Querflöte, die Gilli in Projektionen absegnet. Bei den Zugaben ‚Selene‘ und ‚Insert Yr Own Prophecy‘ ist dann endlich auch (bei ansonsten idealen Soundverhältnissen) der so wichtige Bass von Dave laut genug. Und alle sind erleuchtet.

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Jonathan Safran Foers 2003er Roman, von dem ich mir die Überschrift des Beitrags entliehen habe
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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Gong, 15.10.17 Bonn, Harmonie

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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