The Watch – Seven

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(47:30, CD, Pick Up Records, 2017)
The Watch hauen die Alben nicht einfach im Jahrestakt raus, sondern sie lassen sich viel Zeit, bis ein neues Studioalbum in alt hergebrachter Vinyllänge von 40 bis 50 Minuten fertig ist. In der Vergangenheit dauerte es meist drei Jahre bis zum nächsten Output, sodass es nicht wirklich erstaunt, dass „Tracks From The Alps„, der Vorgänger von „Seven“, bereits 2014 erschien.

Die italienischen Musiker um Mastermind und Sänger Simone Rossetti sind also keine Schnellstarter, und ihre Veröffentlichungen weisen gewisse Konstanten auf. Seit jeher ist die Band sehr stark von Genesis in der Gabriel-Phase von 1970 bis 1974 beeinflusst, was in der Vergangenheit z. B. in recht originalgetreue Einspielungen von ‚Twilight Alehouse“‚ und ‚Stagnation‘ mündete, oder dazu führte, dass man einfach gleich mit dem Genesis-Material der frühen Jahre auf Tour ging.

Aber The Watch stehen auch für eine Neuinterpretation bzw. Weiterführung dieser Ära, wobei der Retro-Einfluss weiter augenscheinlich bleibt. Bei „Seven“ wartet die Band zudem mit Steve Hackett als Gastmusiker auf, was die Genesis-Verbundenheit einmal mehr unterstreicht. Mit ihm zusammen spielte man ‚The Hermit‘ von dessen 75er-Solodebüt „Voyage Of The Acolyte“ neu ein, was sich erstaunlich gut in das eigene Material einfügt.

Elegische, sinfonische Momente mit schwebenden Gitarrenklängen und moderater Keyboarddramatik bestimmen ansonsten den Sound der Band aus Mailand, über dem die sehr prägnante Stimme des Frontmanns thront. Das ist geschmackvoll und souverän arrangiert und verfügt über nostalgischen Charme. Dank sorgsam eingewobener Sound-Aktualisierung wird dabei aber keineswegs nur Musik aus der Mottenkiste präsentiert.

The Watch müssen wohl einmal mehr mit der Tatsache leben, dass man sie als Klone betrachtet. Doch auch hier gilt: besser gut geklaut bzw. nachempfunden, als wenig souverän auf eigenen Pfaden gewandelt. Und was man keineswegs bestreiten kann: The Watch verstehen ihr Handwerk und sind eben keine reinen Kopisten.

„Seven“ bewegt sich in erster Linie auf erwartetem Terrain, ist aber dennoch eine behutsame Neuausrichtung gegenüber dem Vorbild und etwas eigenständiger und origineller als das letzte Album.
Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KR 10, KS 10)

The Watch (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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The Watch – Seven

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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