Jeff Lynne’s ELO – Wembley Or Bust

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(48:35+50:02, 2CD + DVD, Columbia Records / Sony Music, 2017)
Die Anziehungskraft der zeitlosen Musik des Electric Light Orchestras scheint auch heute noch ungebrochen. Denn wie sonst schafft es dessen Kopf und Mastermind Jeff Lynne im Sommer diesen Jahres das Wembley-Stadium mit knapp 60.000 Personen zu füllen? Das ist eben nicht nur der gewisse Nostalgiefaktor der die Massen anzieht, sondern dies steht auch für die zeitlose Qualität der sinfonischen Popsongs, für die das Markenzeichen ELO steht. So bringen inzwischen die Eltern, die mit der Musik der Band in den 70ern und frühen 80ern groß geworden sind,  einfach ihre Kinder mit, die fast genauso begeistert zur Musik textsicher mitsingen und beschwingt mitwippen.

„Wembley Or Bust“ wurde diesen Sommer im Juni mitgeschnitten. Er präsentiert 23 Songs, die zeitlich fast die komplette Historie des Electric Light Orchestras umspannen. So bekommt man natürlich jede Menge Hits wie z.B. ‚Roll Over Beethoven‘, ‚Don’t Bring Me Down‘, ‚Evil Woman‘ ‚Livin‘ Thing‘, ‚Showdown‘, ‚Telephone Line‘, ‚Turn To Stone‘ und natürlich ‚Mr.Blue Sky‘ (wurde erst kürzlich im zweiten Teil des Kinohits „Guardians Of The Galaxy“ perfekt integriert). Immerhin ist mit der ersten Single ‚10538 Overture‘ auch ein Titel aus der frühen progressiven Art Rock Phase vertreten, das letzte Album „Alone In The Universe“ wird mit ‚When I Was A Boy‘ bedacht und auch ein kurzer Abstecher zu den All-Stars Projekt Travelling Wilburys darf nicht fehlen.

Vor allem das Video – angereichert durch kurze Doku-Elemente, die im Rahmen des Wembleyauftritts entstanden –
protokolliert die Glückseligkeit dieser perfekt produzierten und arrangierten Musik: fröhliche, ausgelassene Menschen wohin man blickt und selbst wenn der Alterdurchschnitt relativ hoch ist, werden die altersstarren Hüften voller Begeisterung geschwungen.

Auch wenn ein Großteil der Setlist vor allem auf die 70er setzt und damit musikalisch nahezu als komplette Nostalgieshow durchgeht, so bekommt man hier keine lustlose Oldieband geboten, die einfach ihre Hits abspult und die Dollarzeichen in den Augen hat, sondern auf der Bühne beweist die 13(!)-köpfige Band (u.a. mit drei Keyboardern und weiblichem Streicherensemble), dass sie einfach nur Spaß am Songmaterial hat. Passend dazu bekommt man eine aufwändige, recht imposante Lightshow mit der legendären fliegenden Untertasse, wobei das einzige Manko ist, dass das erste Drittel des Konzerts noch bei Tageslicht stattfindet.

Im Vergleich zum 2014er Auftritt im Hyde Park wurde die Setlist leicht verändert und sowohl einige Songs aus der eher zu vernachlässigen Discophase eingebaut (eine runderneurte Version vom Olivia Newton-John-Heuler ‚Xanadu‘ oder eben auch eher Beiläufiges wie „Shine A Little Love“), wie auch etwas tiefer in der Mottenkiste gegraben und frühes Material wie ‚Do Ya‘ oder die „Out Of The Blue“ (1977) Klassiker ‚Wild West Hero‘ oder der Opener ‚Standin‘ In The Rain‘ hinzugefügt. Ansonsten funktioniert die Hitmaschinerie prächtig und aufgrund der umfangreichen Besetzung gelingt es auch die aufwändigen Arrangements des Studiomaterials live zu reproduzieren.

Studiobastler Jeff Lynne gibt sich auf der Bühne eher zurückhaltend und ehrfürchtig überrascht aufgrund der ihm im entgegenschwappenden Freude und Sympathien. Seine Worte „Dies ist die beste Zeit, die ich mit meiner Musik hatte. Dies ist jenseits von allem, was ich mir je vorgestellt habe“ klingen jedoch ehrlich und von Herzen.

Wenn man hier etwas kritisieren möchte, dann die Doppel-CD mit dem kompletten Konzertmitschnitt, da nach jedem Song völlig unnötig ausgeblendet wird und somit kein echtes Konzerterlebnis entsteht.

Mit dem in einer schmucken Verpackung enthaltenen Audio- und Videomaterial demonstriert Lynne, was perfekte Popmusik auszeichnet: eingängige Melodien, intelligente Arrangements, mehrstimmige Gesangsharmonien und dies alles mit „echten“ Instrumenten und ehrlicher Leidenschaft eingespielt.
Bewertung: 11/15 Punkten (GH 10, KR 10, KS 11)

Electric Light Orchestra (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu „normaler“ Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Jeff Lynne’s ELO – Wembley Or Bust

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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