Toxenaris – The Third Policeman

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(46:15, CD, Eigenveröffentlichung, 2016)
Dieses außergewöhnliche Projekt des Göttinger Komponist und Multi-Instrumentalist Timo Aspelmeier widmet sich der musikalischen Umsetzung des Romans „Der dritte Polizist“ des irischen Schriftstellers Flann ‚O Brien. Das Buch gilt als frühe postmoderne Literatur – es ist schwierig bis verworren und voller Metaebenen. Es gibt bereits Theater- und Opernfassungen davon, nun widmet sich Toxenaris dem Werk.

Bereits im Booklet gibt Aspelmeier freimütig zu, nicht alle Facetten des Romans mit einbeziehen und umsetzen zu können. Dies ist natürlich gerade bei einem solchen Werk auch eine Herausforderung. Auch kommt man unweigerlich nicht umhin, Parallelen zu anderen Literaturvertonungen zu ziehen, allen voran natürlich „Tales Of Mystery And Imagination“ von The Alan Parsons Project. Große Fußstapfen bedeuten aber nicht gleich, dass man in sie treten soll. Oder tritt.

Mit Geigentönen (oder ist das ein Cello?) werden wir in die Welt des Romans eingeführt. Die Atmosphäre stimmt, die Songtitel erklären, um wen oder was es sich in den entsprechenden Stücken handelt. Auch die optische Aufmachung des gesamten Pakets passt perfekt und verspricht einiges. Nach dem Intro enttäuscht das ambitionierte Projekt jedoch musikalisch leider auf ganzer Linie. Uninspirierte Stücke reihen sich aneinander, gehen nahtlos ineinander über. Die nie enden wollenden Synthieklänge klingen schlichtweg furchtbar nach Plastikkeyboard, die Drumsounds entstammen einer billigen Konserve.

Es gibt kurze positiv herausstechende Momente, wie das nur vom Klavier gespielte ‚A Power For The Hills‘ oder Passagen aus ‚Inspector O’Corky‘. Diese bleiben jedoch selten und man muss sie mit der Lupe suchen. Dass alles instrumental bleibt, macht es nicht besser. Hier sind alle Stücke austauschbar und belanglos.

Es fällt mir beileibe nicht leicht, das zu schreiben. Es tut mir auch Leid, denn man merkt durchaus, wie viel Mühe und Herzblut im Konzeptalbum stecken. Die Umsetzung ist jedoch gescheitert und kommt leider an keine professionelle Aufnahme heran. Sehr schade, denn die Idee ist vielversprechend. Mit einer richtigen Band (oder alternativ mit besseren Sounds), mit Vocals an der einen oder anderen Stelle und einer besseren Produktion könnte dies ein richtig schönes Album werden, dem umso mehr ambitionierte Literaturvertonungen folgen könnten. Die Inspiration und das Können scheinen da zu sein. Hier ist das Experiment ist jedoch nicht gutgegangen.
Bewertung: 2/15 Punkten (KR 6, PR 2)

PS: Ausnahmsweise hier mal eine Gegenstimme – nicht, um dem erstversorgenden Kollegen in den Rücken zu fallen, sondern um dem Third Policeman denselben zu stärken: Immer wenn es gelingt, sich von den teils missliebigen Sounds zu lösen, überzeugt zumindest meinereinen die Literatur-Umsetzung! In ihren zugegeben vorhandenen schwächeren Takten wirkt sie wie eine Synthie-Demo-CD. In ihren besten wie Kammerprog meets Camel or Bo Hansson.

Mögen die Leser entscheiden, möge diese Musik viele Hörer finden. KR

Surftipps zu Toxenaris:
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Über den Autor

Philipp Roettgers

“Journalism is a low trade and a habit worse than heroin, a strange seedy world of misfits and drunkards and failures.” – Hunter S. Thompson.

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Toxenaris – The Third Policeman

von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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