Renaissance – Live At The BBC Sight & Sound

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(68:16 + 73:15 + 60:08, CD+DVD, Repertoire Records, 2016)
„Live At The BBC Sight & Sound“ ist so etwas wie die historische Fortsetzung der Alben „DeLane Lea Studios 1973“ und „Academy Of Music 1974„.  Die hier vertretenen drei CDs und eine DVD decken den Zeitraum von 1975 bis 1978 ab, als sich Renaissance auf ihrem künstlerischen und kommerziellen Höhepunkt befanden.

Dass die Band sowohl spieltechnisch als auch kompositorisch ein beeindruckendes Level erreicht hatte, dokumentiert in erster Linie die DVD/CD, die einen rund einstündigen Auftritt bei „BBC Sight & Sound“ im Jahr 1977 im Londoner Golders Green Hippodrome präsentieren. Interessant, dass in diesem Sendeformat Renaissance die erste Band war, von der ein Konzert simultan im Fernsehen und im Radio übertragen wurde.

Bei der DVD muss man im Bild einige vertretbare Unschärfen verkraften, während die ruhige Kameraführung der BBC ein durchaus angenehmes Konzert im damaligen zeitlichen Kontext präsentiert. Auf der Bühne passiert nicht besonders viel und außer etwas Nebel wurde auf optische Gimmicks verzichtet. Dass das Bühnenoutfit dem damaligen Zeitgeist entsprach, davon kann man auch im diesbezüglich selbstironisch gehaltenen Booklet lesen. Kommentare wie „Wie konnten wir damals nur so etwas anziehen?“ deuten darauf hin, dass Kimonos, lange Kleider und das damals angesagte Hairstyling den Test der Zeit nicht bestanden haben. Dafür gibt es spieltechnisch überhaupt nichts zu meckern, der Mix aus sinfonischem Progressive Rock, Folk und verträumter Lyrik verfehlt keineswegs seine Wirkung.

Auch noch im zeitlichen Abstand von mehreren Jahrzehnten verfügt die Musik von Renaissance über eine edle, ätherische, unverwechselbare Note, die von der mehrere Oktaven umfassenden glasklaren Stimme von Annie Haslam als signifikantes Merkmal bestimmt wird. Bedauerlich ist, dass sowohl Keyboarder John Tout als auch Gitarrist Michael Dunford inwischen nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Logischerweise gibt es etliche Überschneidungen bei den dargebotenen Titeln, sodass zum Beispiel ‚Ocean Gypsy‘, ‚Running Hard‘, ‚Mother Russia‘ und ‚Prologue‘ mehrfach zu hören sind. Da Renaissance nur sehr wenig Variationen bzw. Interpretationen bei ihren Songs vornahmen, sind die Unterschiede nur marginal und, wenn überhaupt, lediglich in Nuancen zu vernehmen. Andererseits kann man sich selbstverständlich die einzelnen Mitschnitte auch separat anhören, sodass dieses Manko keineswegs zu schwer wiegt.

Interessant sind vor allem der 77er-Auftritt bzw. der 78er-BBC-Mitschnitt, da hier Titel vom damals aktuellen Album „Novella“ enthalten sind, die man eher selten in Live-Interpretation zu hören bekommt.  Auf der 76er-Aufnahme ist eine Version von „Song Of Scheherazade“ ohne Orchester enthalten, und die 75er-Version von „Ashes Are Burning“ wartet mit einigen kleinen Neuausrichtungen im Vergleich zur Studioversion bzw. der bekannten Version auf „Live At The Carnegie Hall“ auf.

Alles in allem ein gelungenes Fest für die Fans der klassischen Periode dieser Band.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 11, KS 12)

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„Northern Lights“
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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Renaissance – Live At The BBC Sight & Sound

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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