Godspeed You! Black Emperor – Luciferian Towers

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(43:54, CD, Constellation Records, 2017)
Godspeed You! Black Emperor standen noch nie für offensichtlichen Kommerz und die Erfüllung der Erwartungen der Musikmaschinerie – das dokumentiert die Band aus Montreal auf ihrem aktuellen Album „Luciferian Towers“ einmal mehr.

Auf dem Cover findet sich keinerlei Hinweis auf den Bandnamen, im Booklet keine zu den beteiligten Musikern. Wie man es von den bisherigen Werken des kanadischen Künstlerkollektivs kennt, stehen dafür wieder unterschwellige, nicht sofort erkennbare politische Botschaften im Vordergrund. Diesmal geht es um Kapitalismuskritik, das Auflösen bestehender Strukturen und das Demontieren von Grenzen – Songtitel wie ‚Bosses Hang‘ oder ‚Anthem For No State‘ spiegeln das wider.

Der experimentelle, leicht orchestrale und u.a. mit klassischen Instrumenten wie Violine, Cello und Trompete angereicherte Postrock baut einmal mehr auf musikalisch Konstruktion und Dekonstruktion. In weit ausschweifenden, rein instrumentalen Klangräumen, wird cineastische Weitläufigkeit ausgelebt, aber auch traditionelle Bluesschemata und schleppende Rockriffs sind vernehmbar. Wer mit der Diskografie der Kanadier verraut ist, betritt mit „Luciferian Towers“ kein Neuland, dennoch funktioniert das vielschichtige, radikale und sehr dynamische Ausleben von Melodie, Dissonanz, Chaos und klanglicher Apokalypse auf ganz eigene Weise.

„Luciferian Towers“ besteht aus lediglich vier Tracks, wobei die „kürzeren“ Einleitungen (6:44 bzw. 7:47 Minuten lang) lediglich dazu dienen, die monolithischen Stücke ‚Bosses Hang“ (14:45) und ‚Anthem For No State‘ (14:37) einzuleiten und langsam Spannung aufzubauen. Akkorde und Dynamik dehnen sich träge aus, bevor gewaltige Walls of Sound den Hörer umblasen. Die Faszination entsteht aus dem Wechselspiel verstörender Dröhnorgien mit fragiler Schönheit. Kritisieren könnte man die Band dafür, dass man größtenteils genau das bekommt, was man erwartet.

Der instrumentale Postrock kündet zwar vom Untergang, dennoch klingt immer genügend Hoffnung durch. Die Welt scheint also noch nicht ganz verloren.
Bewertung: 11/15 Punkten (GH 10, KR 10, KS 11)

Godspeed You! Black Emperor (Foto: Band)

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Constellation Records

 

 

 

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Godspeed You! Black Emperor – Luciferian Towers

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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