Special Providence – Will

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(51:51, CD, Giant Electric Pea, 2017)
“Progjazzrockmetalturbochill” – so schlicht und einfach umschreiben Special Providence ihren diffizilen Stil. Dass die Ungarn mit ihrem energetischen Instrumental Mix irgendwo zwischen Prog Metal und Jazz Rock / Fusion wie schon beim Vorgänger beim IQ-nahen GEP Label gelandet sind, ist von der stilistischen Seite erst einmal recht ungewöhnlich. Doch die musikalische Qualität spricht für das Quartett aus Budapest, das auf “Will”, dem Nachfolger des vor zwei Jahren erschienenen “Essence Of Change“, seinen Weg konsequent weitergeht.

Noch immer gehören messerscharfe Riffs, vertrackte Rhythmik, aber eben auch ein gewisser Fusion-Einschlag zu den typischen Merkmalen von Special Providence. Gerade im Härtegrad und was vertrackte, frickelige Verspieltheit angeht, hat man auf “Will” nochmals eine gehörige Schippe draufgelegt, so dass man inzwischen mehr Richtung verspielten, temporeichen ProgMetal tendiert, als noch mit chilligen Jazz Tendenzen aufwartet, die man gerade von den Frühwerken kennt. Dennoch sind immer noch JazzRock- bzw. Fusion-Elemente zu erkennen, nur weit weniger, als von der Vorgängern gewohnt.

Die zehn Tracks auf “Will” sind mitnichten von spielerischer Zurückhaltung geprägt, dennoch artet die musikalische Interaktion nicht in eine bloße Technikschlacht zur egomanischen Selbstbeweihräucherung aus. Zwar werden Tempo und spielerische Raffinesse ganz groß geschrieben, trotzdem weisen die reinen Instrumentalstücke immer eine eigene Struktur und gewisse Eigenständigkeiten aus. Die beiden Rhythmusmonster Adam Marko (Schlagzeug) und Attila Fehervari (Bass) liefern manche virtuose Interaktion ab, während solistisch vor allem Gitarrist Marton Kertesz mächtig Gas gibt, Keyboarder Zsolt Kaltenecker doch mehr im Hintergrund agiert.

Auf “Will” nehmen sich Special Providence nur selten zurück, doch gerade ruhigere Passagen können ja für nötige Tiefe und Abwechslung sorgen. Das Album ist jedoch vielmehr von einer nervösen, teils hektischen Unstetigkeit geprägt. Das ist bisweilen recht anstrengend und fordernd und nichts für zartbesaitete Gemüter.

Im Gesamteindruck dominiert in erster Linie das variable Gitarrenspiel, die stakkatoartigen, komplexen Taktfolgen fordern den Hörer immer wieder aufs Neue heraus. Für Jazz-Rock / Fusion-Puristen ist dies sicherlich “Over-the-top”, wer aber modernen JazzMetal auf seinem Merkzettel hat, darf hier definitiv zugreifen.
Bewertung: 11/15 Punkten (WE 7, GH 11, JM 10, KR 11, KS 11)

Special Providence (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Special Providence – Will

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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