Mother Tongue – Streetlight/Ghost Note, Fan-Edition

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(45:32, 53:17, 2 CD, Noisolution, 2002, 2003/2016)
Lange Zeit war es um die in Kultband aus Los Angeles still geblieben, 2016 dann erleichtertes Aufatmen in der Fangemeinde: Mother Tongue lebt! Grund genug für eine Revival-Tour und die Neuauflage zweier längst vergriffener Scheiben in einer Fan-Edition.

„Streetlight“: Nach kurzem Intro gibt es mit der Postrock-Hymne ‚Crmble‘ und dem knackig kurzen ‚He’s The Man‘ erstmal richtig auf die Ohren. Etwas gediegener hingegen wirkt der Anfang von ‚Future‘. Doch auch hier dauert es nicht lange, bis verzerrte Funk-Riffs aus den Boxen dröhnen. Richtig ruhig wird es erstmals mit ‚Nightbirds‘. Das Singen der Nachtigall bleibt aber aus, stattdessen legt sich Sirenengeheul über akustische Gitarren-Arpeggios. Ein Kontrast mit dem auch im Titel ‚Casper‘ gespielt wird, denn schon beim ersten Ton wird klar, dass hier nicht mit einem freundlichen Geist zu rechnen ist. Vielmehr erzählen Mother Tongue vom Wahnsinn der modernen Zivilisation: Ob sterbende Teenager, Habgier oder Kriminalität – “Streetlight” prangert offen und zielsicher Missstände unserer Gesellschaft an. Sozialkritik vermischt mit Blues, Funk und Rock. Obgleich die Platte nun schon 15 Jahre auf dem Buckel hat, sucht der erdige Sound noch immer seinesgleichen und weder Inhalt noch Musik haben an Aktualität verloren.

„Ghost Note“: Auch dieses Album bietet ein interessantes Gemisch aus Blues, Funk, Post- und Punkrock, es klingt beim ersten Hören aber weniger explosiv als „Streetlight“. Obwohl das Songwriting komplexer geworden ist und ausgedehntere Improvisationsteile, wie zum Beispiel im Titel ‚In The Night Time‘, enthalten sind, wirken die Texte plakativer, der Gesang glatter. Das gilt leider auch für den Sound an sich: Bestachen “Mother Tongue” und “Streetlight” noch durch ihre schmutzig-rohe Ehrlichkeit, klingt “Ghost Note” im direkten Vergleich zwar klarer, dadurch aber eben auch ein Stück gewöhnlicher. Dennoch ist es beileibe kein schlechtes Album, denn mit ‚That Man‘, ‚Helicopter Moon‘, ‚Sad Song‘ sowie den Bonustracks ‚Mayday‘ und ‚Silhouette‘ sind hier lobenswerte Ausnahmen zu finden.

Der Release kommt im Fold-out-Digipak mit den Original-Covern im Innenteil und 20-seitigem Booklet. Für den frischen Außenanstrich sorgt das neue Artwork von Großmeister Alexander von Wieding. Damit wird die Platte auch optisch zum Leckerbissen, der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.
Bewertung: 13/15, 11/15 Punkten

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Mother Tongue – Streetlight/Ghost Note, Fan-Edition

von Patric Sulz Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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