Gestrichen statt geflötet? Ian Anderson veröffentlicht „String Quartet“-Album

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Einen starken Bezug zu klassischer Musik hatte Ian Anderson schon immer: Bereits auf Jethro Tulls zweitem Alben „Stand up“ von 1969 interpretierte er Johann Sebastian Bachs ‚Bourée‘ unvergleichlich gut – Fans des Pied Pipers muss man das nicht groß in Erinnerung rufen, schließlich pfeifen die Spatzen diesen unkaputtbaren Dauerbrenner bis heute von den Dächern. Viele Jahre später folgte das Album „A Classic Case – The London Symphony Orchestra Plays The Music Of Jethro Tull“ (1985), wofür der einstige Tull-Keyboarder David Palmer – inzwischen übrigens zu Mrs. Dee Palmer mutiert – die Arrangements besorgte. Und auch eine Liveplatte Andersons mit klassischem Klangkörper gibt es: 2006 erschien „Ian Anderson Plays The Orchestral Jethro Tull“.


Jetzt hat der nimmermüde Schotte es wieder getan: Gemeinsam mit dem Carducci Quartet spielte er einen Schwung überwiegend sehr populärer Tull-Songs neu ein. Schon deren leicht abgewandelte Titel deuten darauf hin, dass diesmal das Können seiner Begleiter und deren aus Bratsche, Violinen und Cello bestehendes Instrumentarium den Klangcharakter des Dargebotenen maßgeblich mitbestimmen. Beim Hören bewahrheitet sich das dann auch: Kammermusikalisch kommen Andersons Kompositionen ganz anders rüber – und zwar, soviel sei schon jetzt verraten, beinahe ausnahmslos richtig gut.

Die Tracklist:
1. In The Past (Living In The Past)
2. Sossity Waiting (Sossity: You’re a Woman/Reasons For Waiting)
3. Bungle (Bungle In The Jungle)
4. We Used To Bach (We Used to Know/Bach Prelude C Major)
5. Farm, The Fourway (Farm On The Freeway)
6. Songs and Horses (Songs From The Wood/Heavy Horses)
7. Only The Giving (Wond’ring Aloud)
8. Loco (Locomotive Breath)
9. Pass The Bottle (A Christmas Song)
10. Velvet Green (Velvet Green)
11. Ring Out These Bells (Ring Out, Solstice Bells)
12. Aquafugue (Aqualung)

Ungewöhnlicher Arbeitsplatz für Rocker: Ian Anderson mit Arrangeur John O’Hara und dem Carducci Quartet in heiligen Hallen (Foto: Künstler)

In Anbetracht des Plattencovers und der Überschrift unserer News darf man sich von zweierlei nicht täuschen lassen. Zum einen: Nein, leider gab es keine Reunion der seit dem Abschied von Gitarrist Martin Barre nicht mehr existenten Jethro Tull, zugange ist hier neben dem Streichquartett nur Ian Anderson. Zum anderen: Natürlich flötet der Meister fleißig wie immer, allerdings ein wenig zurückgenommen und damit dem Konzept dieses Werkes dienlich.

 

Aufgenommen wurde das Album in der Krypta der Worcester Cathedral und in der St Kenelm’s Church in Sapperton, Gloucestershire. Als Arrangeur wirkte der Tull-Fans aus Andersons aktueller Band bestens bekannte Keyboarder John O’Hara.

„Jethro Tull – The String Quartets“ erscheint am 24. März 2017 auf CD und – für Freunde des Guten, Schönen und Wahren – standesgemäß als schön aufgemachte Doppel-LP im Gatefold Cover.

O’Hara und der Chef nach Feierabend (Foto: Künstler)

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Detlev Schmidt

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von Detlev Schmidt Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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