Renaissance – Academy Of Music 1974

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Renaissance - Academy Of Music 1974(48:56 / 39:22, CD, Purple Pyramid Records/Cleopatra, 1974/2015)
Nahezu parallel zum Live im Studio mitgeschnitten Album „DeLane Lea Studios 1973“ erscheint mit  „Academy Of Music 1974“ ein weiterer Livemitschnitt aus der überaus beachtenswerten Renaissance-Historie. Im Gegensatz zum Parallel-Album handelt es sich dieses mal wirklich um einen Konzertmitschnitt vor „echtem“ Live-Publikum, welches im Rahmen der ’74er US-Tour entstand. Ursprünglich kursierte dieser im Radio aufgezeichnete und gesendete Gig über viele Jahre als Bootleg, mittlerweile verleiht Purple Pyramid Records den Aufnahmen einen gewissen offiziellen Charakter, wobei immer noch der Radiomitschnitt die Grundlage für diese Veröffentlichung liefert.

Gewisse Parallelen zwischen den Aufnahmen aus dem DeLane Lea Studios sind vorhanden, den wiederum darf Wishbone Ash-Bandleader Andy Powell „Ashes Are Burning“ als Special Guest mit einem wunderbaren, herzerweichenden Solo verfeinern, auch sind im Vergleich zum ’73er Auftritt des vorherigen Live-Albums einige Songs nochmals zu hören (‚Can You Understand?‘, ‚Carpet Of The Sun‘, ‚Running Hard‘, ‚Prologue‘). Doch als besonderer Gimmick ist bei diesem Auftritt auch ein Orchester zugegen, das von Howard Stein geleitet wird. Zudem sorgte gerade diese Tour für den endgültigen Durchbruch von Renaissance jenseits des atlantischen Ozeans, was man aufgrund der Bühnenpräsenz und Leidenschaft der britischen Band durchaus nachvollziehen kann.

Im zentralen Fokus stand bei dieser Tour logischerweise das ’74er Album „Turn Of The Cards“, welches bis auf ‚I Think Of You‘ komplett im Liveset und auf dieser Doppel-CD seinen Niederschlag findet.  So bekommt man hier z.B. auch mal die selten zu hörenden Songperlen ‚Black Flame‘ oder ‚Cold Is Being‘ zu hören, während die Klassiker ‚Things I Don’t Understand‘ und vor allem ‚Mother Russia‘ bis heute zum festen Liverepertoire der Band gehören. Spielfreude und offensichtlicher Spaß sind einmal mehr ansteckend – gerade Sängerin Annie Haslam lacht mehrmals völlig ekstatisch und irgendwie der wirklichen Welt entrückt – doch wenn man ganz ehrlich ist, dann sind diese Aufnahmen vor allem für die Fans interessant, denn der „normale“ Hörer wird sich sicherlich am nicht immer ausgewogenen, perfekten Sound, Störgeräusche durch einige, bisweilen vor sich hinquatschende Zuschauer und mitunter auftretenden Rückkoppelungen stören. Doch andererseits transportiert gerade dieser Radiomitschnitt wirklich echtes, historisches Livefeeling und da ist nun mal nicht immer alles perfekt.

Gefühlt sollte dieses Album wesentlich besser bepunktet werden, doch leider sorgen einige Abzüge beim Sound und dem damit verbundenen klanglichen Gesamteindruck für gewisse Abzüge. Dennoch ein überaus interessanter, mitreißender Livemitschnitt für Fans – der „normale“ Renaissance Hörer ist livetechnisch mit dem grandiosen Klassiker „Live at Carnegie Hall“ sicherlich besser bedient.
Bewertung: 10/15 Punkten

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Renaissance – Academy Of Music 1974

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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