Isildurs Bane & Steve Hogarth – Colours Not Found In Nature

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(41:27, CD, Ataraxia/Just for Kicks, 2017)
Progressive Rock meets Pop meets Kammermusik: Zu Steve Hogarth, dem Leadsänger von Marillion, muss man wohl wenig sagen. Und Isildurs Bane bedürfen zumindest in der Progszene wohl auch keiner allzu großen Vorstellung. Für den einen eine weitere gelungene Kollaboration außerhalb seiner Hausband (oder ‚House‘-Band, wer den Witz versteht), für die anderen eine Rückkehr auf die internationale Bildfläche. Für die 1976 gegründete Band aus Schweden ist es das erste richtige Album seit dem 2003er-Werk
„MIND Volume 4“. Seit 2005 gibt es die jährlich stattfindenden IB-Expos sowie weitere Projekte. Nun stellte man sich der Herausforderung, neue Musik zu schreiben und einzuspielen.

Geschrieben wurden die sechs Songs von Hogarth, der alle Vocals beisteuerte, und Isildurs Banes musikalischem Kopf und Keyboarder Mats Johansson (seit 1977 dabei). Die Zusammenarbeit entstand, nachdem Hogarth mit seinem vorherigen Kollaboristen Richard Barbieri (of Porcupine Tree fame) 2013 bei Isildurs Banes jährlichem Event aufgetreten war. Johansson schrieb den größten Teil der Musik, extra mit H als Sänger im Kopf, und dieser steuerte weitere Ideen, Gesangslinien und Texte bei. Das alles in Hotelzimmern, während der Arbeit und Tour zu Marillions 2016er-Album „Fuck Everyone And Run„. So wurde das Album auf der ganzen Welt aufgenommen.

Aber neben den beiden sind natürlich vor allem die Musiker die Hauptakteure, und diese verdienen es alle, hier genannt zu werden. Zu Isildurs Bane gehören:
Katrine Amsler – Keyboards, Electronics
Klas Assarsson – Vibraphine, Marimba, Percussion
Luca Calabrese – Trumpet
Axel Croné – Bass, Clarinets, Saxophones, Flute, String Arrangements
Samuel Hällkvist– Guitars
Christian Saggese – Classical Guitar
Kjell Severinsson – Drums

Als Gastmusiker sind dabei:
Liesbeth Lambrecht – Violin & Viola
Pieter Lenaerts – Double Bass
Xerxes Andrén – Drums
John Anderberg – Choir Vocals
Anneli Nilsson – Backing Vocals

Die versierten Musiker bietet einen breiten musikalischen Mix aus Rock, Klassik und teilweise jazzigen Einflüssen.

‚Ice Pop‘ beginnt schnell und von Gitarrenriffs getrieben – „I gave up the smoking and the M.D.M.A“, singt H, der alte Scherzbold. Leser seiner Biografien können damit etwas anfangen. Das Stück geht direkt in das beatlesque ‚The Random Fires‘ über. Beide Songs gehören zu den Highlights des Albums. H singt, beschwört und murmelt, wie man es von ihm kennt. Das tut er auch in ‚Periphal Vision‘, einer Ballade, die unter die Haut gehen soll, je nach Stimmungslage aber auch langweilen kann. Aber das ist ja einer der Kritikpunkte vieler alter Marillion-Fans gegenüber Hogarth.

‚The Love And The Affair‘ ist wieder gitarren- und vor allem streicherlastig. ‚Diamonds And Amnesia‘ wird musikalisch durch Synths, Streicher und Glockenspiel umgesetzt und erinnert noch am ehesten an die Stimmung von „Not The Weapon But The Hand“. Am Ende laufen beim epischen, energiegeladenen ‚Incandescent‘ alle Beteiligten nochmal zu Hochform auf. Hogarth besingt seine üblichen dramatischen Themen Liebe, Spiritualität und metaphorisch verpackte Gesellschaftskritik) – die klassisch angehauchte Verpackung tut ihnen gut. Im November letzten Jahres erlebte das Ganze seine Livepremiere bei Isildur Banes Expo-Konzerten.

Das Album bietet einen schöne Kontrast zu Marillion und zu Hogarths Zusammenarbeit mit Richard Barbieri. Seine Ideen und Themen funktionieren auch mit der Musik von Isildurs Bane, wenn auch nichts über die HogarthBarbieri-Kollaboration geht. Ein weiteres abwechslungsreiches Kapitel in Hogarths Diskographie und ein gelungenes Comeback von Isildurs Bane.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 9, DH 9, KR 7, PR 12, KS 10)

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Über den Autor

Philipp Roettgers

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Isildurs Bane & Steve Hogarth – Colours Not Found…

von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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